Eine Lockheed Martin F-16I Soufa hebt während der 156. Abschlussfeier der IDF/AF-Flugschule ab. Foto Tsahi Ben-Ami/Flash 90
Eine Lockheed Martin F-16I Soufa hebt während der 156. Abschlussfeier der IDF/AF-Flugschule ab. Foto Tsahi Ben-Ami/Flash 90

Der ehemalige Leiter der Forschungsabteilung des IDF-Nachrichtendienstes, Yossi Kuperwasser, sagt, der Iran suche alternative Methoden im Kampf gegen Israel. „Eine Drohne nach Israel zu schicken, war ein aggressives Wagnis, das gescheitert ist.“

 

von Gilad Zwick

Die Vorkommnisse, die sich diesen Sonntag an der Nordgrenze Israels ereigneten, verbesserten nach Auskunft von Brigadegeneral d. R. (der Reserve) Yossi Kuperwasser, dem ehemaligen Leiter der Forschungsabteilung des Nachrichtendienstes der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) und leitenden Wissenschaftler am Jerusalem Center for Public Affairs, die strategische Lage Israels.

In einem Gespräch mit dem Magazin MiDA erklärte Kuperwasser, die Ereignisse seien insgesamt tatsächlich ein Erfolg für Israel. „Es gab eine beeindruckende israelische Machtdemonstration und es ist uns gelungen, nicht nur den Iranern, sondern auch den Syrern und der Hisbollah eine deutliche Botschaft zu senden. Wir haben der syrischen Luftverteidigung erhebliche Schäden zugefügt und mindestens vier iranische Ziele angegriffen. Wir haben dem Iran klargemacht, dass wir über ausreichende Kapazitäten verfügen, um uns ihren Versuchen, neue Spielregeln in der Region einzuführen, entschieden entgegenzustellen“, stellte Brigadegeneral Kuperwasser fest.

Die heutige Konfrontation startete nach einer Offensivaktion des Iran, der Haupt-Leidtragende war jedoch Syrien.

„Die Iraner haben kein Problem damit, Israel bis auf den letzten Syrer zu bekämpfen. Der Iran ist frustriert, weil Israel ihn davon abhält, seine drei selbstgesteckten Ziele zu erreichen: „bahnbrechende“ Waffen an die Hisbollah zu liefern, eine Vielzahl militärischer Stützpunkte in Syrien zu etablieren und eine andauernde Konfrontation mit Israel auf den Golanhöhen zu schaffen. In den beiden erstgenannten Missionen ist der Iran bei weitem weniger erfolgreich, als er erwartet hatte. Was die dritte Mission angeht, so scheitert er derzeit kläglich.“

Laut Kuperwasser handelte es sich bei dem schwerwiegenden Vorfall vom Sonntagmorgen um einen Versuch des Iran, das Versagen beim Erreichen seiner ursprünglichen Ziele zu verschleiern und alternative Möglichkeiten im Kampf gegen Israel zu schaffen. „Anstatt eine dritte Partei wie die Hisbollah zu benutzen, setzten sie auf einen aggressiven Kurs in eigener Regie gegen Israel. Dies ist ein folgenschwerer Schritt, der zumindest vorerst gescheitert ist.“

Wie wird der Abschuss eines israelischen Düsenjets von den Iranern gewertet werden?

„Unglücklicherweise hatten wir zwei verletzte Piloten und den Verlust eines Jets zu beklagen. Dies hat jedoch keine strategische Relevanz. Wenn man kämpft, wird man auch verwundet. Niemand überprüft, wie viele Iraner oder Syrer bei unseren Angriffen verletzt wurden. Wir haben uns an die ‚Gratis-Angebote‘ gewöhnt, wenn wir bislang zwar unsererseits angriffen, aber selbst nicht zurück angegriffen wurden. Deshalb fühlt es sich jetzt, da wir einen Preis zahlen mussten, plötzlich so ungewohnt für uns an.“

Können Sie verstehen, welches Ziel die Iraner verfolgten, als sie die Drohne nach Israel schickten?

