Heldengedenktag. Foto David Michael Cohen/TPS
Heldengedenktag. Foto David Michael Cohen/TPS
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Seit Beginn der Zählung um 1860 wurden 23.544 Kämpfer und Soldaten in Israel getötet. Allein im vergangenen Jahr, seit dem letzten Gedenktag für die gefallenen Soldaten, haben weitere 97 ihr Leben verloren, darunter 60 Soldaten und 37 verwundete Veteranen, die ihren Verletzungen erlagen.

Mitgezählt werden Soldaten, Geheimdienstleute, Polizisten, Beamte des Strafvollzugs und Mitglieder der Jüdischen Brigade des Weltkriegs. Zudem sind seit der Gründung des Staates 3.117 Zivilisten bei Terrorakten ermordet worden. Seit dem letzten Yom Hazikaron (Gedenktag) wurden 11 Zivilisten bei Anschlägen getötet. Das jüngste Opfer ist die britische Austauschstudentin Hannah Bladon gewesen. Sie wurde in der Jerusalemer Strassenbahn an Karfreitag erstochen. Es gibt derzeit 9.157 trauernde Eltern, 4.881 Witwen gefallener Sicherheitsleute, 1.843 Waisen und Tausende Geschwister von Gefallenen.

Bevölkerungszahlen

Vor dem israelischen Unabhängigkeitstag veröffentlicht das Zentralbüro für Statistik (CBS) neueste Daten zur Entwicklung der israelischen Bevölkerung. Sie wird in seinem 69. Jahr des Bestehens auf 8,68 Millionen geschätzt, fast elfmal so viel wie die 806.000 bei seiner Gründung im Jahr 1948. Insgesamt sind 6,48 Millionen Menschen, etwa 75% der israelischen Bevölkerung, jüdisch. Araber machen 21% der Bevölkerung aus (1,8 Mio. Menschen), und die restlichen 4,5 Prozent sind Drusen oder gehören einer anderen Ethnie an. Die jüdische Bevölkerung in Israel stellt 43% der weltweiten jüdischen Bevölkerung dar, die auf 14,4 Millionen geschätzt wird. Im Gegensatz dazu lebten insgesamt 6% des Weltjudentums in Israel im Jahr 1948, als weltweit 11,5 Millionen Juden gezählt wurden. Die Gesamtbevölkerung des Landes wuchs seit einem Jahr um 159.000, was einer Steigerung von 1,9% entspricht. Während dieser Zeit wurden etwa 174.000 Babys geboren, 44.000 Menschen starben und 30.000 neue Einwanderer kamen in Israel an. Das CBS schätzt, dass die israelische Bevölkerung bis 2048 auf rund 15,2 Millionen Menschen steigen wird. Insgesamt wurden etwa 75% aller israelischen Juden im Land geboren. Als der Staat Israel 1948 gegründet wurde, waren nur 35% der Juden im Land geboren.

Die grösste Stadt in Israel ist Jerusalem mit rund 865.000 Einwohnern. Die kleinste Ortschaft ist Neve Zohar im Süden mit nur 71 Personen.

Statistik zur Religiosität

Während in Deutschland weder nach dem „Migrationshintergrund“ noch nach der Religionszugehörigkeit gefragt werden darf, hinterlassen zahlreiche, besonders von dpa verbreitete Fotos aus Israel den Eindruck, als seien ultraorthodoxe Juden omnipräsent, gleichgültig ob es um Siedlungen oder Bademode am Strand von Tel Aviv geht. Der Eindruck entsteht, als seien die israelischen Juden sehr fromm und wie die „Ostjuden“ aus Polen im 19. Jahrhundert gekleidet. Das Statistische Amt hat ermittelt, dass 44% Prozent der jüdischen Israelis nicht religiös seien. 24% bezeichnen sich als Traditionalisten, sind äusserlich bestenfalls an einer kleinen Kipa auf dem Hinterkopf zu erkennen, 12% betrachten sich als religiös-nationalistisch. Nur 11% gelten als religiös und lediglich 9% als ultra-orthodox (Haredi). Nur diese letzten 9% tragen die traditionelle schwarze Kleidung. Wenn man von diesen 9% auch noch die überwiegende Mehrzahl Kinder und Frauen abzieht, bleibt nur noch ein winziger Prozentsatz übrig. Und da diese Orthodoxen überwiegend in geschlossenen, separaten Vierteln leben, wie Bnei Brak, Mea Schearim in Jerusalem oder Beth Schemesch, wirkt es so, als hätten sie sich die Nachrichtenagenturen einen bezahlten Orthodoxen angeheuert, damit der bei fast jeder Szene wie zufällig durch das Bild huscht.

