Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, sprach am 14. Januar 2018 vor dem PLO-Zentralausschuss in der Stadt Ramallah. Foto Flash90
Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, sprach am 14. Januar 2018 vor dem PLO-Zentralausschuss in der Stadt Ramallah. Foto Flash90

2008 lehnte der palästinensische Führer das nicht zu übertreffende Friedensangebot von Ehud Olmert ab. Die empörende Rede vom Sonntag vor einer Woche in Ramallah macht klar warum.

 

von David Horovitz

Vor nahezu einem Jahrzehnt bot Ehud Olmert in den letzten Monaten seiner Amtszeit als israelischer Premierminister dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, fast alles an, was sich die Palästinenser doch angeblich so sehr von Israel wünschen.

Als er am 16. September 2008 Abbas in der Residenz des Premierministers in Jerusalem empfing, präsentierte ihm Olmert eine grosse Landkarte und präzisierte die bemerkenswerten territorialen Zugeständnisse, die er den Palästinensern anbot, um diesen Souveränität zu verschaffen und den israelisch-palästinensischen Konflikt ein für alle Mal zu beenden.

Olmert bot Abbas Gebiete an, die der Fläche von einhundert Prozent des Westjordanlands entsprachen. Dabei sollte das Land eins zu eins getauscht werden. Israel hätte auf diese Weise seine Souveränität um drei grosse Siedlungsblöcke ausdehnen können und die Palästinenser wären mit Land innerhalb der aktuellen souveränen Grenzen Israels entschädigt worden. Zwar wies er das „Recht auf Rückkehr“ von Millionen Palästinensern nach Israel zurück – ein Zustrom, der den jüdischen Staat zum Untergang verurteilt hätte – bekundete aber stattdessen seine Bereitschaft, die Forderung der Arabischen Friedensinitiative nach einer gerechten und einvernehmlichen Lösung der Flüchtlingsfrage, einschliesslich eines Entschädigungsfonds und der symbolischen Aufnahme einiger Tausend Flüchtlinge, zu erfüllen.

Besonders dramatisch war, dass er vorschlug, Jerusalem in israelisch- und palästinensisch-kontrollierte Stadtviertel zu unterteilen und die israelische Souveränität über den Tempelberg und die Altstadt aufzugeben. Stattdessen, so Olmert, würde das „Heilige Becken“ von einer fünf Mitglieder zählenden, nichtstaatlichen, internationalen Treuhänderschaft – bestehend aus Israel, der Palästinensischen Autonomiebehörde, Jordanien, den USA und Saudi-Arabien – verwaltet werden.

Olmert wollte seine Landkarte nicht an Abbas übergeben, so lange der PA-Chef sie nicht unterzeichnet hatte. Abbas weigerte sich, dies zu tun. Also wurde am Ende ihres aussergewöhnlichen Treffens entschieden, dass beide Seiten sich am nächsten Tag erneut treffen würden, um an der Finalisierung der Bedingungen zu arbeiten. Olmert erinnerte sich 2015 in einem israelischen Fernsehinterview: „Ich sagte zu ihm: ‚Denken Sie an meine Worte – bis es noch einmal einen israelischen Premierminister gibt, der Ihnen das anbietet, was ich Ihnen jetzt anbiete, werden fünfzig Jahre vergehen. Verpassen Sie diese Gelegenheit nicht‘“.

Aber genau das ist es, was Abbas tat – er verpasste die Gelegenheit. Er eilte nach Ramallah zurück, wo er schnell eine eigene Version der Karte skizzierte, die Olmert vorgeschlagen hatte. Stunden später rief sein Verhandlungsführer Saeb Erekat an, um mitzuteilen, dass die Palästinenser sich nicht wie geplant treffen könnten, da sie nach Amman gereist seien. Sie würden jedoch in der darauffolgenden Woche zu Gesprächen zurückkehren. Dies ist jedoch nie geschehen. Noch Jahre später sagte Olmert mit Bedauern, er warte immer noch darauf, von Abbas zu hören.

