Arafat, Peres und Rabin erhalten den Friedensnobelpreis. Und wo ist der Frieden? Foto Government Press Office (Israel), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22811903
Arafat, Peres und Rabin erhalten den Friedensnobelpreis. Und wo ist der Frieden? Foto Government Press Office (Israel), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22811903

Demokratie oder das Beilegen von Konflikten auf friedlichem Wege sind Konzepte, die der Nahe Osten nicht kennt. Linke, die Israel gutgläubig dazu drängen, den arabischen Forderungen nachzugeben, fördern nur weitere Gewalt.

 

von Daniel Kryger 

Der Konflikt zwischen den muslimischen Arabern und den Juden um ein kleines Stückchen Land war und ist der am stärksten fehlinterpretierte Konflikt in der neueren Geschichte. Unter dem Vorsitz der EU und der UN tut die Staatengemeinschaft so, als handele es sich hier um einen herkömmlichen Konflikt, in dem es um Land und spezifische Grenzen geht.

Die bittere Wahrheit ist jedoch: Die Welt weigert sich, anzuerkennen, dass sich bei diesem Konflikt eine islamische Ideologie gegen die Existenz eines jüdischen Staats stellt – egal, innerhalb welcher Grenzen. Auch wenn Israel auf die Grösse Tel Avivs schrumpfen würde, würde dies in den Augen unzähliger Muslime von Marokko bis nach Indonesien immer noch eine unzumutbare Beleidigung darstellen. Muslimische Fundamentalisten unterscheiden nicht zwischen der jüdischen „Siedlung“ Tel Aviv und jüdischen Gemeinden in Judäa und Samaria.

Viele amerikanische und israelische Linke folgen mittlerweile der europäischen Ideologie, die territoriale Kompromisse und Freundlichkeit als die wichtigsten menschlichen Tugenden betrachtet. In charakteristischer eurozentrischer Manier wird oft fälschlicherweise angenommen, dass die Erfahrungen Europas auf die ganze Welt übertragen werden könnten – einschliesslich des Nahen Ostens.

Historisch betrachtet war Europa einst der gewalttätigste Kontinent der Welt, wo Nachbarn in scheinbar endlosen Kriegen um Grenzen, Ressourcen und Macht kämpften. Europa war das Epizentrum zweier Weltkriege. Allein der Zweite Weltkrieg forderte mehr als 50 Millionen Menschenleben, darunter die 6 Millionen während des Holocausts ermordeten Juden.

Nach 1945 entschied sich Westeuropa dazu, seine Zukunft auf Demokratie aufzubauen und Konflikte auf friedlichem Wege beizulegen. Doch so etwas funktioniert nur, wenn die Gegenseite die eigenen Grundwerte teilt. Schweden und Dänemark kämpften jahrhundertelang um Grenzverläufe, stellten dabei jedoch nie die Existenz des jeweils anderen infrage. Heute sind die beiden Staaten friedliche säkulare Demokratien, die nicht im Traum daran denken würden, gegeneinander Krieg zu führen. Das Gleiche gilt für Frankreich und Deutschland.

Die Situation im Nahen Osten ist hingegen eine ganz andere. Mit Ausnahme Israels sind wahre Demokratie und das Beilegen von Konflikten auf friedlichem Wege fremdartige Konzepte. Anders als im post-christlichen Europa ist Religion für die meisten Menschen in der muslimischen Welt ein zentrales Element ihrer persönlichen Identität. Gemäss islamischer Tradition müssen Juden als unterwürfige Dhimmis unter islamischer Herrschaft leben und dürfen nicht zu den Waffen greifen. In den Augen vieler Muslime haben Juden keinerlei Anrecht auf nationale Unabhängigkeit und militärische Macht innerhalb irgendwelcher Grenzen.

Westliche Linke glauben blauäugig, dass es automatisch Frieden geben wird, wenn Israel nur freundlich ist, Gebiete abtritt und den Forderungen der muslimischen Araber nachgibt. In der Realität ist das Gegenteil der Fall. Im Nahen Osten werden Kompromisse als Zeichen von Schwäche und als Aufforderung zu neuer Gewalt angesehen.

