Die israelischen Soldatinnen scheinen kontinuierlich Schranken zu durchbrechen. Im Januar zeigten neue Zahlen, dass die Anzahl der Frauen, die im Heimatfront-Kommando der IDF in Kampffunktionen dienen, in diesem Jahr auf 38 Prozent gestiegen ist. Im letzten Monat starteten die IDF ein Pilotprojekt, bei dem erstmals Frauen als Panzerführer ausgebildet werden.

von Shiryn Ghermezian/JNS

Tatsächlich ist der jüdische Staat stolz darauf, eine Oase der Gleichberechtigung in einer Nahostregion zu sein, in der Frauen weitgehend keine Rechte haben, und diese Haltung zieht sich bis ins israelische Militär. Gleichzeitig hat jedoch für eine Nation, die sich sowohl intern als auch an ihren Grenzen, allgegenwärtigen Sicherheitsbedrohungen gegenübersieht, die Gleichstellung der Geschlechter auch ein Limit.

„Die Mission der Armee ist es, zu beschützen und zu siegen. Wir müssen verstehen, dass die Mission der Armee nicht Chancengleichheit ist“, sagte Brigadegeneral (Res.) Gila Klifi-Amir, die auf eine 30-jährige Berufslaufbahn bei den IDF zurückschauen kann und für den Generalstabschef des Militärs als Beraterin in Frauenfragen fungierte, am 3. April in New York.

Klifi-Amir moderierte eine Gesprächsrunde mit drei israelischen Soldatinnen – Feldwebel Noam, Oberfeldwebel Maya und Oberfeldwebel „Y“, deren vollständige Namen aus Sicherheitsgründen nicht genannt wurden – in einem Programm, das ausgerichtet wurde von der Young Leadership Division der Friends of the Israel Defense Forces (einer gemeinnützigen Organisation mit dem Ziel „für die Ausbildung und das Wohlergehen von IDF-Soldaten zu sorgen“).

Die Soldatinnen der Abordnung berichteten übereinstimmend, dass sie beim Militär nie diskriminiert worden seien, weil sie Frauen sind und dass ihre männlichen Kollegen sie mit Respekt behandeln. Oberfeldwebel Y beschrieb die Zusammenarbeit als „sehr, sehr professionell“, und Oberfeldwebel Maya – die eine Krankenstation im Hauptquartier ihres Bataillons befehligt – erklärte, „Wir werden gemeinsam mit den Männern ausgebildet, wir machen dieselben Sachen wie sie. Innerhalb der Einheit gilt für alle das Gleiche.“

Israel ist das einzige Land der Welt, in dem es eine Wehrpflicht für Frauen gibt. Im Alter von 18-26 Jahren müssen alle Frauen – bis auf wenige Ausnahmen, wie etwa im Falle einer Schwangerschaft – zwei Jahre im Militär dienen. Nach Auskunft von Klifi-Amir stehen heute 95 % aller Positionen in den IDF auch Frauen zur Verfügung.

Trotzdem gibt es so etwas wie „Chancengleichheit“ im reinsten Sinne des Wortes nicht, so die Soldatinnen. Klifi-Amir vertrat gegenüber den Zuhörern die Auffassung, dass nicht alle militärischen Posten auch für Frauen zur Verfügung stehen sollten. Dies solle vom jeweiligen Einsatzbereich abhängen. Das für bestimmte militärische Funktionen erforderliche physische Training sei möglicherweise zu anstrengend für den Körper einer Frau, und die IDF seien schliesslich für das Leben jedes einzelnen Soldaten verantwortlich, erklärte sie.

„Wo es passt und wenn es von Nutzen ist, dann sollte es gemacht werden. Wenn nicht, dann nicht“, sagte Oberfeldwebel Y in Bezug auf gleiche militärische Funktionen für Männer und Frauen.

Die Soldatin sagte, ihre Sichtweise des militärischen Lebens hänge mitunter ab von ihren eigenen Erwartungen hinsichtlich der potentiellen Wahrnehmung durch die männlichen Soldaten.

„Ich muss lernen, meine Ausrüstung selbst zu tragen, selbst wenn sie sehr schwer ist. Wenn mir jemand seine Hilfe anbietet, dann weiss ich, wie ich Nein sage“, erklärte Oberfeldwebel Y. „Ich will nicht, dass [männliche Soldaten] denken, es gebe einen Bereich, in dem ich mich von ihnen unterscheide. Es gibt keinen Grund, dass ein Soldat mir helfen sollte, und ich würde es nicht zulassen, wenn er es anböte. Ich wäre sogar ein wenig beleidigt, wenn er es täte.“

Das Geschlecht ist jedoch nicht das einzige Thema, mit dem diese Soldatinnen zu kämpfen haben. Die 19-jährige Noam, die den Rang eines Feldwebels bekleidet, wurde in Vietnam geboren und als Kind von der Witwe eines IDF-Soldaten adoptiert. Sie sprach über die Herausforderung, medizinisches Personal in Reserveeinheiten zu schulen und die Teilnehmer dazu zu bringen, sie trotz ihrer Jugend zu respektieren.

„Die meisten Schulungsteilnehmer sind um die 35-40 Jahre alt, und ich bin so jung“, sagte sie. „Wie kann ich einem Arzt, der so viel Erfahrung hat, sagen, was er tun soll? Das ist eine echte Herausforderung. Wie kann ich ihm noch einmal alles von vorne beibringen? Denn das medizinische Wissen, das im zivilen Leben [erlernt] wird, ist nicht dasselbe, wie das in der Armee. Und einige Operationen, die in der zivilen Welt geleistet werden, sind ungleich viel härter [in der Armee durchzuführen].”

Ihr vietnamesischer Hintergrund hat in Israel viel unerwünschte Aufmerksamkeit auf sie gezogen. Aufgrund der relativ geringen Zahl der in Asien geborenen Bevölkerung Israels, so berichtete sie, würden viele Menschen sie wegen ihrer Familie und ihrer äusseren Erscheinung ausfragen und sich darüber wundern, dass sie so gut Hebräisch spreche.

„Meine Lieblingsfrage ist: ‚Was sind Sie?‘ Dann antworte ich manchmal einfach, ich bin eine Ausserirdische. Sie sollten mich zu Ihrem Anführer bringen“, sagte Noam.

Von links nach rechts, Oberfeldwebel Maya, Feldwebel Noam und Brigadegeneral (Res.) Gila Klifi-Amir am 3. April in New York City. Foto Shiryn Ghermezian.
Von links nach rechts, Oberfeldwebel Maya, Feldwebel Noam und Brigadegeneral (Res.) Gila Klifi-Amir am 3. April in New York City. Foto Shiryn Ghermezian.

Oberfeldwebel Y, 23 Jahre, ist die erste Soldatin, die zuständig ist für medizinisches Protokoll und Unterweisung in der Flottille 13 der israelischen Marine, einer mit den U.S. Navy SEALs vergleichbaren Spezialeinheit. Als Rettungsassistentin hat sie auch schon verletzte Terroristen verarztet.

„In meinem Inneren ist das überhaupt nicht einfach“, sagte sie über diese Erfahrung. „Es ist sehr, sehr hart … Aber es ist ein Teil meiner Arbeit.“

Klifi-Amir fügte hinzu, „Wenn wir unsere Werte verlieren, werden wir wie alle anderen Armeen auf der arabischen und muslimischen Seite. So werden wir jedoch nicht sein.“

Auf Englisch zuerst erschienen bei JNS.org.

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