Jeder weiss, dass fossile Brennstoffe keine nachhaltige Energiequelle darstellen und durch Umweltverschmutzung und in der Politik schlecht wegkommen. Die weltweiten Anstrengungen, Alternativen in grossem Massstab zu finden, hatten bisher jedoch nur beschränkten Erfolg. Könnte es Israel sein, das fossile Brennstoffe endlich zu den Dinosauriern zur Ruhe bettet?

 

von Abigail Klein Leichman

„In Bezug auf die Abschaffung fossiler Brennstoffe wird Israel noch nicht als Spitzenreiter in der Welt gesehen, so wie bei Wasser- oder Cybertechnologie. Aber in jeder damit verbundenen Nische – Solarenergie, Akkutechnologie und Bauteile für Elektroautos – gibt es gewaltigen Respekt für israelische Unternehmen“, sagt der Aktivist für umweltfreundliche Energie Yosef Abramowitz, auch bekannt unter dem Namen „Kaptain Sunshine“, dessen Unternehmen für gesellschaftliche Entwicklung, Energiya Global, Solarenergie nach Afrika bringt.

Zwei frühe, in Israel gegründete Vorreiter im Bereich Solarenergie, BrightSource Energy und Ormat Technologies, haben mittlerweile ihren Sitz in den Vereinigten Staaten und unzählige internationale Projekte auf der Habenseite.

BrightSource hat in Kalifornien die grösste Solarenergieanlage der Welt gebaut und dabei Nanopartikel-Beschichtungen verwendet, die an der Hebrew University of Jerusalem entwickelt wurden. Ormat Technologies baute einen der ersten Solarparks der Welt nahe dem Toten Meer und ist ein führender Erzeuger von Energie aus Erdwärme und durch Rückgewinnung.

Der Bankrott des israelischen Elektroauto-Netzwerks Better Place, das grosses bahnbrechendes Potential hatte, im Mai 2013 hat einige Hoffnungen erschüttert. Dennoch ist Yosef Abramowitz der Ansicht, dass diese riesige Pleite zu etwas Positivem geführt hat.

„Better Place brachte eine ganze Branche mit 500 [israelischen] Startups im Automobilbereich hervor, die grösstenteils mit Elektroautos und der Hardware und Software zu tun haben, die zum Ende des Verbrennungsmotors führen werden“, sagte er.

Im Jahr 2011 rief das Büro des israelischen Premierministers die „Alternative Fuels Administration“ und die „Fuel Choices Initiative“ ins Leben, deren Ziel es ist, Richtlinien und Unterstützung der Regierung für die Forschung und den Industriezweig für Brennstoffalternativen umzusetzen. Dies kann als Modell für andere Länder dienen und Israels Abhängigkeit vom Öl im Transportwesen verringern.

Seither ist die Zahl der Forschungsgruppen für alternative Brennstoffe in Israel von 40 auf etwa 220 gewachsen und die Zahl der Unternehmen auf diesem Gebiet auf etwa 500. Global gesehen bedeuten erneuerbare Energien ein Geschäft von 359 Milliarden Dollar.

Werfen Sie einen Blick auf 10 israelische Unternehmen, die versuchen das Ende der fossilen Brennstoffe zu beschleunigen.

Dieses israelische Startup erfindet den Verbrennungsmotor neu, um das „serienmässige” Hybrid-Elektroauto der Zukunft anzutreiben. Der leichte Aquarius-Motor braucht keine Kurbelwelle. Ein Zylinder bewegt den Brennstoff hin und her, um elektrischen Strom zu erzeugen, ähnlich wie Meereswellen in einer Auf-und-Ab-Bewegung.

Ein Auto mit einem Aquarius-Motor hätte mit einem 50-Liter-Tank, der alle fünf oder sechs Wochen befüllt werden müsste, eine Reichweite von 1.200 km.

Aquarius arbeitet mit Peugeot zusammen auf einen Testlauf des Motors in einem Konzeptwagen hin. Ausserdem entwickelt das Unternehmen basierend auf seiner Technologie gerade einen autonomen Stromgenerator.

Seit seiner Gründung in Rosh Ha‘ayin im Jahr 2012 hat Brennmiller Energy Produkte für erneuerbare Energien geschaffen, darunter ein thermisches Speichersystem, das jede Energiequelle – Wind, Sonne, Biomasse, Atomkraft, Erdgas – hybridisiert und so überall verlässliche, saubere Energie liefert.

Der erste Zyklus der B-Gen-Einheit überträgt die Wärme aus verschiedenen Quellen; der Entladezyklus erzeugt Dampf nach Bedarf im Megawatt- oder Gigawatt-Bereich. In mehreren Ländern sind kommerzielle Projekte angelaufen. Gründer Avi Brennmiller war über das israelische Unternehmen Luz Industries, das von Solel und dann von Siemens erworben wurde, an der Planung von Solarkraftwerken in Spanien und in den Vereinigten Staaten beteiligt.

Doral Renewable Energy, aus Ramat Gan, war im Jahr 2008 das erste Unternehmen, das eine Photovoltaikanlage an das nationale Stromnetz angeschlossen hat. In verschiedenen Zweigen betreibt das Unternehmens Projekte zu erneuerbaren Energien (Erdgas, Biogas, Wind, Sonne) in ganz Israel, insbesondere in Kibbuzim, Randgebieten und ländlichen Gegenden. Dazu gehört auch ein Projekt, das einmal die grösste Photovoltaikanlage (170 Megawatt) in Israel sein wird.