1974 begann die Terrororganisation PLO mit einem völkermörderischen Phasenplan, der sich gegen Israel richtete und bis heute verfolgt wird. Dieser Plan wurde entwickelt, da die arabischen Länder es nicht schafften, Israel auf dem militärischen Schlachtfeld zu schlagen. Ausserdem sollten naive westliche Beobachter getäuscht und davon überzeugt werden, dass die PLO territoriale Kompromisse und eine friedliche Einigung mit Israel einhält.

„Nett zu sein hilft vielleicht, wenn deine Nachbarn Dänemark und Schweden heissen.“

Gemäss dem Phasenplan wird jedes Gebiet, das Israel abtritt, automatisch in eine neue Kriegsfront gegen den jüdischen Staat umgewandelt. Israels Rückzug aus dem südlichen Libanon, dem Gazastreifen und Teilen von Judäa und Samaria unterstreicht dies. Das Abtreten der Gebiete verschaffte Israel nicht einmal einen Bruchteil des „Friedens“, der nur in der orwellschen Vorstellung der selbsternannten „Nahostexperten“ des Westens existiert. Als Erwiderung auf die Entwurzelung Tausender friedlicher jüdischer Bewohner wurden Gebiete, die von der Hamas und der PA kontrolliert wurden, zu gescheiterten Staaten und Brutstätten eines völkermörderischen Judenhasses, der kompromisslos die Zerstörung Israels fordert.

Nett zu sein hilft vielleicht, wenn deine Nachbarn Dänemark und Schweden heissen. Wenn deine Nachbarn allerdings die Hamas, PLO, Hisbollah und Syrien sind, handelt man sich nur noch mehr Gewalt ein.

Die selbsternannten „Nahostexperten“ des Westens weigern sich nicht nur, zuzugeben, dass ihre orwellschen Fantasien eine Milchmädchenrechnung in Bezug auf den arabisch-israelischen Konflikt waren. Sie erwarten auch heuchlerisch, dass Israel die andere Wange hinhält, wenn die geräumten Gebiete als Abschussrampen für Gewalt gegen israelische Zivilisten genutzt werden. Kein Land der Welt würde es tolerieren, wenn Tausende Raketen auf die eigenen Bürger abgeschossen würden, wie es bei den Aggressionen des Gazastreifens gegen Israel der Fall war.

Als London während des Zweiten Weltkriegs von den Angriffen der deutschen Luftwaffe überrollt wurde, machte die britische Luftwaffe deutsche Städte dem Erdboden gleich. Etwa 25.000 Deutsche wurden getötet, als die Alliierten vom 13. bis zum 15. Februar 1945 Dresden bombardierten. Während der jahrelangen Konflikte im Libanon, Syrien und im Gazastreifen war die israelische Luftwaffe für weitaus weniger Tote verantwortlich.

Die Kritiker, die Israel systematisch der Anwendung „unverhältnismässiger“ Gewalt beschuldigen, zuckten nicht einmal mit der Wimper, als die NATO den Irak und Afghanistan zerstörte. Anders als Israel machen sich die NATO-Streitkräfte nicht die Mühe, die Bevölkerung mit Handzetteln und SMS zu warnen, um die Verluste in der Zivilbevölkerung zu minimieren. Die NATO-Streitkräfte schützen nicht die feindliche Zivilbevölkerung auf Kosten der Sicherheit der eigenen Soldaten. Die NATO-Streitkräfte sehen sich ausserdem nicht einmal einem Bruchteil der obsessiv feindlichen internationalen Medienberichterstattung ausgesetzt, die für die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte zum Alltag geworden ist.

Israel kämpft nicht nur seit seiner Wiedergeburt im Jahr 1948 um seine Existenz. Der jüdische Staat steht an vorderster Front in einem anhaltenden Kampf epischen Ausmasses zwischen Zivilisierung und Barbarei. Durch den Verrat am demokratischen Israel betrügt ein grosser Teil des Westens rückgratlos seine eigenen fundamentalen Werte.

Ein echter Frieden, der auf territorialen Kompromissen aufbaut, ist nur dann möglich, wenn Grenzen mit einer friedlichen Koexistenz einhergehen. Solange die völkermörderischen Feinde Israels Grenzen als Fronten gegen den wiederauferstandenen jüdischen Staat ansehen, kann nur eine überwältigende militärische Abschreckung die Wölfe in Schach halten.

Daniel Kryger ist Autor und politischer Berater. Er lebt in Israel. Auf Englisch zuerst erschienen bei MiDA.

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