Von diesem Schritt würden die palästinensische Wirtschaft, die israelisch-palästinensische Zusammenarbeit und die Geschäftsergebnisse der Arbeitgeber gleichermassen profitieren, sagt CEO des Computernetzwerk-Unternehmens Mellanox.

Von Micah Danney

Das israelische Unternehmen Mellanox Technologies Ltd., ein Hersteller von Highspeed-Computer-Vernetzungsprodukten, der palästinensische Software-Entwickler im Westjordanland und Gaza beschäftigt, fordert andere israelische und multinationale Softwarefirmen dazu auf, dasselbe zu tun – nicht nur, um ihre Geschäftsergebnisse zu verbessern, sondern auch, um die palästinensische Wirtschaft zu unterstützen.

„Es ist grosses Potential vorhanden, das bislang weder von unserer Seite noch von palästinensischer Seite genutzt wird, um deren High-Tech-Kompetenzen weiterzuentwickeln und uns mit billigeren Arbeitskräften, als wir sie hier in Israel finden, zu unterstützen, sodass wir unsere Ziele und Vorgaben erreichen“, sagte Eyal Waldman, CEO von Mellanox.

Zusätzliche Stühle mussten vergangene Woche in den grossen Raum im Tel Aviver Hauptsitz von Mellanox gebracht werden, als sich dort zahlreiche Vertreter führender israelischer Technologieunternehmen versammelten, um von Waldman zu erfahren, wie sie durch die Einstellung palästinensischer Softwareingenieure Geld einsparen und stärkere Partnerschaften mit ihren ausgelagerten Mitarbeitern eingehen könnten. Anstatt Entwickler in anderen Zeitzonen zu schulen, solle man auf das in der Region verfügbare Potential an Arbeitskräften zurückgreifen.

Derartige Partnerschaften würden neues Geld in die palästinensische Wirtschaft pumpen und die Grundlage für ein dortiges Startup-Ökosystem bilden, ergänzte er. Ausserdem könnten sich auf diese Weise, trotz des andauernden politischen Konflikts, Israelis und Palästinenser über gemeinsame Interessen näher kommen.

„Ich denke, es ist eine sehr effektive und effiziente Methode, um ein gutes Klima zwischen den Menschen zu schaffen und sie dazu zu bringen, einander zu verstehen und zusammenzuarbeiten“, erklärte er.

Mellanox lagert über das Unternehmen ASAL-Technologies – ein palästinensisches Technologieunternehmen, mit dem Mellanox vor sieben Jahren eine Partnerschaft eingegangen ist – 100 Softwareentwickler-Jobs aus. ASAL befand sich ursprünglich in Ramallah, hat jedoch jetzt seinen Sitz in Rawabi, einer neuen Stadt in einem von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrollierten Teil des Westjordanlands. Nach Auskunft von Sari Taha, dem Programm-Manager des Technologiezentrums der Stadt, hegt man in Rawabi die Hoffnung, das Zentrum einer aufstrebenden palästinensischen High-Tech-Industrie zu werden.

Anfänglich hatte ASAL Bedenken, einen öffentlichen Aufruf für über die Grüne Linie hinausreichende Partnerschaften zu starten und die Presse einzuladen, bemerkte Waldman. In der palästinensischen Gesellschaft herrscht grosser Widerstand gegen die „Normalisierung“ der Beziehungen zu Israel, stellte er fest. Viele Palästinenser sind der Ansicht, dass die Zusammenarbeit mit den Israelis sie zu Komplizen bei deren Militärbesatzung der palästinensischen Gebiete machen würde. Waldman sagte weiter: „Dies ist etwas, das wir überwinden müssen.“

ASAL-Geschäftsführer Murad Tahboub lobte die Anwesenden, sie seien „Führungskräfte, die einen Wandel herbeiführen wollen, die auf der Suche nach einer alternativen Perspektive sind und die bereit sind, dafür auch etwas zu tun.“

Jedes Jahr erwerben über 3.000 Palästinenser Abschlüsse in Informatik und Ingenieurwissenschaften. Nach Auskunft von Ibrahim Tannira, Vertriebs- und Marketing-Manager bei ASAL, erhalten jedoch nur 30 Prozent eine Anstellung in der Branche. Somit finden viele Personen keinen Job, die über genau die Fähigkeiten verfügen, die von den israelischen Technologieunternehmen händeringend im eigenen Land gesucht werden. Taha stellte weiterhin fest, dass 400.000 Palästinenser – das ist ein Viertel der förderfähigen Bevölkerung – arbeitslos sind. „In Palästina ist die Arbeitslosigkeit ein Problem der Gebildeten“, erklärte er, „denn jeder besucht die Universität.“

Waldman stellte fest, dass die für die Unternehmen niedrigen Gehälter deutlich höher sind, als die Durchschnittsgehälter der Palästinenser auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Er prognostizierte, dass Partnerschaften mit israelischen Unternehmen die gleiche Wirkung für die aufstrebende palästinensische Wirtschaft haben würden, wie es seinerzeit die Partnerschaft mit US-Unternehmen für die Wirtschaft Israels hatte.

Tannira stellte fest, die palästinensische Technologieszene habe eine Menge unverbrauchter Köpfe, aber nur wenige Anführer. Viele Startup-Unternehmen werden von Geschäftsleuten gegründet, die wissen, wo das Problem liegt und dann eine technische Lösung implementieren, sagte er. Der Unternehmer ist in der Regel „kein Techniker, der etwas in Ordnung bringen will.“

Einer der teilnehmenden Zuhörer wollte wissen, ob es Probleme wegen der BDS-Kampagne oder der Anti-Normalisierungs-Bewegung gebe. Taha versicherte jedoch, dies sei nicht der Fall. „Bislang ist die BDS noch an kein einziges palästinensisches IT-Unternehmen herangetreten, weil es mit israelischen Partnern zusammenarbeitet. Ich glaube auch nicht, dass sie das je tun werden, denn sie wissen, dass sie damit mehr Schaden als Gutes bewirken würden“, sagte er.

Tahboub war der gleichen Meinung. Er erklärte: „Es geht darum, etwas Gutes für die palästinensische Wirtschaft und die palästinensischen/israelischen Hightech-Sektoren gleichermassen zu tun.“

Zuerst erschienen auf Englisch bei Times of Israel.

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  • Mark Nu

    Was denn?
    “ … palästinensisches Potenzial erschließen“?

    Dachte immer, das täten Fatah und Hamas schon …

    (im Ernst – von palästinensischen Universitäten habe ich bisher
    nur wenig Gutes gelesen!)