Foto Screenshot Arte.tv 03. August 2017 13:00 Uhr.
Foto Screenshot Arte.tv 03. August 2017 13:00 Uhr.

Verschiedene Organisationen, Vereine und Einzelpersonen – darunter auch der Zentralrat der Juden in Deutschland – haben sich mit einem Offenen Brief an die Geschäftsführung von Arte Deutschland gewandt.

Der gemeinsame Brief kritisiert die Veröffentlichung der Dokumentation „Gaza: Ist das ein Leben?” durch Arte, da diese stark durch Einseitigkeit geprägt sei und Israel die alleinige Schuld an der Situation in Gaza zuweise. Dies sei vor allem dadurch zu erkennen, dass die Dokumentation in weiten Strecken eine Kontextualisierung der Gesamtsituation in Gaza unterlasse. So werde beispielsweise die radikal-islamische Hamas als regierende Partei in Gaza nicht erwähnt und Israel im militärischen Konflikt in Gaza 2014 als Aggressor dargestellt, ohne den Raketenbeschuss aus Gaza auf israelisches Territorium zu erwähnen. Die Dokumentation weise „eklatante journalistische Mängel“ auf und verbreite ein stark verzerrtes und dämonisierendes Bild von Israel. Höchst fragwürdig sei zudem die Verbindungen der Autorin und ihres Teams zu dem Online-Portal „Electronic Intifada“. Bereits der Name suggeriere eine Unterstützung für die gezielte Tötung israelischer Zivilisten.

Die Unterzeichner fordern Arte auf, die Dokumentation „unter seriösen journalistischen Gesichtspunkten zu überarbeiten oder die Veröffentlichung zurückzuziehen“. Zudem insistieren sie auf eine Stellungnahme, wie es zu dieser „eklatanten Fehlleistung“ kommen konnte.

Dazu kommentierte die Vorsitzende des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e. V. (JFDA) Lala Süsskind:

„Gerade im Kontext der Diskussion um die Arte-Dokumentation ‚Ausgegrenzt und ausgewählt – Der Hass auf Juden in Europa‘ waren wir über die verzerrende Darstellung der Dokumentation ‚Gaza: ist das ein Leben?‘ erschrocken. Während im ersten Fall eine gesellschaftliche Diskussion entstand, die vermeintlichen Schwächen der Dokumentation in einer Talkshow diskutiert wurden und der WDR sich gezwungen sah den Film nur mit kritischen Einblendungen sowie einem ‘Faktencheck’ zu veröffentlichen, ist in diesem Fall keine einzige Verlautbarung wahrzunehmen. Es drängt sich zwangsläufig der Eindruck auf, dass beim Thema Antisemitismus und Israel mit zweierlei Mass gemessen wird.“ Abschliessend fordert Süsskind: „Die Dokumentation ‚Gaza: ist das ein Leben?‘ ist unter journalistischen Gesichtspunkten inakzeptabel. Wir fordern Arte daher auf, die Dokumentation grundlegend zu überarbeiten oder ihre Veröffentlichung zurückzuziehen.“

In einer Stellungnahme von Arte aus Strassburg vom 1. August 2017 heisst es:

„Den Eindruck, Israel werde in der Sendung für den Konflikt verantwortlich gemacht, kann ARTE dabei nicht nachvollziehen.“ Arte werde „auch in Zukunft unterschiedlichen Sichtweisen Raum geben.“

Der offene Brief mit den dazugehörigen Updates und Quellenangaben ist zu finden beim Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus.

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