Avocadobaum. Foto PD, CC0 Creative Commons

Das Galilee International Management Institute ermöglicht palästinensischen Landwirten, gemeinsam mit israelischen Anbauern die hohe Avocado-Nachfrage in Europa zu befriedigen.

von Abigail Klein Leichman

Was die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel, der Palästinensischen Autonomiebehörde und Jordanien angeht, war der Juli ein Monat voller deprimierender Nachrichten.

Und dennoch blühte abseits der Schlagzeilen die Zusammenarbeit zwischen diesen Bevölkerungsgruppen am Galilee International Management Institute (GIMI) in Nahalal, einer Stadt im Norden Israels.

Alleine im Monat Juli veranstaltete das GIMI eine Schulung für jordanische, palästinensische und israelische Hersteller von Olivenöl, sie vermittelte Landwirten aus den palästinensischen Autonomiegebieten das Know-how für den Anbau von Avocados für den Export und begann mit der Planung eines Fernkurses für Computeringenieure aus Gaza, um diesen die spätere Tele-Arbeit für israelische Unternehmen zu ermöglichen.

„Das ist kein Neuland für uns“, sagt der Leiter des GIMI Joseph „Yossie“ Shevel. „Seit 30 Jahren arbeiten wir bereits mit den Palästinensern zusammen.“

Das 1987 gegründete Institut entwickelt und präsentiert Fort- und Weiterbildungskurse für Fachpersonal aus  der ganzen Welt – die bisherigen Teilnehmer stammen aus über 170 Ländern – in einer grossen Vielzahl von Sprachen.  Doch auch die lokalen und regionalen Bedürfnisse hat das GIMI nie aus dem Blick verloren.

Der Kurs für den Anbau von Avocados entstand aus der Erkenntnis des GIMI, dass die gesundheitsfördernde Avocado in Europa stark gefragt ist und die Israelis den palästinensischen Farmern dabei helfen könnten, ebenso wie sie ein Qualitätsprodukt für diesen Markt des „grünen Golds“ anzubieten.

„Wir dachten, wir sollten die Palästinenser ermutigen, auf Basis der hervorragenden israelischen Erfahrungen auch selbst Avocados anzubauen. Es ist uns bewusst, dass es ein Problem mit dem Export von Landwirtschaftsgütern aus dem Westjordanland nach Europa gibt und wir hoffen, dass wir eine Lösung dafür finden werden“, so Shevel.

Teilnehmer am Kurs für palästinensische Avocado-Züchter. Foto Galilee International Management Institute

Die israelischen Avocado-Exporte nach Europa sind in den vergangenen Jahren auf ungefähr 100.000 Tonnen angestiegen, was rund einem Drittel des Wintermarkts für Avocados in den EU-Ländern entspricht.

Das GIMI organisierte eine Schulung für palästinensische Agrarfachleute, die dann in der Folge ihr neu erworbenes Wissen an die Landwirte weitergeben sollen. Finanziert wurde die Weiterbildung durch das israelische Amt für auswärtige Angelegenheiten und die Europäische Union über die Stiftung für wirtschaftliche Zusammenarbeit, eine 1990 gegründete gemeinnützige Denkfabrik mit Sitz in Tel Aviv, deren Ziel die Aufrechterhaltung und Unterstützung israelisch-palästinensischer und israelisch-arabischer Zusammenarbeit ist.

„Wir haben viele ehemalige Absolventen im Westjordanland. Als wir das Programm ankündigten, halfen sie uns, es bekannt zu machen und so meldeten sich schliesslich 28 Personen an“, berichtet Shevel. Rund 40 Prozent der Angemeldeten waren Frauen und einige von ihnen bauen bereits Avocados für den Export in arabische Länder an.

Die zweiwöchige Schulung begann mit Online-Unterricht, der hauptsächlich von arabisch-israelischen Fakultätsmitgliedern des GIMI durchgeführt wurde, und endete Ende Juli mit zwei Tagen, an denen die Teilnehmer persönlich anwesend sein sollten, um Avocado-Farmen im Norden Israels zu besuchen.

Leider kam die Politik 20 Teilnehmern in die Quere, als sie für die letzten beiden Tage nach Israel reisen wollten, da die Palästinensische Autonomiebehörde aufgrund der Sicherheitsmassnahmen auf dem Tempelberg die Zusammenarbeit mit der israelischen Regierung eingestellt hatte.

„Sie hatten Einreisegenehmigungen und alles war vorbereitet“, so Shevel. „Wir hoffen, dass wir die finanziellen Mittel aufbringen können, damit sie später den Kurs abschliessen können. Für gewöhnlich gelingt es uns, die Politik zu überwinden.“

Die acht Agrarwissenschaftler und Agraringenieure, denen die Einreise gelang, kamen aus Hebron, Kalkilya, Tibas und Jenin und „wurden sehr freundlich von den israelischen Landwirten empfangen“, so Shevel.

Die Schulung ende allerdings nicht mit dem formalen Unterricht, so Shevel weiter. „Jetzt werden wir die Teilnehmer weiter begleiten und sie beim Pflanzen der Avocados unterstützen und mit ihnen zusammenarbeiten, insbesondere, wenn die Früchte erntereif und bereit für den Versand nach Europa sind.“

Teilnehmer am Kurs für palästinensische Avocado-Züchter. Foto Galilee International Management Institute

Bahnbrechendes Programm

Shevel freue sich ausserdem auf ein, wie er es nennt: „bahnbrechendes“ Programm, das zum Ziel hat, die Situation der Arbeitslosigkeit im Gazastreifen zu entspannen. Das Gebiet grenzt zwar direkt an Israel an, wird jedoch von der Hamas kontrolliert, weshalb nur wenige Menschen – in beiden Richtungen – die Grenze passieren können.

In dem Kurs, dessen Beginn auf Anfang Oktober, nach den hohen jüdischen Feiertagen, angesetzt ist, werden Computeringenieure aus Gaza online geschult, um sich für spätere Telearbeit-Jobs in Israel zu qualifizieren.

„In Zeiten der Globalisierung kann man Ingenieure aus der ganzen Welt einstellen, warum also nicht auch aus Gaza und somit deren Leben verbessern?“, so Shevel.  „Am Ende des Programms werden wir uns nach israelischen Unternehmen umsehen, die die Teilnehmer einstellen könnten. Wir haben bereits jetzt die Zusage einer grossen Firma und zwei Quellen stehen bereit, um das Programm zu finanzieren.“

Wir macht das GIMI den Kurs in Gaza bekannt? „In Gaza gibt es einen unserer Absolventen, der vor rund zehn Jahren hier an einer Schulung teilgenommen hat und in engem Kontakt zu uns steht. Er möchte dieses Programm für uns koordinieren“, erzählt Shevel.

Möglicherweise überraschend berichtet er, dass sein Bestreben, die Menschen in Gaza zu erreichen, auch von einem engen persönlichen Freund, dem ehemaligen Präsidenten der Al Aksa Universität in Gaza, unterstützt wurde.

Auf Englisch zuerst erschienen bei Israel21c.

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    So langsam kommen die Menschen in Gaza dahinter, dass man nur gut leben kann in einer Kooperation mit Israel.
    Hätten sie damals nicht vor Hass die ganzen Farmen und Gewächshäuser der Israelis in Gaza zerstört, könnten sie jetzt schon weiter sein und unabhängiger von ihrer Regierung, der es dank Korruption und westl. Spendengeldern trotzdem gut geht.