2015 gab der PA-Chef zu, dass er Olmerts Bedingungen zurückgewiesen hatte, indem er sich beschwerte, das Angebot für die Flüchtlinge sei nicht zufriedenstellend gewesen und bezüglich der Gebietsaufteilung heuchlerisch erklärte: „Er zeigte mir eine Landkarte. Er gab mir keine Landkarte … Er sagte zu mir: ‚Das ist die Karte‘ und nahm sie wieder weg. Ich respektierte seinen Standpunkt, aber wie kann ich etwas unterzeichnen, das er mir nicht ausgehändigt hat?“

Eine Skizze des Angebots des damaligen Premierministers Ehud Olmert an den Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, im Jahr 2008. Die Karte wurde von Abbas handgezeichnet. Foto Walla News.
Eine Skizze des Angebots des damaligen Premierministers Ehud Olmert an den Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, im Jahr 2008. Die Karte wurde von Abbas handgezeichnet. Foto Walla News.

Es überrascht kaum, dass Abbas das aussergewöhnliche Friedensangebot Olmerts in seinem über zweistündigen Anti-Israel-, Anti-Trump- und Anti-Friedens-Streifzug vor den Mitgliedern der PLO-Führung am Sonntag vor einer Woche in Ramallah nicht erwähnte. Dennoch lieferte diese haarsträubende Rede die traurige Erklärung dafür, warum der Mann, dessen Aufgabe es war, die Eigenstaatlichkeit für sein Volk zu erlangen, fast ein Jahrzehnt früher die beste Chance zurückwies, die sich ihm je bieten würde, um dieses erklärte Ziel zu erreichen.

Abbas verbitterter 82-jähriger Mund enthüllte die Wahrheit: Er glaubt tatsächlich selbst an die bösartige Propaganda, die zuerst von seinem verstorbenen und unbeweinten Vorgänger, Yassir Arafat, verbreitet und dann während der 13 Jahre, in denen er selbst an der Spitze der Palästinensischen Autonomiebehörde stand, aufrecht erhalten wurde.

Selbstverständlich entschied sich Abbas dafür, Olmerts unschlagbares Angebot der Eigenstaatlichkeit abzulehnen. Es hätte bedeutet, dass die Palästinenser die Legitimität eines Israel hätten anerkennen müssen, welches nach Abbas eigenen Worten nichts anderes ist, als ein haltloses „Kolonialprojekt, das nichts mit dem Judentum zu tun hat.“ Es hätte bedeutet, dass die Palästinenser das Gebiet mit einem Volk hätten teilen müssen, dem – nach ihrer üblen Neuschreibung der Geschichte – das Heilige Land so fremd war, dass es lieber den Tod in den Händen der Nazis suchte, als hier zu leben. „Die Juden wollten nicht auswandern, trotz Mord und Totschlag“, so seine Darstellung. „Selbst während des Holocaust wanderten sie nicht aus.“

Der Mann, der in seiner Doktorarbeit zionistischen Unruhen die Schuld für den Holocaust gab und der die Anzahl der jüdischen Opfer bestritt, gab eine ganze Reihe von Unwahrheiten von sich.

In seinem revisionistischen Narrativ führte er weiter aus, das Heilige Land sei bei den Juden derart unerwünscht gewesen, dass sich David Ben-Gurion dazu veranlasst gesehen hätte, die Juden aus dem Nahen Osten zu zwingen, hierher zu kommen. „Ben-Gurion wollte nicht, dass Juden aus dem Nahen Osten [nach Israel] kämen“, erzählte Abbas seiner andächtig lauschenden Zuhörerschaft, „als er aber das weite Land sah, war er gezwungen, die Juden aus dem Nahen Osten zu holen … die nicht hierher kommen wollten. Aus dem Jemen holten sie 50.000 Juden… Dann gingen sie in den Irak, wo viele Juden ansässig waren…“

Der Mann, der in seiner Doktorarbeit zionistischen Unruhen die Schuld für den Holocaust gab und der die Anzahl der jüdischen Opfer bestritt, gab eine ganze Reihe von Unwahrheiten von sich, die selbst dem gleichgültigsten Beobachter der Ereignisse des 20. Jahrhunderts klar ersichtlich sind. Er bediente sich eingehend eines Narrativs, das keinerlei jüdische Verbindung zu diesem Land duldet – keine biblische Geschichte, keine Tempel, keine historische Hoheit. Er löschte die jüdische Nation aus ihrer eigenen Vergangenheit.