Heldengedenktag. Foto David Michael Cohen/TPS
Heldengedenktag. Foto David Michael Cohen/TPS

Unter der nichtjüdischen Bevölkerung sind 21% nicht religiös, 23% sind „nicht so religiös“, 52% betrachten sich als fromm und nur 4% als sehr religiös.

Bildung

Während es bei der Gründung des Staates nur zwei Hochschulen gab, das Technion in Haifa und die Hebräische Universität von Jerusalem, gibt es heute 63 Institutionen im ganzen Land, darunter neun Universitäten und 33 Hochschulen.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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4 KOMMENTARE

  1. Den Begriff Heldengedenktag gibt es in Deutschland nicht mehr und ich nehme an, dass er in Israel auch nicht so genannt wird. Ich muss das so sagen, weil ich der hebräischen Sprache leider nicht mächtig bin. Soldaten sind keine Helden und deshalb heißt dieser Tag – der ehemals Heldengedenktag hieß – heute „Volkstrauertag“. Aber es gibt in unserem Land noch Soldatenvereinigungen, die können es nicht lassen, und feiern ihn immer noch als „Heldengedenktag“.

    • Hier möchte ich dagegen reden!

      Wikipedia weiss vieles, zum Thema „Held“ sogar anscheinend alles und hat sich
      unter dem Suchwort „Held“ zu folgender Definition hinreissen lassen:

      „Ein Held (althochdeutsch helido) ist eine Person, die eine Heldentat, also eine besondere, außeralltägliche Leistung begeht. Dabei kann es sich um reale oder fiktive Personen handeln, um Gestalten der Geschichte, aber auch aus Legenden oder Sagen. Seine heroischen Fähigkeiten können von körperlicher Art (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer usw.) oder auch geistiger Natur sein (Mut, Aufopferungsbereitschaft, Kampf für Ideale, Tugendhaftigkeit oder EINSATZBEREITSCHAFT FÜR MITMENSCHEN).“

      Hier hatte ich mir erlaubt, die letzten Worte hervorzuheben.
      Wenn jemand bereit ist, sich in einem Kriegsgebiet als besonderes Ziel anzubieten um
      seine Mitmenschen zu schützen und anderen ein relativ normales Leben zu ermöglichen
      – und das für wenig Geld genug –
      dann sollte ein solches Verhalten, das bis zur Bereitschaft geht für andere sein
      Leben zu lassen –
      der Gesellschaft schon durchaus ein ehrendes Ansehen dieser Tätigkeit abnötigen.

      Merke:
      Ob die IDF-Soldaten Helden sind oder nicht, ist eine Frage der inneren Einstellung,
      der Intentionen.
      Die israelische Gesellschaft schuldet diesen jungen Helden ihren besonderen Dank.
      Überlegen Sie bitte einmal, wie sich das Leben in Israel OHNE IDF-SOLDATEN
      gestalten würde.
      Sie sollten die Semantik nicht soweit treiben, dass Sie den sinnvollen Einsatz der
      IDF-Soldaten auf die Stufe einer gewöhnlichen Tätigkeit herabwürdigen.

      Dass deutsche Soldaten für den Schutz im Inneren (noch?) nicht benötigt und
      stattdessen zur Bewachung von Opiumfeldern nach Afghanistan verschickt werden,
      sollte den Ruhm der IDF-Soldaten nicht schmälern, ohne die ein normales Leben in
      Israel – ja, ein Staat Israel selbst! – nicht denkbar wäre.

      • Auf keinen Fall habe ich meinen Kommentar als Kritik an die IDF verfasst, denn ich weiß aus eigener Errfahrung, dass die Bevölkerung Israels – ob Araber oder Juden – diesen stolzen Menschen viel zu verdanken hat. Aus diesem Grunde hat die israelische Bevölkerung auch ein nicht so gespaltenes Verhältnis zu ihren Soldaten wie wir in Deutschland. Wenn bei uns in Deutschland allerdings Menschen vor Gräbern von Soldaten stehen, die einem Befehl zum Angriffskrieg und nicht Verteidigungskrieg erhalten haben und dies feiern, ist das für mich absurd. Vor allen Dingen auch deshalb absurd, wenn auf der Koppel „Gott mit uns“ gestanden hat. Heute folgen unsere Soldaten einem Bündnis entweder der NATO oder als Blauhelmsoldaten. Auch das kann ich nicht verurteilen. Leider sind die Zeiten heutzutage verwirrter denn je und man sollte sich doch oft fragen, ob es in vielen Fällen nicht besser wäre, nicht einzugreifen als sich einzumischen. Denn wir Europäer und auch die USA, erst recht auch der Russe meinen oft Friedensstifter spielen zu wollen und machen es aber stattdessen genau verkehrt. Wir toben uns auf Kosten anderer Länder mit Waffen auf deren Gebiete aus.

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