Foto anjči from London, UK - Image of the President, Damascus / SyriaUploaded by Sebastian Wallroth, CC BY 2.0, Link

Die gegenwärtige Tragödie Syriens begann mit einer Farce. In einem der peinlichsten journalistischen Flops aller Zeiten feierte das amerikanische Lifestyle-Magazin Vogue in einem mehrseitigen Hochglanz-Artikel die attraktive, kosmopolitische und in massgeschneiderte Kleidung gewandete Asma Assad und ihren Ehemann, Baschar, als ein „extrem demokratisches“ Paar, das Syrien zum „sichersten Land im Nahen Osten“ gemacht habe. 

Kaum war die Ausgabe an den Zeitungskiosken erschienen, veranstaltete Asmas Ehegatte das Blutbad, das ihn als den Mann ‚auszeichnen‘ würde, der mehr Araber tötete und vertrieb als irgendein anderer je zuvor.

Das bekannte Modemagazin hatte sich zwar von einer effizienten PR-Maschinerie an der Nase herumführen lassen, dennoch hatte die Revolte, auf die Assad mit massiver Brutalität reagierte, alle überrascht – angefangen mit Assad selbst. Noch am 31. Januar 2011, nur sechs Wochen vor Ausbruch des Bürgerkriegs, prahlte Assad in einem Interview mit dem Wall Street Journal: „Syrien ist stabil“.

Mehr als eine halbe Million Tote und 10 Millionen Flüchtlinge später ist Syrien vermutlich das unsicherste und instabilste Land auf der ganzen Welt. Andererseits wurde der Bürgerkrieg mittlerweile entschieden und das aktuelle Fazit ist, dass Assad das gelang, woran der ehemalige ägyptische Präsident Hosni Mubarak, der Ex-Machthaber Libyens, Muammar al-Gaddafi, sowie die langjährigen Staatsoberhäupter von Tunesien und Jemen allesamt scheiterten: er hat überlebt.

Assad überlebte, ganz so wie General Franco im spanischen Bürgerkrieg, weil er ausländische Streitkräfte hinzuzog, denen er die Vollmacht erteilte, seine Mitbürger abzuschlachten.

Franco liess die deutsche Luftwaffe Städte wie Gernika bombardieren, während eine 100.000 Mann starke Truppe Mussolinis vor Ort für ihn kämpfte. Assad liess die russische Luftwaffe Städte wie Aleppo bombardieren, während am Boden 70.000 Mann starke iranische Truppen und 20.000 Hisbollah-Krieger für ihn kämpften.

Assads Gegner blieben, ebenso wie die von Franco in den 1930er-Jahren, voneinander getrennt und lagen häufig sogar in Konflikt miteinander. Den letzten Schliff erhielt Putins entscheidende Militäraktion letztlich durch Trumps politischen Rückzug, als dieser im Juli entschied, die Unterstützung der von Obama bewaffneten und ausgebildeten Anti-Assad-Milizen einzustellen.

Auf diese Weise gelang es Assad, ein Regime am Leben zu erhalten, das von einer Minderheit, den Alawiten, dominiert wird, wie bereits früher hier erläutert.

Und dennoch ist Assads Sieg nicht vollkommen; nicht nur, weil die sunnitischen Islamisten des IS nach wie vor immer noch nicht vollständig besiegt sind, sondern auch, weil das Syrien, das aus dem Krieg hervorgehen wird, schwächer, kleiner und sehr viel weniger unabhängig sein wird als das Syrien, das in den Bürgerkrieg hineinging.

Die kurdische Minderheit im Nordosten des Landes bleibt im Endeffekt autonom; im Nordwesten besetzen türkische Truppen syrisches Land; im Westen ist Russland der de facto-Herrscher der syrischen Küste; im Südwesten dominieren die libanesischen Truppen der Hisbollah und Teile des Ostens sind von iranischen Einheiten durchsetzt.

Im Endeffekt hat Assad im Gegenzug für den politischen Sauerstoff, der sein Regime am Leben erhält, syrisches Land und syrische Souveränität abgetreten.