Es ist offensichtlich, dass kein Führer, der mit einer solchen Entschlossenheit blind gegenüber der Legitimität seines Feindes ist, je einer Versöhnung zugestimmt haben würde. Abbas öffentliche Entschuldigung für die Ablehnung von Olmerts Angebot auf Eigenstaatlichkeit im Jahr 2008 war möglicherweise „Er händigte mir keine Landkarte aus“. Was jedoch ganz offensichtlich seine Ablehnung motivierte, war seine beharrliche Überzeugung, dass die Juden keine wie auch immer geartete Berechtigung haben, hier zu sein.

Die Tragödie ist, dass erst Arafats‘ und nun Abbas‘ ausweglose Führung Auswirkungen auf uns alle hat. Wenn auch unbequem, so ist es dennoch eine Tatsache, dass es zwischen dem Fluss und dem Meer Millionen Israelis und Palästinenser gibt – Juden, Christen und Moslems – und dass wir irgendwie einen Weg finden müssen, um miteinander zu leben.

Wie allen, die bereit sind, ihre Augen zu öffnen, schon lange klar ist, liegt die Lösung nicht in irgendwelchen gewagten diplomatischen Sofortlösungen, die versuchen, beide Seiten zu Bedingungen, die sie nicht wollen, in ein Abkommen zu drängen, dessen Zeitplan sie dann doch nicht einhalten werden. Der vor uns liegende, lange Weg erfordert vielmehr Unterweisung – eine Unterweisung mit Blick auf die unbequeme Tatsache, dass es miteinander konkurrierende und kollidierende Ansprüche auf dieses Land gibt.

Davon ausgehend, dass die Palästinenser nicht anderswo hingehen werden, und verzweifelt auf eine Vereinbarung hoffend, die uns von der Wahl befreit, mit der Hand in der Waffe zu leben oder zugrunde zu gehen, haben die Israelis – wie durch Olmerts Angebot auf dramatische Weise demonstriert – eine Bereitschaft zu weitreichenden territorialen Kompromissen gezeigt. Sie lösten Premierminister ab – insbesondere Benjamin Netanyahu im Jahr 1999 –, von denen sie annahmen, dass sie Chancen auf Frieden ungenutzt verstreichen liessen.

Die Palästinenser ihrerseits weigerten sich, die jüdische Legitimität anzuerkennen und überzeugten sich selbst davon, dass Israel eine vorübergehende, oberflächliche Präsenz ist, die letztlich verdrängt werden wird. All dies trotz des eindrucksvollen Nachweises unserer starken, widerstandsfähigen und erfolgreichen Nation.

Vor hundert Jahren galt es im Islam als eine unumstössliche Wahrheit, dass sich oben auf dem Tempelberg jüdische Tempel befanden; dies war der Grund, warum die Moslems dort nach und nach Moscheen errichteten. Was Abbas‘ Rede auf so traurige Weise deutlich machte, ist die Tatsache, dass das falsche Narrativ der jüdischen Geschichte, das in den letzten Jahrzehnten eine immer grössere Akzeptanz gefunden hat, von palästinensischen Führern nicht nur zynischerweise unter ihrem Volk verbreitet, sondern auch von diesen Führern selbst umfassend akzeptiert wurde.

Die Vereinten Nationen können sich bis zum Gehtnichtmehr gegen Israel aussprechen. Törichte Nationen können im Alleingang die palästinensische Souveränität anerkennen – zum Nachteil der Palästinenser, da eine solche „Unterstützung“ deren Unnachgiebigkeit lediglich verstärkt. Der einzige Weg zur palästinensischen Unabhängigkeit führt jedoch einzig und allein über eine Verhandlungslösung mit Israel.

Das ein Jahrzehnt zurückliegende Olmert-Angebot hat demonstriert, wie weit Israel zu gehen bereit war, um gemeinsam mit den Palästinensern deren Staatlichkeit zu realisieren. Die verabscheuungswürdige, tragische und unsinnige Abbas-Rede hat gezeigt, dass, so lange sich die Palästinenser vor der Tatsache der Legitimität Israels verschliessen, kein israelisches Angebot jemals gut genug sein wird.

David Horovitz ist der Gründer und Herausgeber von The Times of Israel. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Times of Israel.

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