Vor 45 Jahren, am 5. September 1972, ermordeten arabische Terroristen elf Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft: die Gewichtheber David Mark Berger, Josef Romano und Zeev Friedman, den Ringer-Kampfrichter Yossef Gutfreund, die Ringer Eliezer Halfin und Mark Slavin, den Fechttrainer André Spitzer, den Leichtathletiktrainer Amitzur Schapira, den Schützentrainer Kehat Shorr, den Gewichtheber-Kampfrichter Yakov Springer und den Ringer-Trainer Mosche Weinberg. Zudem wurde der deutsche Polizist Anton Fliegerbauer bei der missglückten Geiselbefreiung am Olympia-Flughafen Fürstenfeldbruck getötet.

Bei der Deutung dieses Ereignisses springt immer wieder das kolossale Versagen der deutschen Behörden und der damaligen Bundesregierung ins Auge. Doch so merkwürdig es klingt: Man entlastet die Verantwortlichen, wenn man die Versäumnisse und die Schlamperei in den Mittelpunkt rückt. Die Wahrheit ist, dass die Bundesrepublik Deutschland die Täter bezahlt und, wie andere europäische Länder auch, mit ihnen gemeinsame Sache gemacht hat – so, wie Europa heute noch Terroristen ganz schamlos öffentlich unterstützt und finanziert.

Unter Führung und Aufsicht von Jassir Arafat, der 1968 an die Spitze der Fatah und 1969 an die der PLO gerückt war, hatten arabische Terroristen in den Jahren vor 1972 bereits eine Fülle von Flugzeugentführungen, Bombenanschlägen und anderen Terrorakten gegen Juden begangen bzw. in Auftrag gegeben. Erst kurz vor Beginn der Olympischen Spiele, am 30. Mai 1972, hatten mit Kalaschnikows bewaffnete Mitglieder der Japanischen Roten Armee auf Geheiss der zu Arafats PLO gehörenden PFLP das Massaker am Flughafen Lod/Tel Aviv verübt; 26 Menschen wurden ermordet, 80 verletzt (dem überlebenden Mörder Kozo Okamoto sandte die Fatah noch letztes Jahr „tausend Grüsse“ und nannten ihn den „Helden der Lod-Airport-Operation“). Die Täter waren dafür bezahlt worden, und woher das Geld kam, war so offensichtlich, dass es schon Tage später im „Spiegel“ stand: „Die Kosten des Unternehmens übernahm die PFLP. Vor wenigen Monaten noch als bankrott verschrien, hatte sie die 40.000 Mark für die Japaner schnell bei der Hand. Eingeweihte in Beirut tippen, die PFLP-Leute hätten ihre Kasse mit Millionen aus dem Lösegeld für den im Februar nach Aden entführten Lufthansa-Jumbo aufgefüllt.“

Die Opfer des Massakers von München. Bild: israel21c

Deutsche Regierung belohnt Terror

Im Februar 1972 nämlich war die Lufthansamaschine „Baden-Württemberg“ auf dem Weg von Bombay nach Frankfurt von arabischen Terroristen unter Wadi Haddad von der PLFP, in den Jemen entführt worden, was die damals regierende sozial-liberale Bundesregierung veranlasste, den Tätern die für damalige Verhältnisse unglaubliche Summe von 15,5 Millionen D-Mark in die libanesische Wüste bringen zu lassen. Bundesverkehrsminister Georg Leber (SPD) redete öffentlich über dieses Mäzenatentum. Der „Spiegel“ schrieb:

Forsch setzte sich der Strassenbauer [Minister Leber; S.F] über kriminologische Weisheiten hinweg. Mit seinem Enthüllungssolo verstiess er gegen den Grundsatz, Lösegeldzahlungen möglichst diskret zu behandeln, um neue Erpresser nicht zur Nachahmung zu animieren. Mehr noch, der Minister lieferte mit seiner Schilderung eine minuziöse Gebrauchsanweisung, wie aus einem Lufthansa-Ticket fünf Millionen Dollar zu machen sind. … Vor der Presse produzierte sich der biedere Hesse als Retter der „Baden-Württemberg“, der auch die Selbstverständlichkeit nicht zu erwähnen vergass, dass ihm Menschenleben mehr wert seien als „schnöder Mammon“.

Man muss sich vor Augen halten, dass die deutsche Bundesregierung damals nicht – was schlimm genug gewesen wäre – einem kleinen Erpresser nachgab, der das Geld hätte benutzen wollen, um ein Luxusleben auf Hawaii zu führen; sondern es wurde fanatischen Terroristen übergeben, die bereits eine lange Liste von Bluttaten vorzuweisen hatten und fest entschlossen waren, niemals mit dem Morden aufzuhören. Es war klar, dass das Geld dazu genutzt werden würde, noch grössere Verbrechen möglich zu machen.

