Trotz Drohungen und Einschüchterungen beteiligt sich eine Delegation junger Araber am Kampf gegen die BDS-Kampagne. Sie repräsentieren die schweigende Mehrheit israelischer Araber, die mittlerweile in nahezu jedem Bereich zu einem integralen Bestandteil Israels geworden ist. Dank ihnen hat der Kampf um Gleichstellung, soziale Gerechtigkeit und Versöhnung zwischen den Nationen eine bessere Chance, erfolgreich zu sein.

von Ben-Dror Yemini

Am Sonntag nahm eine Delegation junger israelischer Araber am Kampf gegen die Apartheid-Lüge und BDS-Verleumdungen teil. Eine derartige Delegation – im Auftrag von Reservists On Duty, einer Organisation, die bereits auf US-Campussen aktiv ist – ist definitiv eine wohltuende Abwechslung, die nicht nur neugierige und wohlgesonnene Reaktionen, sondern auch Drohungen und eine Hetzkampagne hervorgerufen hat. Eines der Delegationsmitglieder war gezwungen, sein Haus zu verlassen und ein weiteres Mitglied stand aufgrund des Drucks kurz davor, die Delegation zu verlassen.

Wer vertritt die Araber Israels? Sind es Knesset-Abgeordnete wie Hanin Zoabi und Jamal Zahalka, die die Existenz des Staates Israel unterminieren und mit denen der Vorsitzende der Arbeitspartei Avi Gabbay sich weigert, in einer zukünftigen Koalition zusammenzuarbeiten, oder sind es vielmehr diese jungen Menschen, die entschieden haben, ihr Schweigen zu brechen?

Auf der einen Seite wählen die meisten israelischen Araber – unter ihnen auch Streitschürer – die Vereinte Liste. Auf der anderen Seite integriert sich dieselbe arabische Mehrheit in den Arbeitsmarkt, nimmt zunehmend am Wehrdienst teil – auch wenn die Streitschürer die Freiwilligen als „Aussätzige“ bezeichnen – und lehnt jede Option ab, Teil des palästinensischen Staates zu sein, falls je ein solcher gegründet werden sollte. Die israelischen Araber wollen vielleicht als Palästinenser definiert werden, sie sind jedoch nicht willens, Teil des palästinensischen Staats zu sein. Sie wissen auch warum.

 

51 Prozent der Araber stolz darauf Israelis zu sein

Die Ansichten, die die Mitglieder der Delegation auf US-Campussen präsentieren wollen, sind nicht die Ansichten einer kleinen, separaten Minderheit. Im Gegenteil. Eine Reihe von Erhebungen, von Umfragen von Prof. Sammy Smooha bis hin zu vom Israel Democracy Institute (IDI) beauftragten Meinungsumfragen, zeigen alle ähnliche Ergebnisse. So zum Beispiel beschreiben 57 Prozent der israelischen Araber ihre Lebenssituation als gut oder sehr gut und 58 Prozent fühlen sich als Teil des Staates und dessen Problemen. Die signifikanteste Zahl besagt, dass 51 Prozent der Araber stolz darauf sind, Israelis zu sein. Stolz, man höre und staune!

Wer aber sind die Araber, die im Mittelpunkt des öffentlichen Diskurses in Israel stehen? Wir kennen die Antwort. Neunundneunzig Prozent der Kommentare in Israel und im Rest der Welt repräsentieren das radikale Zehntel, das näher an Zoabi und Scheich Raed Salah liegt. Es sind meist blasphemische und feindliche Artikel, die haltlose Argumente enthalten, die fernab jeder Realität sind.

Zum Beispiel befinden sich die israelischen Araber derzeit mitten in einem fortdauernden Prozess, der bestehende Lücken in Hinblick auf Einkommen und Bildung schliesst. Aber, zur Hölle mit den Fakten. Schliesslich haben die Apartheid-Verleumdungen ein enthusiastisches Publikum in den Medien sowie in kulturellen und akademischen Kreisen rund um den Globus. Es muss also stets jemand da sein, der die Nachfrage bedient.

In der Praxis befinden sich die israelischen Araber in einer weitaus besseren Situation als jede andere muslimische Minderheit in Europa und definitiv in einer besseren Situation, als die Araber in den benachbarten Ländern. Sie sind sich dessen durchaus bewusst. Jede Untersuchung messbarer Parameter wird dies beweisen. Sie geniessen eine sehr viel grössere Freiheit und Gleichheit, wenn auch eine noch grössere Gleichstellung erkämpft werden muss. Diejenigen jedoch, die im Mittelpunkt stehen, sowohl in der Welt als auch in Israel, tun nichts weiter, als Lügen über Lügen zu verbreiten. Schliesslich brauchen sie Etats von George Soros und von Europa. Also müssen sie wettern. Es ist eine Investition, die sich lohnt.

Fälle von Diskriminierung

Die Einschüchterungen und Drohungen gegen die Delegationsmitglieder waren zu erwarten. Eine radikale Minderheit ist in den sozialen Medien immer dominant. Das ist kein Grund zur Panik. Junge Moslems in Europa, die Antisemitismus bekämpfen, müssen sich nach den Drohungen der Extremisten mitunter auch verstecken. Trotz der Drohungen repräsentieren die Delegationsmitglieder in vielerlei Hinsicht die zum Schweigen gebrachte Mehrheit der israelischen Araber, eine Mehrheit, die in nahezu jedem Bereich zu einem integralen Bestandteil Israels geworden ist.

Das heisst nicht, dass es keine Fälle von Diskriminierung gäbe. Natürlich gibt es sie und zwar aus dem Grund, weil Israel – wie jedes andere Land im Westen auch – über eine radikale Minderheit verfügt und es Reststrukturen institutionalisierter Diskriminierung gibt. Mit der derzeitigen rechtsgerichteten Regierung bemüht sich Israel jedoch, das Niveau der Gleichstellung durch massive Investitionen in die arabische Bevölkerung anzuheben.

Die Regierung hat Fehler gemacht. Das Nationalitäten-Gesetz zum Beispiel ist eine unnötige Rechtsvorschrift. Die positiven Dinge wiegen die negativen jedoch vollständig auf.

Ach ja, da wäre noch etwas. Ein junger Araber aus Galiläa, der Sohn eines guten Freundes von mir, kam vor vier Jahren nach Frankreich. Er lernte die Sprache und begann, an der Sorbonne zu studieren. Dort hörte er sehr viele falsche Geschichten über Israel. Ab und zu versuchte er, zu erklären, dass diese Geschichten so nicht stimmten. Die heftigen Reaktionen machten ihm jedoch klar, dass es besser war, den Mund zu halten. Er gab schliesslich auf und kam zurück.

Jetzt gibt es junge Menschen, die bereit sind, ihre Stimme zu erheben, trotz Drohungen und Einschüchterungen. Sie verdienen jeden Unterstützung. Der Kampf um Gleichstellung, soziale Gerechtigkeit und Versöhnung zwischen den Nationen hat dank jungen Menschen wie ihnen eine bessere Chance, erfolgreich zu sein.

Ben-Dror Yemini ist Jurist, Wissenschaftler und Kolumnist der israelischen Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“. Auf Englisch zuerst erschienen bei Yedioth Ahronoth.

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