Sehr geehrte Frau Präsidentin des Synodalrats Stämmer-Horst

Ich bin darauf aufmerksam geworden, dass die reformierte Kirche im Kanton Luzern für eine Veranstaltung in Adligenswil unter dem Titel „Zaungäste“ verantwortlich zeichnet.

Es geht um den palästinensisch-israelischen Konflikt, und zwar insbesondere im Blick auf die selbsternannten „Menschenrechtsbeobachter“, die als Freiwillige des Ökumenischen Begleitprogramms in Palästina und Israel (EAPPI) rekrutiert werden und mit Touristenvisen ausgestattet 3 Monate in Israel an Checkpoints mit Handykameras bewaffnet Beweise sammeln sollen. Touristen sind das aber offenbar nicht, sondern politische Aktivisten. Nach ihrem Einsatz sollen sie dann, wenig überraschend, einem schon zuvor zum Anti-Israelismus geneigten Gremium (in der Schweiz ist das natürlich das für seine Finanzierung antiisraelischer Nichtregierungsorganisationen bekannte HEKS) die schon unerschütterbare Beschuldigung Israels bestätigen. Denn sie sollen beobachten, dass israelische Sicherheitskräfte an Checkpoints gegenüber palästinensischen Einreisenden ihre Arbeit tun. Dadurch sind schon einige Terroristen frühzeitig gestoppt worden. Und die meisten Palästinenser haben kein Problem mit der Sicherheitskontrolle. Denn sie möchten ihrer Arbeit, die sie und ihre Familien ernährt, nachgehen. Die „Menschenrechtsbeobachter“ hingegen haben einen ihnen schon inhärenten oder durch die Vorbereitungsseminare von Peace Watch Switzerland implantierten Verdacht: Die Sicherheitsmassnahmen Israels seien in jedem Fall Schikane. Nachdem sie mit ihrem naiven Vorurteil, das an den freizügigen Grenzen zwischen der Schweiz und Frankreich, Deutschland, Italien und Österreich genährt ist, in das vertrackte Konfliktgebiet in Nahost kommen, sind sie schockiert. Allein die Tatsache, dass Israel Sicherheitskontrollen vornimmt, ist offenbar tadelnswert. Das hat man ihnen ja auch eingebläut.

Diese „Menschenrechtsbeobachter“ werden nach bestandener Gehirnwäsche durch Peace Watch Switzerland und bezahlt durch HEKS und damit wohl auch durch unsere Spendengelder nach ihrer Rückkehr von ihren EAPPI-Entsendern auf eine Art von Zirkustour in Kirchgemeinden geschickt. Dort sollen sie dann die Anschuldigungen gegen Israel verbreiten, die sie schon zuvor auf den Weg nach Israel schon mitgebracht haben. Nun sind sie aber „Zeugen“  „sind die Augen und Ohren der internationalen Öffentlichkeit im Konfliktgebiet.“ So schliesst sich der Teufelskreis der Vorurteile.

In dem Flyer zu Ihrer Veranstaltung in Adligenswil zeigt allerdings schon die Auswahl der bebildernden Fotografien, welche Schlagseite die Veranstaltung hat, nämlich eine offenbar gezielt antiisraelische. Das ist genau das, was der Weltkirchenrat (ÖRK), leider unwidersprochen vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK), mit seinen zahlreichen antiisraelischen Aktionen (manche nennen das einen auf Israel bezogenen Antisemitismus) propagiert. Daraus ist ja auch EAPPI geboren. Bei Ihnen, das zeigt die Veranstaltung in Adligenswil, hat diese Propaganda offenbar auch gewirkt.

Die antiisraelische Tendenz wird im Flyer für die Adligenswiler Veranstaltung sozusagen bebildert. Die israelische Seite wird nicht etwa mit fröhlichen und freizügigen Badenden am Strand von Tel Aviv oder anderen Bildern dieses säkularen und demokratischen Staats repräsentiert, sondern mit dem Bild von einer Gruppe von männlichen Juden (offenbar in der erkennbaren religiösen Kleidung von Vertretern der Orthodoxie). Ob das Bild israelische oder Schweizer oder amerikanische Juden zeigt, wissen wir nicht. Dem Flyer kommt es offenbar darauf an, die israelische Seite durch religiöse jüdische Männer zu repräsentieren. Während die israelische Seite mit religiösem Kontext versehen wird, wurde für die palästinensische Seite ein Bild von Elend und Chaos ausgewählt. Wo das ist, wer dieses hergestellt hat, wird nicht erklärt. Urheber des Elends, wenn es denn eine Szene in palästinensischen Gebieten zeigt, könnten auch die Hamas sein, welche der grösste Feind des palästinensischen Volks ist. Insinuiert wird jedenfalls eine eindeutige Schuldzuschreibung: Es waren die bärtigen Männer mit den Hüten oder den Kippot, also Tora-observante Juden. Und darunter ist dann das Bild von den tapferen, das Handeln der bösen Juden natürlich neutral beobachtenden EAPPI-Menschenrechtsbeobachtern, die israelische Soldaten und deren Gerät fotografieren. Jeder soll danach wissen, dass am Ende und eigentlich die Juden die Schuldigen sind und dass die EAPPI-Beobachter uns davon Zeugnis ablegen.

Diesem Vorurteil entsprechend heisst es gleich zu Beginn im Flyer:

„Die MenschenrechtsbeobachterInnen sind die Augen und Ohren der internationalen Öffentlichkeit im Konfliktgebiet. Internationale Präsenz ist ein wirksames Mittel gegen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung und sie ermöglicht das gewaltfreie Engagement lokaler Menschenrechts- und FriedensaktivistInnen.“

„International“ klingt ja immer gut. Doch: es gibt auch eine Internationale der Judenfeindschaft und der Verleumdung des jüdischen Nationalstaats. „Übergriffe auf die Zivilbevölkerung“ werden Israel unterstellt. Eine hanebüchene Verleumdung. Es ist, verehrte Frau Synodalratspräsidentin, aber auch eine peinliche Heuchelei und Selbstbelobigung, um nicht zu sagen eine krasse Lüge, was im Flyer steht. Denn die „MenschenrechtsbeobachterInnen“ haben natürlich noch nie beobachtet, und es war auch noch nie ein Ziel ihres beobachtenden Friedensaktivismus, was an terroristischen und mörderischen Übergriffen auf die israelische zivile Bevölkerung stattgefunden hat und immer wieder stattfindet. Sie haben sich als „Zaungäste“ noch nie damit befasst, dass eben dieser „Zaun“ die Sicherheit und das Menschenrecht von israelischen Zivilisten gegen palästinensische Mörder und Terroristen schützen soll. EAPPI verdreht in antiisraelischer Absicht Ursache und Wirkung. Und noch nie habe ich von den Verantwortlichen für EAPPI, weder vom ÖRK noch vom SEK, dem Paten von EAPPI in der Schweiz, gehört, dass sie die Anheizung von terroristischem Mord und Totschlag durch üppige Pensionen seitens der Palästinensischen Autonomiebehörde (bereitgestellt, wenn auch indirekt, auch durch unsere Steuern) kritisieren oder gar verurteilen. HEKS und OEME bestimmen ja, was wir als Reformierte für ethisch richtig halten und von unseren Steuergeldern finanzieren müssen. Niemand hat ihnen je dazu ein Mandat erteilt – jedenfalls wenn die Bedingungen Schweizer Demokratie gelten.

Bemerkenswert ist, dass bei dieser antiisraelischen Veranstaltung auch darauf geachtet wird, dass ein jüdischer Vertreter auf dem Podium der Veranstaltung sein wird, der nicht so aussieht wie die religiösen Juden, die im Flyer bebildert werden. Vor allem durfte es wohl kein Israeli sein; es musste ein als extrem israelkritischer Aktivist bekannter Schweizer Jude sein. Antiisraelische Palästinenser sind hingegen durchaus bei der Veranstaltung vertreten. Darunter auch der Märchenonkel Daoud Nassar (vgl. http://www.audiatur-online.ch/2014/06/17/die-obstbaeume-eines-friedensaktivisten/ ). Den Narrativ der Palästinenser mit einem Israeli und seiner Sicht des Konflikts zu konfrontieren, wäre ja störend demokratisch und fair. Natürlich darf auch kein Christ zu Wort kommen, der eine andere Sicht als die bei Ihnen für sakrosankt gehaltene antiisraelische Ideologie des ÖRK und seiner EAPPI hat.

Ja, wir sind zurück in der Geschichte der christlichen Judenfeindschaft und der überheblichen und selbstgerechten christlichen Judenvermahnung. Der (Un-)Geist moralischer Selbsterhöhung hat auch in der Schweiz via ÖRK und willigen Vollstreckern in Schweizer reformierten Kirchen wieder an Boden gewonnen. Schade. Wir waren mal weiter in der Erkenntnis christlicher Sünden wider Gott und die Menschheit.

Beste Grüsse

Prof. emer. Dr. Ekkehard W. Stegemann

Über Ekkehard W. Stegemann

Ekkehard W. Stegemann war von 1985 bis 2014 Ordinarius für Neues Testament an der Theologischen Fakultät der Universität Basel.

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