In seinem Buch über den Schweizer Bankier, Nazi- und Terrorfinanzier François Genoud resümiert der deutsche Publizist Willi Winkler:

Das … erpresste Geld fand vielfache Verwendung. Eine Million ging für die genossenschaftliche Abwicklung der Entführung in den Jemen. Ein Teil wurde wie zum Hohn gewinnbringend in der Schweiz angelegt. Ob der Waisenfonds der PFLP, dem das Geld angeblich zufallen sollte, es auch erhalten hat, wird man bezweifeln dürfen. Da waren nämlich noch einige laufende Projekte, die finanziert sein wollten.

Winkler zitiert einen Brief, den der Zentralrat der Juden in Deutschland am 31. Oktober 1972 an Bundeskanzler Willy Brandt sandte: „Die Bezahlung eines Lösegelds von fünf Millionen Dollar für die Freigabe einer Lufthansamaschine in diesem Jahr hat zur Finanzierung des Verbrechens von München und Fürstenfeldbruck und damit zu einem schweren Schaden für die Bundesrepublik geführt.“

Terroristen als Ehrengäste

Noch am 4. Februar 1972, nur wenige Wochen vor der Entführung der „Baden-Württemberg“, hatte sich Bundeskanzler Willy Brandt in einer Fernsehansprache an die Deutschen gewandt und erklärt, „dass wir Gewalttätigkeit nicht akzeptieren und nicht dulden können (…). Gruppen oder einzelne, die auf Gewaltanwendung aus sind, müssen wissen, dass wir verpflichtet und entschlossen sind, ihnen mit allen rechtlichen Mitteln das Handwerk zu legen.“

Doch im Verhältnis zu Arafat und seinen Terrorbanden war davon nie etwas zu spüren.

Sie wurden in der Bundesrepublik, in der Schweiz und anderen westeuropäischen Ländern – von den Ostblockstaaten ganz zu schweigen – buchstäblich wie Ehrengäste hofiert: Als die PFLP-Top-Terroristin Leila Khaled 1970 in Grossbritannien verhaftet wurde, wusste sie, dass man sie bald freilassen würde – und in der Zwischenzeit behandelte man sie ihren eigenen Worten nach „wie einen offiziellen Staatsgast“. Nach weniger als einem Monat wurde sie auf freien Fuss gesetzt – obwohl sie an zwei Flugzeugentführungen mitgewirkt hatte. In der Schweiz residierten PLO-Terroristen in einem Genfer Fünf-Sterne-Hotel. Im Januar 1977 wurde Abu Daoud, einer der Drahtzieher von München, in Paris verhaftet; statt ihn nach Israel oder Deutschland auszuliefern, liess Frankreich ihn frei und setzte ihn in einen Flug erster Klasse nach Algerien. Das waren keine Einzelfälle: Von 204 Terroristen, die zwischen 1968 und 1975 ausserhalb des Nahen Ostens verhaftet wurden, waren 1975 nur noch drei im Gefängnis, schreibt Alan Dershowitz. Dieses Verhalten setzte sich noch lange fort. 1985 liess Italiens Regierung Abu Abbas – Mitglied im Exekutivkomitee der PLO und einer der vier palästinensischen Entführer des Kreuzfahrtschiffes Achille Lauro – nach Tunesien ausreisen, statt ihn an die USA auszuliefern, wo ihm wegen der Ermordung des US-amerikanischen Passagiers Leon Klinghoffer der Prozess gemacht worden wäre. 

Fingierte Entführung

Auch die deutsche Bundesregierung war 1972 nur allzu erpicht darauf, die überlebenden Terroristen von München schnell loszuwerden. Drei Täter, die am 5. September festgenommen worden waren, waren Ende Oktober schon wieder auf freiem Fuss – wie es Mossad-Direktor Zvi Zamir unmittelbar nach dem blutigen Ende der Geiselnahme und der Festnahme der überlebenden Terroristen vorhergesagt hatte.

In Oktober 1972 entführten zwei arabische Terroristen eine aus Beirut kommende Lufthansa-Maschine. An Bord waren nur 13 Passagiere, alle von ihnen erwachsene Männer. Die Entführer forderten die Freilassung der drei Inhaftierten, die Bundesregierung kam dem sofort (innerhalb weniger Stunden) nach und hatte die Ausreise offenbar bereits seit längerem vorbereitet. In seinem Film „One Day in September“, zu dem es ein gleichnamiges Buch gibt, liefert der Journalist  Simon Reeve Belege dafür, dass die vermeintliche Entführung in Wirklichkeit im Einverständnis mit der Bundesregierung erfolgte, um ihr einen Vorwand zu liefern, das zu tun, was sie ohnehin wünschte: die Terroristen freilassen. Gegenüber Reeve bestätigten dies Jamal al-Gashey, der einzige noch lebende Terrorist von München, sowie Ulrich Wegener, Gründer der deutschen Antiterroreinheit GSG-9.