Dieser Preis ist nicht nur vom Standpunkt der arabischen Ehre, sondern auch von dem der israelischen Interessen aus betrachtet, exorbitant.

ASSADS SIEG über die sunnitischen Gruppen, die im Winter 2011 gegen ihn rebellierten, gaben seinen iranischen Verbündeten die Gelegenheit, ihre Präsenz in Syrien weiter zu verstärken.

Die grössere Hoffnung des Iran, über den Landweg einen Korridor zum Mittelmeer zu schaffen, kollidiert mit der Entschlossenheit Russlands, das syrische Küstengebiet zu beherrschen, wie in dieser Kolumne kürzlich erläutert. Dennoch bleibt der Osten Syriens exponiert und bietet dem Iran die Möglichkeit, seine geplante Landbrücke in südliche Richtung, hinein in den Libanon, zu verschieben.

Eine Überlandbrücke von Teheran nach Beirut ist aus israelischer Sicht noch untragbarer, da es noch näher am jüdischen Staat liegt als die syrische Küste.

Hinzu kommt, dass eine iranische Aufstellung im Osten der Golanhöhen sich potentiell mit den Hisbollah-Einheiten im Südlibanon vereinen und somit eine 130 km lange Frontlinie westlich und südlich vom Hermon bis zum Mittelmeer bzw. Jordanien bilden könnte.

Dies war Thema der Gespräche bei dem Treffen zwischen Premierminister Benjamin Netanyahu und dem russischen Präsidenten Vladimir Putin am 23. August in Sotschi. Es war offensichtlich ebenfalls der Kontext, in dem Israel Berichten zufolge zwei Wochen später eine syrische Raketenfabrik in der Stadt Masyaf, zwischen Homs und der Küste, bombardierte.

„Übernahme syrischer Regionen durch den Iran verhindern.“

Dahinter verbirgt sich ein Wechsel in der israelischen Strategie gegenüber Syrien.

So lange der Bürgerkrieg wütete, war es Israels Ziel, sich vom Krieg fernzuhalten, es sei denn, es ging darum, Waffenlieferungen an die Hisbollah im Libanon anzugreifen. Inzwischen ist das israelische Ziel, die de facto-Übernahme syrischer Regionen durch den Iran zu verhindern.

Der russischen Duldung des Luftangriffs vom 7. September – bei dem davon ausgegangen werden kann, dass Moskau im Voraus darüber informiert war – nach zu urteilen, scheinen die Pläne des Iran in Syrien von der Ankunft der Russen erheblich erschwert worden zu sein.

Zuerst hat Russland den Iran mit dem massgeblichen Eingreifen seiner Luftwaffe im Auftrag Assads seit Herbst 2015 in politische Bedrängnis gebracht. Heute unterstützt Russland – zumindest passiv – Israels Widerstand gegen die Pläne des Iran im Osten Syriens. Unterdessen muss der Iran den Willen Russlands akzeptieren, denn der Kreml ist der ideale Lieferant der modernen Waffen, die das iranische Militär so dringend benötigt. Und, was noch wichtiger ist, das strategische Interesse der Russen an Syrien: Jetzt, wo es den Bürgerkrieg entschieden hat, soll die Ruhe wiederhergestellt werden, damit Russland beginnen kann, einen Teil seiner Truppen wieder nach Hause zu schicken.

Israel hat dies erkannt und offensichtlich eine Botschaft gesandt; zuerst auf diplomatische und dann auf militärische Weise: So lange sich der Iran in Syrien einmischt, wird es – um es mit den Worten des Vogue-Magazins zu sagen – nicht das „sicherste Land im Nahen Osten“ werden.

 

Über Amotz Asa-El

Amotz Asa-El ist leitender Berichterstatter und ehemaliger Chefredakteur der Jerusalem Post, Berichterstatter Mittlerer Osten für Dow Jones Marketwatch, politischer Kommentator bei Israel's TV-Sender Channel 1 und leitender Redakteur des Nachrichtenmagazins Jerusalem Report.

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