„Wir wissen nicht, was das Ziel der Drohne war, aber mit grosser Gewissheit waren sie darauf vorbereitet, dass dieser Schritt eine potentielle Eskalation zur Folge haben würde. Dies ist offensichtlich, weil Flugabwehrraketen abgefeuert wurden, von denen eine unser Kampfflugzeug traf. Ich glaube nicht, dass die Absendung der Drohne nur ein deklarativer Akt war, denn dies ist durch die Hisbollah in der Vergangenheit bereits hinlänglich geschehen. Glücklicherweise hat die Drohne ihre Mission nicht erfüllt.“

Der iranische Präsident Rohani wird sich nun Putin gegenüber erklären müssen.

„Definitiv. Ohne Zweifel war ein derartiger Akt zuvor nicht mit den Russen abgesprochen und sie waren nicht darüber informiert – was für Russland sehr schwerwiegend ist. Putin hatte sich darauf verlassen, dass in Syrien Ruhe herrscht und dass Russland die dortigen Angelegenheiten im eigenen Interesse regeln kann. Nun wurden die von Israel gegenüber Russland ausgesprochenen Warnungen bestätigt, dass der Iran gefährlich ist und die Tatsache, den Iranern freie Hand zu gewähren, Russland nicht helfen, sondern vielmehr dazu beitragen würde, Unruhe in die Region zu bringen und die Ruhe zu untergraben.“

Nehmen die Iraner keine Rücksicht auf die Wünsche Russlands?

„Sie nehmen in der Tat keine wirkliche Rücksicht auf die Russen. Teheran ist der Ansicht, Moskau sei auf es angewiesen, um die Gegner Assads zu bekämpfen, daher ist ihnen egal, was Putin denkt. Dies wird sich nun vermutlich ändern.“

Wollte der Iran auch den Amerikanern eine Botschaft senden?

„Der Iran dachte, diese Aktion würde den Vereinigten Staaten und insbesondere Europa beweisen, dass sie gut daran täten, die Atomvereinbarung nicht zu ändern, da Teheran nichts und niemanden fürchtet. Das hat allerdings nicht wirklich funktioniert, denn jetzt haben sie gesehen, dass sie sich besser nicht mit Israel anlegen.“

Spielte die Tatsache, dass Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist, eine Rolle in dem Entschluss Israels, einen massiven Angriff zu starten?

„Nein, meiner Meinung nach hätten wir so oder so angegriffen, gleichgültig, wer gerade als Präsident im Weissen Haus sitzt.“

Manche argumentieren, dass in einer Zeit hochleistungsfähiger ballistischer Raketen Territorien unwichtig sind und die Golanhöhen daher abgetreten werden könnten.

„Das ist schlicht und einfach falsch. Im Gegenteil. Unsere Präsenz in den Golanhöhen verschafft uns einen weiteren Sicherheitsrahmen, in dem wir uns mit der Luftwaffe koordinieren können. Der Golan ermöglicht uns ausserdem, all die in Syrien stattfindenden Ereignisse von Tiberias, dem See Genezareth und anderen Gebieten am Fusse der Golanhöhen, fernzuhalten. Solche Ereignisse machen einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, an den Golanhöhen festzuhalten.“

Stehen wir am Beginn einer neuen Ära in der Region?

„Die Frage ist, wie sich die Iraner entscheiden werden. Zweifelsohne haben sie versucht, eine neue Ära einzuläuten, allerdings erhielten sie eine entschlossene Reaktion von Israel. Sie sind beunruhigt, aber wir dürfen uns auch nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Dem Iran ist es erfolgreich gelungen, die Hisbollah im Libanon mit Waffen auszurüsten und selbst wenn unsere Reaktion sie davon überzeugen wird, dass es besser ist, in der syrischen Region den Fuss vom Gaspedal zu nehmen, ist das noch nicht das Ende der Geschichte. So oder so, wir müssen in jedem Fall wachsam und kampfbereit bleiben.“

Auf Englisch zuerst erschienen bei MiDA

Diesen Beitrag teilen
  • 2
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •