Am 14. Juli 2017 wurden in Jerusalem zwei israelische Polizisten ermordet. Anlässlich der nachfolgenden massiven Unruhen, Ausschreitungen und Attentate rund um die Vorgänge mit den Metalldetektoren beim Tempelberg, ging der Journalist Daniel Glaus in der Sendung 10vor10 des Schweizer Fernsehens am 28. Juli 2017, näher auf diesen speziellen Ort und auf die aktuelle Situation ein. Er wurde dabei unterstützt von Roland Popp, Nahostexperte der ETH Zürich / Center for Security Studies. 

Der Video-Ausschnitt über den Tempelberg in der Sendung 10vor10, wurde wenige Tage nach der Ausstrahlung stillschweigend von der Website des Schweizer Fernsehens gelöscht. Einige der Aussagen im 3.34 Minuten langen Beitrag, hat Audiatur-Online trotzdem analysiert und einem kurzen Faktenchek unterzogen. Hier die Ergebnisse:

SRF 10vor10:

„Der Tempelberg, sowohl für Juden wie Muslime ein heiliger Ort. Der Tempelberg – für Juden Muslime und Christen ein heiliger Ort, 3000 Jahre Geschichte.“

Fakten:

Der Tempelberg, auf welchem der erste und der zweite Tempel standen, ist für die Juden die heiligste Stätte, während der Ort für Muslime und Christen auch heilig ist. Die heiligsten Stätten der Muslime sind in Mekka und Medina. Vor 3000 Jahren gab es das Christentum und den Islam noch nicht.

SRF 10vor10:

„Das Mughrabi-Tor – Eingangstor für die Muslime.“ 

Fakten:

Dies ist offensichtlich falsch. Das Mughrabi-Tor ist das einzige Eingangstor für Nicht-Muslime.

Im Mailaustausch mit einem Leser von Audiatur-Online nahm SRF 10vor10 dazu nachträglich wie folgt Stellung:

Der Beitrag ist nicht mehr online verfügbar, weil wir feststellen mussten, dass die Grafik leider einen Fehler enthielt. Wie Sie korrekt bemerkt haben, ist das Mughrabi-Tor nicht der Eingang für Muslime, sondern jener für Nicht-Muslime. Diesen Fehler hätten wir in der Grafik nicht einfach beheben können, daher musste der ganze Beitrag vom Netz genommen werden. Wir haben bereits ein Korrekt online geschalten, das dies richtig stellt: https://www.srf.ch/tv/allgemein/korrekturen

Uns tut das sehr leid.
Wir danken vielmals für Ihr Verständnis.

„Leider kann dieses Video aus rechtlichen Gründen nicht ausgespielt werden“ Screenshot SRF 10vor10.

SRF 10vor10:

„Muslime mussten nun zeitweise Kontrollposten mit Metalldetektoren passieren.“

Fakten:

10vor10 unterschlägt die Tatsache, dass auch alle Besucher der jüdischen Klagemauer Sicherheitskontrollen passieren müssen. Um auf diesen Platz zu gelangen, werden alle Personen mit Hilfe von Metalldetektoren und alle Gegenstände mit Röntgenstrahlen untersucht. 

SRF 10vor10:

„Der Zusammenstoss, der die jüngste Gewaltwelle auslöste geschah am Löwentor nördlich des Tempelbergs. Mitte Juli schossen Palästinenser auf israelische Polizisten…töteten zwei von ihnen.“ 

Fakten:

Es handelte sich dabei nicht um einen „Zusammenstoss“ sondern um einen tödlichen Terroranschlag. Die Terroristen waren keine Palästinenser sondern israelische Araber aus der Stadt Um el-Fahm im Norden Israels. Sie hatten ihre Waffen auf dem Tempelberg versteckt, wo die von der muslimischen Waqf verwaltete Al-Aqsa-Moschee steht. Die drei Mörder wurden von der israelischen Polizei getötet. Am Tag davor hatte einer der Mörder ein Selfie veröffentlicht, auf dem er vor der Al-Aqsa-Moschee stand; zu dem Bild schrieb er: „Das Lächeln von morgen wird schöner sein, so Allah will.“

SRF 10vor10:

„Auf dem Tempelberg in Jerusalem: Heute Abend war er wieder für alle Altersgruppen muslimischer Gläubiger geöffnet, die massiven Proteste scheinen ihre Wirkung erzielt zu haben. Sie feierten dies denn auch als Sieg im jüngsten Konflikt.“ 

Fakten:

Bei den „Protesten“ handelte es sich um massive, gewalttätige Ausschreitungen. Von „Protesten“ zu sprechen heisst diese Art von Terrorismus schönzureden. Der „jüngste Konflikt“ bestand aus einem tödlichen Terroranschlag auf dem Tempelberg und Ausschreitungen nach der Einführung von Sicherheitsmassnahmen. Sicherheitsmassnahmen die im Übrigen in aller Welt als logische Reaktion nach Terroranschlägen betrachtet werden.

SRF 10vor10 Nahostexperte Roland Popp/ETH:

„…Die Muslime reagieren da sehr, sehr allergisch auf jedes noch so kleine Zeichen, das darauf hinweist, dass Israel versucht da den Status quo zu verändern. In dem Fall waren es nun neue israelische Sicherheitsmassnahmen nach einem Zusammenstoss nahe der Stätte, und dagegen gab’s eben Proteste und dann führte das eben sehr, sehr schnell zu Gewalt.“ 

Fakten:

Auch für den Nahostexperten Popp ist der tödliche Terroranschlag auf zwei Polizisten nur ein „Zusammenstoss“.  Statt zu betonen, dass es sich um adäquate und erforderliche Sicherheitsmassnahmen handelt, redet Popp über die “Allergien“ der Araber gegenüber Status-Quo-Änderungen.

SRF 10vor10 Nahostexperte Roland Popp/ETH:

„Es gibt durchaus Gruppen, die versuchen Gewalt zu erzeugen in der Hoffnung, sowas wie eine dritte Intifada zu erzeugen, – weil sie glauben, dass man nur so wieder Bewegung in den ganzen Konflikt bringen kann. Man hat nun 25 Jahre lang im Grunde auf Verhandlungen gesetzt, man hat nichts erreicht und auf Seiten von vielen jungen Palästinensern ist die Frustration ganz gewaltig.“

Fakten:

Der Nahostexperte Roland Popp blendet hier einige wichtige Tatsachen aus. Nichts spricht dafür, dass von palästinensischer Seite auf Verhandlungen zwecks Friedensabkommen gesetzt wurde – drei mal war die Möglichkeit in Reichweite, und sie wurde entweder abgelehnt oder ignoriert. Es gibt etliche Belege dafür, dass die von Popp als „Gruppen“ bezeichneten Organisationen, im Einklang mit der Politik der Fatah und der Hamas handeln, die beide gemäss Ihren Satzungen die Vernichtung Israels zum Ziel haben. Dem Zuschauer werden die unzähligen, sich wiederholenden Aufrufe zur Gewalt und Hetze von palästinensischer Seite vorenthalten. Die Frustration der Palästinenser ist tatsächlich gewaltig – doch die Schuld ihres Scheiterns liegt bei ihrer eigenen Führung, die dafür sorgt, dass diese an sie gerichtete Wut nicht an die Öffentlichkeit dringt.

SRF 10vor10 und Nahostexperte Roland Popp/ETH:

 

Fakten:

Mit keinem Wort erwähnt wird im ganzen Beitrag, weder von 10vor10 noch dessen Nahostexperten Roland Popp, die in direktem Zusammenhang stehende brutale Ermordung von drei Mitgliedern einer israelischen Familie in ihrem Haus, durch einen Palästinenser. Drei bestialisch ermordete Juden, scheinen für 10vor10 keine Nachricht wert.

Fazit: Die Berichterstattung von SRF 10vor10 über die jüngsten Terrorangriffe auf Israelis und die Spannungen auf dem Tempelberg war grösstenteils nicht nur unfair, es fehlte auch die Ausgewogenheit. In einigen Fällen war sie zudem ungenau und stellte Israel indirekt als Angreifer dar. Dass der Beitrag vom Netz entfernt wurde, hinterlässt im Übrigen einen etwas seltsamen Eindruck.

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