Als Nechama Loebel vor genau einem Jahr die erste gehörlose Rettungssanitäterin Israels wurde, wollte sie ihren Erfolg mit anderen aus der Gehörlosen-Gemeinschaft teilen. Bereits während ihrer Ersthelfer-Ausbildung bei der Rettungsorganisation United Hatzalah hatte Nechama darüber nachgedacht, wie man in Israel das Bewusstsein schaffen und Gehörlose in Erster Hilfe unterrichten könnte.

 

von Anav Silverman/TPS

Vor Kurzem war Loebel nun in der Lage, sich diesen Traum zu erfüllen, indem sie für Mitglieder der Gehörlosen-Gemeinschaft in Ashdod den ersten Erste-Hilfe-Kurs Israels in Gebärdensprache abhielt.

„Die Gehörlosen-Gemeinschaft braucht in der Ersthelferausbildung einen Ausbilder, der sie und die Welt, in der sie leben, versteht. Als ich letztes Jahr meine Ausbildung zur Rettungsassistentin abgeschlossen hatte, kamen bereits gehörlose Menschen auf mich zu und fragten mich, ob ich ihnen beibringen könnte, wie man Menschenleben rettet“, erklärte Loebel gegenüber der Nachrichtenagentur Tazpit (TPS).

Loebel, die erst kürzlich Zusatzausbildungen in Psychotraumatologie und Krisenbewältigung sowie einen Ausbilderlehrgang für medizinische Notfallversorgung absolviert hat, ist berechtigt zur Durchführung von Kursen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung und Notfallversorgung.

Der Erste-Hilfe-Kurs fand im Vereinshaus der Gehörlosen und Schwerhörigen in Ashdod statt, wo Loebel die von Yechiel Cohen, dem Leiter der United Hatzalah-Ortsgruppe, vermittelten Informationen in Gebärdenspräche übersetzte. United Hatzalah bietet Kurse zur Familiensicherheit an, die aus grundlegenden Notfallversorgungsmassnahmen einschliesslich Herz-Lungen-Wiederbelebung sowie den geeigneten Massnahmen zur Behandlung und Versorgung häufiger Verletzungen – wie z. B. Verbrennungen, Erstickungen, kleinere Wunden und Knochenbrüche – bestehen.

„Die Teilnehmer waren begeistert, etwas über Erste Hilfe zu lernen, besonders von jemandem, der ihren Hintergrund kennt – sowohl was ihre Mentalität als auch ihre Kultur betrifft“, berichtete Loebel. „Die Gehörlosen-Gemeinschaft ist eine Welt für sich.“

Nechama Loebel beim Erste-Hilfe-Kurs im Vereinshaus der Gehörlosen und Schwerhörigen in Ashdod. Foto zVg United Hatzalah
Nechama Loebel beim Erste-Hilfe-Kurs im Vereinshaus der Gehörlosen und Schwerhörigen in Ashdod. Foto zVg United Hatzalah

„Rettungssanitäterin zu sein ist ein ganz besonderes Privileg für mich“, erklärte die in Jerusalem aufgewachsene 31-jährige Loebel, die heute in Zentral-Israel lebt. „Es gibt keine grössere Befriedigung, als zu wissen, dass jemand lebt, weil du eine Herz-Lungen-Wiederbelebung bei ihm durchgeführt hast. Als Freiwillige bei United Hatzalah zu arbeiten zählt zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben“, sagte sie.

Bei ihrer Freiwilligentätigkeit für United Hatzalah, der nationalen israelischen Freiwilligen-Notfallorganisation, erhält Loebel in medizinischen Notfällen in ihrer Region per Vibrationsalarm Benachrichtigungen auf ihr Telefon.

„Nechema ist eine echte Bereicherung für unsere Organisation“, so Eli Beer, der Vorsitzende und Gründer von United Hatzalah. „Sie ist nicht nur eine aktive Freiwillige, die bereits viele Leben gerettet und anderen Freiwilligen bei der Kommunikation mit gehörlosen oder schwerhörigen Patienten geholfen hat, sondern auch eine Inspiration für uns alle, denn sie fordert uns dazu auf, unseren Horizont zu erweitern und Menschen aller Gesellschaftsschichten und aller Bevölkerungsgruppen in Israel miteinzubeziehen.“

„Der Plan ist, Erste Hilfe in Gebärdensprache in allen Städten Israels zu unterrichten“, so Loebel. „Ashdod ist erst der Anfang.“

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