Die Israelis sind froh über die Unterstützung Amerikas, aber sie haben schon lange aufgehört, existentiell davon abhängig zu sein.

 

Eine Analyse von Amotz Asa-El

Als er zufällig hörte, wie jemand vor einer bevorstehenden Dürre warnte, soll Premierminister Levi Eshkol besorgt gefragt haben: „Wo?“

Als die Antwort „in Israel“ lautete, entgegnete er scherzhaft: „Das ist eine Erleichterung.“ Auf die Frage, warum solche Nachrichten ihm keine Sorgen bereiteten, erklärte er: „Ich hätte mir Sorgen gemacht, wenn die Dürre in Kansas gewesen wäre.“

Wie es auch immer um die Genauigkeit dieser Geschichte bestellt sein mag, so steht sie für eine Ära, in der das arme und belagerte Israel von Amerika abhängig war: nicht nur aus Sicht der Versorgung mit Lebensmitteln, sondern auch in finanzieller, militärischer und diplomatischer Hinsicht, wodurch der Eindruck entstand, dass Israel ohne Uncle Sam gar nicht existieren würde.

Mit dem Entschluss des Weissen Hauses, die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, vertieft sich der Eindruck, dass das, was Israel am Leben erhält, die Hilfe der Amerikaner ist. Dieser Eindruck ist jedoch unbegründet.

ISRAEL verdankt den USA tatsächlich viel von dem, was es in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens erreichte.

In den 1950er Jahren, als sich Israel einem von der Arabischen Liga angeführten Wirtschaftsboykott gegenüber sah, waren es die grosszügigen amerikanischen Darlehen und Investitionen, die dem jungen Staat halfen, die Herausforderungen zu bewältigen, die durch die Aufnahme von Immigranten und den Bau neuer Städte und Fabriken entstanden.

Wichtiger diplomatischer Schub für Israel

Mitte der 1970er Jahre war die Hilfe des US-Militärs von zentraler Bedeutung für die Wiederbewaffnung der IDF nach dem Jom-Kippur-Krieg. 1979 wurde dank der Vermittlung der USA die Friedensvereinbarung zwischen Israel und Ägypten erzielt, und amerikanische Gelder finanzierten den Bau neuer Flughäfen, die die zuvor von Israel in der Wüste Sinai errichteten Anlagen ersetzten. 1985 trugen Zuwendungen aus den USA in Höhe von 1 Mrd. USD zur Finanzierung des Plans zur Stabilisierung der Wirtschaft bei, der schliesslich die Hyperinflation besiegte.

Aktuell ist Washingtons Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israel ein wichtiger diplomatischer Schub für Israel, weil es seit seiner Gründung vor 70 Jahren nach dieser Art von Anerkennung strebt.

Dies war in den letzten Jahrzehnten stets ein zentrales Anliegen der USA, wenn es um die Sicherung der Zukunft Israels ging, was auch erklärt, warum Israelis, gleich welcher politischen Couleur, Amerika so dankbar sind.

Abgesehen davon verehren die Israelis – vermutlich bedingungsloser als jede andere Nation – die USA auch unabhängig von deren Entgegenkommen. Die meisten Israelis teilen nicht nur die amerikanischen Werte der politischen Demokratie und der individuellen Freiheit, sondern viele fühlen sich auch mit den Facetten der amerikanischen Kultur wohl – von Musik und Film bis hin zu Sport und Lebensmitteln.

Und trotzdem ist Israel, was sein Überleben angeht, schon lange nicht mehr auf die Hilfe Amerikas angewiesen.

In wirtschaftlicher Hinsicht ist Israel so stark gewachsen und gereift, dass der Schekel – einst Hohn und Spott der Leute – bislang eine der stärksten Währungen dieses Jahrhunderts ist, stärker noch als der Dollar und der Euro. Dies spiegelt nicht die US-Hilfen wider, sondern die Stärke der israelischen Wirtschaft, deren Wachstum in diesem Jahrhundert das schnellste aller Industrienationen ist und deren Defizite und Schulden, Arbeitslosigkeits- und Inflationsraten zu den niedrigsten der Welt zählen.

Israelische Kritiker leugnen es zwar gerne, aber es ist eine Tatsache, dass Israel seit 1998 den Empfang ziviler Hilfen der USA eingestellt hat. Mit anderen Worten: Israel lebt seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten ausschliesslich von der Arbeit seiner Staatsbürger. Hinzu kommt, dass der Anteil der israelischen Exporte auf den gesamten amerikanischen Kontinent vor zwei Jahren erstmals von den Exporten Israels nach Asien überholt wurde.