Reaktion der israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir

Als sie hörte, dass Deutschland die Mörder von München freigelassen habe, sei die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir „buchstäblich körperlich krank“ geworden, schreibt Reeve. Später habe sie gesagt: „Ich glaube, es gibt keinen einzigen Terroristen, der irgendwo auf der Welt im Gefängnis sitzt. Alle anderen geben nach. Wir sind die Einzigen, die das nicht tun.“

Meir gab dann Anordnung, eine Einheit zu bilden, die die Täter von München aufspüren und töten sollte – „Operation Bayonet“. Es war keine blinde Rache, sondern ein wohlüberlegter, umsichtiger Schritt: Terrorismus war, wie gesehen, damals in Europa faktisch straffrei. Um ihn einzudämmen, musste es jemanden geben, der potenziellen Nachahmern ein Signal sandte, dass sie mit Konsequenzen zu rechnen hätten.

Wären die Westeuropäer damals auf eine härtere Linie umgeschwenkt und hätten ausländischen Terrorismus ebenso entschlossen bekämpft, wie sie dann ab Mitte der Siebziger Jahre den inländischen Terrorismus bekämpft haben – was vorausgesetzt und bedeutet hätte, das Leben von Juden genauso zu schätzen und zu schützen wie das von Nichtjuden –, dann hätte sich der internationale Terrorismus vielleicht nie zu dem entwickeln können, was er heute ist.

UNO belohnt Terror

Stattdessen wurde der Mörder Arafat – der 1994 zusammen mit Schimon Peres und Jitzchak Rabin mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde – zu einem Staatsmann gemacht: Im November 1974, zwei Jahre nach München, sprach er vo der UNO; seine Terrororganisation PLO erhielt bei den Vereinten Nationen Beobachterstatus, wurde also fast einem Staat gleichgestellt. Alle Welt sah, dass Terrorismus sich auszahlt, die UNO verklärte ihn zu einer Heldentat aus edlen Motiven: In unzähligen UN-Resolutionen hiess es, die „zugrunde liegenden Ursachen“ seien „Elend, Frustration, Missstände und Verzweiflung, die manche Leute dazu bewegen, Leben zu opfern, darunter ihr eigenes.“ Das war natürlich gelogen.

Die Täter waren nicht von „Verzweiflung“ getrieben, sondern allein von Hass. Wie wir heute wissen, haben die Terroristen von München ihre Opfer gefoltert und verstümmelt, bevor sie sie ermordeten.

Arafat bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen. Bild: Youtube

Weltweite Maschinerie

Die Zeiten haben sich nicht geändert. Heute führt Mahmoud Abbas, der nach der Aussage von Abu Daoud damals das Geld für den Anschlag von München bereitstellte (Geld aus Deutschland, kann man sich denken), die „Palästinensische Autonomiebehörde“. Diese zahlt inhaftierten Terroristen Gehälter – mit Geld, das wiederum aus Deutschland, der Schweiz und anderen westlichen Ländern stammt. Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel (SPD) nennt Abbas seinen „Freund“. Und der deutsche Bundespräsident Walter Steinmeier legte unlängst einen Kranz am Grab von Arafat nieder.

Die Bluttat von München, die zeitlich näher an Auschwitz als an der Gegenwart liegt, steht für die alte Idee der Vernichtung von Juden – mit neuer Methodik und dem Einsatz  neuer publizistischer Mittel. Abu Daoud sagte später: „Die Operation hat die palästinensische Sache in die Wohnzimmer von 500 Millionen Menschen gebracht.“ Die Terrororganisationen hatten in der Folge immensen Zulauf, und die „palästinensische Sache“ war nun fest etabliert: Es zeigte sich, dass man nur Gewalt einzusetzen braucht, um eine Sache als dringlich und edel zu verkaufen.

War Auschwitz ein Projekt der Nationalsozialisten und ihrer Helfer gewesen, das, militärisch-straff organisiert, die Auslöschung der Juden Europas und des Nahen Ostens innerhalb eines kurzen Zeitraums zum Ziel hatte, so ist der neue Vernichtungsantisemitismus dadurch bestimmt, dass in einem niemals endenden Prozess immer wieder Juden ermordet werden und es dafür länder- und parteienübergreifend – in Zahlungen ausgedrückten – Beifall gibt.

Bei der Vorbereitung des Massakers von München halfen u.a. die DDR, westdeutsche Linke und Neonazis. Die aus Sozialdemokraten und Liberalen bestehende Bundesregierung tat, wie gesehen, das Ihre dazu. Es war nur folgerichtig, dass sie im Folgejahr, während des Jom-Kippur-Kriegs, gegen jede Hilfe für das angegriffene Israel war.

Damals wie heute zahlen Deutschland und andere westliche Länder indirekt und direkt für die Ermordung von Juden und machen mit den Tätern auf internationalem Parkett gemeinsame Sache, wie Rädchen einer gut geölten Maschine.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt „Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos.“

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