Der Mord an Rabbi Raziel Shevach war offenbar nicht die spontane Tat von nur ein oder zwei Tätern, sondern eine geplante Kommandoaktion, hinter der eine Terrororganisation steckt. Darauf deuten Spuren hin, über die die israelische Tageszeitung „Haaretz“ auf ihrer englischsprachigen Website berichtet.

 

Der 35-jährge Rabbi Shevach, Vater von sechs Kindern, war am 9. Januar 2018 in der Nähe seiner Wohnung in Havat Gilad aus einem fahrenden Auto heraus erschossen worden, als er in seinem Auto auf dem Weg nach Hause war.

Terroranschläge nach dieser Methode waren in den letzten Jahren nicht so häufig wie Messeranschläge, werden aber immer wieder verübt. Am 1. Oktober 2015 schossen arabisch-palästinensische Terroristen auf ein Auto, in dem eine sechsköpfige jüdische Familie fuhr. Die Eltern, Eitam und Naama Henkin, wurden getötet, die Kinder des Paares im Alter von vier Monaten, 4, 7 und 9 blieben unverletzt. Die israelischen Sicherheitskräfte nahmen kurz danach die Mitglieder einer fünfköpfigen Hamas-Zelle fest; sie gestanden die Tat; gleichzeitig behaupteten auch die Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden der Fatah von Mahmoud Abbas, den Mord verübt zu haben. Der Anschlag erinnert auch an den Mord an dem griechisch-orthodoxen Mönch Pater Germanos, der von 13 Kalaschnikow-Kugeln getötet wurde, als er im Auto zum Wüstenkloster St.Georg (Wadi Qelt) unterwegs war. Wegen seines dunklen Vollbartes hatte der Täter Ismail Radaira Pater Germanos irrtümlich für einen ultra-orthodoxen Juden gehalten. Drahtzieher der Tat: Topterrorist Marwan Barghouti, 2016 für den Friedensnobelpreis nominiert.

„Haaretz“: Täter waren Profis

Einer der Hinweise darauf, dass Profiterroristen hinter der jüngsten Bluttat stecken, ist laut „Haaretz“ die mutmassliche Tatwaffe. Anders als bei vielen anderen Anschlägen sei vermutlich nicht die – eher primitive – Maschinenpistole „Carl Gustav“ benutzt worden, die von palästinensischen Terroristen selbst gebaut wird, sondern eine Schusswaffe aus „Standardfertigung“, wie sie Armeen besitzen. Der „Haaretz“-Autor weist zudem darauf hin, dass ähnliche Anschläge in der Vergangenheit nicht spontan verübt worden seien, sondern nach vorherigem Auskundschaften. „Die Täter haben möglicherweise einen Beobachtungsposten gehabt, der an der Zugangsstrasse nach Havat Gilad stationiert war und Ausschau nach einem leichten Ziel hielt – einem Israeli, der nach Einbruch der Dunkelheit allein unterwegs war.

Der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet, so „Haaretz“ weiter, habe in den letzten Monaten „in Samaria, der nördlichen Westbank, zahlreiche Hamaszellen ausgehoben, die meisten von ihnen vom Gazastreifen gesteuert und im Prozess der Planung von Entführungen oder Schusswaffenanschlägen“. Dies sei ein wahrscheinlicher Startpunkt für Ermittlungen. „Egal, ob Hamas oder Militante des Islamischen Dschihad oder sogar schurkische palästinensische Polizisten, es scheint, dass es eine führende Hand gab.“

Auf jeden Fall Verantwortung für die Tat tragen Mahmoud Abbas und seine Fatah. Seit Jahren rufen sie zu Mordanschlägen auf Juden auf. 2017 zahlte die PA 350 Millionen US-Dollar Belohnung an in israelischen Gefängnissen einsitzende Terroristen. Je schwerer das Verbrechen, desto höher die monatlichen Zahlungen. Mörder erhalten umgerechnet über 3.000 Schweizer Franken pro Monat.

Mahmud Abbas ruft zur Gewalt auf

Die Palästinensische Autonomiebehörde führt einen offenen Krieg gegen Israel – nicht nur auf der internationalen Bühne, wo sie keine Gelegenheit auslässt, Israel zu dämonisieren und die UN-Organisationen wie die UNESCO zu Kampf- und Propagandainstrumenten gegen Israel zu machen, sondern mit ganz konkreten Aufrufen zur Gewalt gegen Juden. In einem Artikel mit dem Titel „Versucht die PA, eine neue Terrorkampagne zu starten?“ berichtete die Medienbeobachtungsgruppe Palestinian Media Watch (PMW) am 9. Januar über Anzeichen einer neuen Terrorwelle.