Kurzum, die wirtschaftliche Abhängigkeit, die einst das Kennzeichen der amerikanisch-israelischen Beziehungen war, gibt es nicht mehr.

Ja, Israel erhält nach wie vor militärische Hilfen der USA in einer Gesamthöhe von jährlich rund 3,8 Mrd. USD. Dennoch beträgt diese Summe weniger als 1,2 Prozent des israelischen Bruttoinlandsprodukts, das sich auf rund 320 Mrd. USD beläuft. Im Gegensatz dazu belief sich Mitte der 1970er Jahre der Anteil der gesamten US-Hilfen an Israel auf fast 15 Prozent des israelischen Bruttoinlandsprodukts.

Darüber hinaus hat die israelische Verteidigungsindustrie im Laufe der Jahre nahezu jede Art von Waffe, die eine moderne Armee braucht, produziert – von Gewehren, Granaten und Mörsern über Kampfpanzer und Kriegsschiffe bis hin zu Kampfflugzeugen.

„Donald Trumps Verlegung der US-Botschaft wurde von Israelis aus dem gesamten politischen Spektrum begrüsst“

Es stimmt zwar, dass Israel einer der grössten Abnehmer amerikanischer Militär-Hardware – insbesondere Kampfflugzeuge – ist, aber im Grunde kommt es auch ohne aus; vielmehr verkauft Israel selbst sehr viele Waffen an die USA. Tatsächlich basieren die Einkäufe Israels in der amerikanischen Militärindustrie teilweise auf dem Wunsch der Amerikaner, die auf diese Weise in Amerika Jobs schaffen wollen.

Das gleiche gilt für das, was sich derzeit auf diplomatischer Ebene abspielt.

Ja, Donald Trumps Verlegung der US-Botschaft wurde von Israelis aus dem gesamten politischen Spektrum begrüsst, für die die internationale Weigerung, Botschaften in Jerusalem einzurichten, Teil einer Kultur der Leugnung des Nahostkonflikts war.

Dennoch war die diplomatische Isolation Israels nie so schwerwiegend, wie sie von den Feinden Israels dargestellt wurde. Tatsächlich ist sie in den letzten Jahrzehnten insgesamt zusammengebrochen.

DIE BEMÜHUNGEN, Israel auszugrenzen, sind so alt wie Israel selbst, aber sie sind immer wieder gescheitert.

Die 1961 gegründete und aus über 100 Ländern bestehende Bewegung der Blockfreien Staaten, die automatisch jede anti-israelische Initiative unterstützte, gibt es nicht mehr, ebenso wie ihr wichtigstes Gründungsland Jugoslawien. Gleiches gilt für die Sowjetunion und den Ostblock, die seit 1967 für die Dauer von rund zwanzig Jahren einen anti-israelischen Medienkrieg führten.

Die afrikanischen Länder, die nach dem Krieg von 1973 die Beziehungen zu Israel abbrachen, haben praktisch allesamt ihre Beziehungen zu Jerusalem wieder aufgenommen. Und die asiatischen Mächte Japan, Indien und China, die sich im letzten Jahrhundert von Israel abwandten, pflegen heute intensive Kontakte zu Israel und zählen zu dessen wichtigsten Handelspartnern.

Folglich bedeutet die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem nicht, der diplomatischen Isolation und wirtschaftlichen Belagerung Israels zu trotzen, vielmehr ist sie die Folge deren Zusammenbruchs.

Über Amotz Asa-El

Amotz Asa-El ist leitender Berichterstatter und ehemaliger Chefredakteur der Jerusalem Post, Berichterstatter Mittlerer Osten für Dow Jones Marketwatch, politischer Kommentator bei Israel's TV-Sender Channel 1 und leitender Redakteur des Nachrichtenmagazins Jerusalem Report.

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    Vielen Dank für den interessanten Artikel.
    Auch hieraus ist mal wieder ersichtlich, wer Israel schaden will, schadet im Grunde nur sich selber.
    1. Mose 27,29 Verflucht sei, wer dir flucht, und gesegnet sei, wer dich segnet!
    Wenn ich betrachte, was sich in Deutschland alles verändert hat, so ist auch hier zu erkennen, dass wir schon lange nicht mehr unter dem Segen stehen.