Vor kurzem hat Doral einen Joint-Venture-Vertrag mit Invenergy geschlossen, dem grössten in Privatvermögen gehaltenen Energieerzeuger in den Vereinigten Staaten. Doral plant die Einführung fortschrittlicher Methoden für Stromerzeugung und -speicherung sowie intelligente Smart-Grid-Lösungen, um die Abhängigkeit von externen Stromversorgern zu beenden.

Die proprietäre Technologie des Unternehmens Eco Wave Power (EWP) aus Tel Aviv gewinnt Energie aus Meereswellen und wandelt sie in preiswerten, emissionsfreien, regenerativen Strom um. EWP betreut Projekte in verschiedenen Phasen in Grossbritannien, Gibraltar, China, Chile, Israel und Mexiko.

ElectRoad aus Roah Ha‘ayin, gegründet 2013, entwickelt erdverlegte elektrische Spulen, die Elektroautos drahtlos aufladen, wenn sie darüber fahren. Elektromagnetische Induktionsstreifen aus Kupfer und Gummi werden im Asphalt verlegt und am Strassenrand werden intelligente Wechselrichter installiert.

Unter Elektroautos jeden Typs wird eine Spuleneinheit angebracht, um die Energie über einen schmalen Sicherheitsfreiraum hinweg aufzunehmen. ElectRoad plant Pilotprojekte auf einer kurzen öffentlichen Busstrecke in Tel Aviv und in einer europäischen Stadt.

Der in Jerusalem ansässige Entwickler erneuerbarer Energien wird in den kommenden vier Jahren 1 Milliarde Dollar investieren, um grüne Energieprojekte in 15 westafrikanischen Ländern zu fördern. Energiya Global und seine verbundenen Unternehmen haben das erste Solarfeld in kommerziellem Massstab in Afrika südlich der Sahara, in Ruanda, entwickelt und mit einer ähnlichen Anlage in Burundi, die 15% der Energie des Landes liefern soll, Bahnbrechendes geleistet. Energiya Global hat nun Felder in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung in 10 afrikanischen Ländern.

H2 Energy Now baut den Prototyp einer akkufreien Lösung zum Speichern und Steigern der Nutzbarkeit von alternativer Energie aus intermittierenden Energiequellen – Sonne und Wind – um den Bedarf zu Spitzenzeiten zuverlässig abdecken zu können. Radiowellen spalten Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff und führen diese in einer Brennstoffzelle wieder zusammen, wenn Energie gebraucht wird. H2 Energy Now steht im Finale mehrerer Wettbewerbe und führt Gespräche mit weltweiten Energiekonzernen.

Darüber hinaus war das Unternehmen einer von vier Gewinnern des Open Innovation Contest der AES Corporation im Jahr 2017 in Washington, DC, und zwar für die Konstruktion einer keramischen Drohne, die unbemannte Inspektionslösungen für extrem heisse Umgebungen in der weltweiten Energiewirtschaft ermöglicht.

Seit seiner Gründung im Jahr 2011 sammelt NCF Mittel für ein Arbeitsmodell seiner Technologie zur Umwandlung von zwei Abfallströmen – Industriewasser und Kohlendioxid – in ein synthetisches Wasserstoff-Kohlenmonoxid-Gas, das dann in Flüssigkraftstoffe, Kunststoff und Düngemittel umgewandelt wird. Der Umwandlungsprozess wird durch konzentrierte Solarenergie oder durch eigene Abwärme der Industrie befeuert. NCF hat einen Kooperationsvertrag mit Sinopec Ningbo Engineering unterzeichnet, um das Problem der Kohlendioxidbelastung in China anzugehen.

Solaris Synergy aus Jerusalem hat ein Solarkraftwerk auf Wasser entwickelt, das eine Wasseroberfläche in eine kostengünstige und zuverlässige Solarenergieplattform verwandelt. Solaris und Pristine Sun aus San Francisco erhielten eine Beihilfe der BIRD Foundation für die Zusammenarbeit bei einer schwimmenden Photovoltaik-Grossanlage, die in Kalifornien erbaut werden soll. Im vergangenen Oktober hat Solaris eine schwimmende Photovoltaikanlage mit 100 Kilowatt Peak (kWp) auf einem Staubecken in Singapur installiert. Vor kurzem ist Solaris eine Partnerschaft mit Electra Energy zur Planung von Grossprojekten in Israel eingegangen.

Elektrofahrzeuge werden niemals massenmarkttauglich sein, ehe sie nicht über Akkus verfügen, die geladene Energie länger speichern, weniger wiegen und schneller aufladbar sind. StoreDot aus Herzliya konzentriert sich auf schnelles Aufladen. Im Juni setzte die Business-Zeitung „City A.M.“ StoreDot auf den ersten Platz seiner Liste mit den 100 bahnbrechendsten Startups der Welt.

StoreDot entwickelt gerade einen Akkusatz für Elektroautos, der aus Hunderten seiner proprietären FlashBattery-Zellen für Elektroautos besteht. Zusammen brauchen die Zellen nur fünf Minuten zum vollen Aufladen und liefern dann eine Reichweite von bis zu 300 Meilen (480 km). Darüber hinaus ist die FlashBattery umweltverträglicher als Lithium-Ionen-Batterien, da dafür organische Verbindungen und ein Herstellungsverfahren auf Wasserbasis verwendet werden.

Auf Englisch zuerst erschienen bei Israel21c.

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