Immer wieder, so PMW, habe das Fernsehen der PA im Dezember eine Rede des PA-Vorsitzenden Mahmoud Abbas ausgestrahlt, in welcher Abbas dazu aufruft, „die Juden“ „mit allen Mitteln“ davon „abzuhalten“, „unsere heiligen Stätten zu beschmutzen“. Dazu wurde ein  aufhetzendes Musikvideo gezeigt. Untermalt mit Bildern von Jerusalem heisst es in dem betreffenden Lied:

„Bruder, der Unterdrücker ist zu weit gegangen. Darum ist Dschihad nötig und Selbstopfer nötig. Wie können wir zulassen, dass sie die Arabischkeit stehlen, die Herrlichkeit der Vorväter und die Herrschaft? Zieh dein Schwert aus seiner Scheide und lass es hernach nicht zur Scheide zurückkehren.“ 

Die gegen die Juden gerichtete Rede von Abbas sei allein im Dezember 41-mal ausgestrahlt worden, so PMW; das Video, das zu Selbstmordanschlägen aufruft, fünfmal. Beides habe das PA-Fernsehen in der Vergangenheit ausgestrahlt, um zu Anschlägen aufzurufen. Am 17. Oktober 2014 hatte Abbas in einer Rede behauptet, wenn Juden den Tempelberg beträten, „beschmutzten“ sie damit islamische heilige Stätten; das müsse „mit allen Mitteln“ verhindert werden – ein Euphemismus für Gewalt und Terror. Abbas` Aufruf zur Gewalt ist dann nach Angaben von PMW in den folgenden drei Tagen 19-mal gesendet worden, im folgenden Monat 32-mal. „Fünf Tage nach der ersten Ausstrahlung wurden zwei Israelis erstochen, in den folgenden Monaten befolgten zahlreiche Palästinenser den Aufruf und ermordeten mit Messern, Schusswaffen und Autorammanschläge 12 Israelis.“

Fatah feiert den Mord

Gleich nach dem Mord an Rabbi Shevach feierte die Fatah die Tat und den Mörder auf ihrer offiziellen Facebookseite:

„Die Nablus-Operation in Zahlen:

Gesamte Dauer der Operation: 30 Sekunden.

Distanz zwischen den Autos: 20 Meter.

Zahl der gefeuerten Kugeln: 22.

Der die Operation ausführte war geschickt und erfahren und konnte von dem Ort fliehen.

Das Ergebnis: ein getöteter Siedler.“

Fatah Facebook Seite.
Fatah Facebook Seite in arabisch.

Der arabisch-israelische Journalist Bassam Tawil macht darauf aufmerksam, dass Abbas jede Maske hat fallen lassen. Noch vor einigen Jahren sah Abbas sich aus Rücksicht auf das Ausland, das ihn bezahlt, dazu gezwungen, nach solchen Morden „lakonische und mehrdeutige Pressemitteilungen abzugeben, in denen er ‚jede Form der Gewalt, unabhängig von der Identität der Täter und Opfer’ verurteilte.“ Das sei nun passé. „Die Palästinenser sehen nicht einmal mehr die Notwendigkeit, Terroranschläge auf Juden zu verurteilen, weil die internationale Gemeinschaft nicht mehr von ihnen verlangt, dass sie sich gegen Terrorismus positionieren.“

Die Botschaft, die die Führung der Palästinensischen Autonomiebehörde nun aussende, so Tawil, „ist, dass es sich bei dem Mord an Rabbi Shevach um eine ‚heldenhafte’ Tat handle, die alle Palästinenser ‚stolz’ mache. Statt den Mord zu verurteilen, verurteilt die Palästinensische Autonomiebehörde Israel dafür, eine Fahndung nach den Terroristen eingeleitet zu haben und nach dem Mord um einige palästinensische Ortschaften herum strikte Sicherheitsvorkehrungen unternommen zu haben. Der Ton im Palästina-TV und im Palästina-Radio (beides von Abbas kontrolliert) ist einer von Freude über den Mord an dem Rabbi.“

Dass Abbas und die Palästinensische Autonomiebehörde unverhohlen zur Ermordung von jüdischen Zivilisten aufrufen, die Mörder reich belohnen und feiern, muss Auswirkungen auf die Haltung der Regierungen der Schweiz und der EU haben. Jahrelang konnten sich die Geldgeber der PA in Europa hinter die fadenscheinige Schutzbehauptung zurückziehen, die PA „verurteile“ ja Mord und Gewalt. Das tut sie heutzutage nicht einmal mehr zum Schein. Wenn eine europäische Regierung heute noch Geld an die Palästinensische Autonomiebehörde zahlt, dann bezahlt sie direkt für Morde wie den an Rabbi Shevach – und kann nicht behaupten, sie hätte von nichts gewusst.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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