Im Juli 2006 wurden vom Libanon aus Granaten und Raketen auf israelische Städte und Infrastruktur abgefeuert. Gleichzeitig überquerten libanesische Kämpfer die Grenze und griffen israelische Soldaten an. Dabei töteten sie drei Soldaten und verschleppten die Leichen zweier weiterer in die libanesische Stadt Ayta a-Shab. Bei der Verfolgung der Angreifer auf libanesisches Gebiet wurden weitere Israelis getötet. Trotzdem gab es keine Vergeltung von Seiten Israels gegen den Libanon.

von Naftali Bennett

Auf Bitten der USA differenzierte Israel zwischen dem souveränen Libanon und der Hisbollah. Das Ergebnis war, dass ich – und Tausende weitere israelische Soldaten – versuchen musste, eine iranische paramilitärische Organisation nur mit Pinzetten aufzuhalten. Nach Wochen hinter den feindlichen Linien kann ich ihnen sagen: es ist unmöglich so zu kämpfen.

Die jüngsten Kommentare des libanesischen Präsidenten Michel Aoun im ägyptischen Fernsehen zeigen deutlich, dass er keinen Unterschied zwischen der Hisbollah und der libanesischen Regierung sieht. Die Waffen der Hisbollah „sind insofern unverzichtbar, als sie die Aktionen der Armee ergänzen und ihnen nicht zuwiderlaufen“, sagte er und merkte an: „Sie stellen einen grossen Teil der libanesischen Verteidigung dar.“

Nun, da der Libanon klargestellt hat, dass er die Hisbollah ist und die Hisbollah der Libanon, ist für Israel und die Welt der Zeitpunkt gekommen, die libanesische Öffentlichkeit wissen zu lassen: Wenn eine Rakete oder eine Granate vom Libanon aus auf Israel abgefeuert wird, wird dies als kriegerischer Akt von Seiten der libanesischen Regierung gewertet werden. Erlaubt und ermöglicht der Libanon Terroristen, von seinem Hoheitsgebiet aus Angriffe durchzuführen, wird Israel ihn dafür zur Verantwortung ziehen.

Anders als beim letzten Mal werden wir bei der Verteidigung gegen einen Angriff aus dem Libanon nicht mit der Pinzette vorgehen, um die Nadel im Heuhaufen zu suchen. Wir werden den Heuhaufen neutralisieren.

Im Jahrzehnt seit 2006 hat der Iran die Hisbollah als seinen bestens geschulten und ausgerüsteten Stellvertreter gestärkt. Deren Arsenal umfasst nun mehr als einhunderttausend Raketen, und viele ihrer Mitglieder haben als Kämpfer für den syrischen Machthaber Bashar al-Assad im Bürgerkrieg Kampferfahrungen gesammelt. Darüber hinaus hat sich die Hisbollah, auch als sie Hunderte Kämpfer verlor, während sie Assad beim Abschlachten anderer Syrer half, auf einen möglichen Krieg mit Israel vorbereitet, indem sie sich mit fortschrittlichen Waffen eingedeckt und ihre Positionen und Kommandozentralen im ganzen Libanon verstärkt hat.

Die Hisbollah ist jedoch nicht nur eine vom Iran geschulte und im Libanon stationierte Armee. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der libanesischen Regierung und verfügt über zwölf Sitze im Parlament sowie zwei Minister im Kabinett. Genaugenommen hat Aoun klargemacht, dass er die Gruppe nicht länger als Alternative, sondern als Teil seiner Regierung und Strategie betrachtet: „Ich halte es nicht länger für dringlich, die Notwendigkeit zu diskutieren, der Hisbollah ihre Waffen abzunehmen“, sagte er in Kairo und deutete damit an, dass die Hisbollah Teil der strategischen Planung seiner Armee ist.

„WIR HABEN NICHT DEN WUNSCH, IN DEN KRIEG ZU ZIEHEN“

Dies führt zu einem einfachen Schluss: Wenn die Hisbollah Israel angreift, ist das gleichbedeutend mit einer libanesischen Kriegserklärung an Israel.

Naftali Bennett, Major der IDF (Reserve) ist israelischer Bildungsminister und Mitglied des Sicherheitskabinetts. Foto The Israel Project - HUJI Election Debate, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons.
Naftali Bennett, Major der IDF (Reserve) ist israelischer Bildungsminister und Mitglied des Sicherheitskabinetts. Foto The Israel Project – HUJI Election Debate, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons.

Zwingt man uns zu kämpfen – und um das klar zu machen, wir haben nicht den Wunsch, in den Krieg zu ziehen – werden wir alle staatlichen Einrichtungen des Libanon als mögliche Ziele betrachten: jeden Ort, der als Abschussbasis für Raketen auf Israel dient, als Militärstützpunkt, jedes Dorf, wo Munition gelagert wird oder sich eine Kommandozentrale befindet, als Militärbasis; jedes Gebäude und jede Infrastruktur, die bei einem Angriff auf Israel eine Rolle spielen, würden für uns zu einem zulässigen militärischen Angriffsziel.

Die Folgen für das libanesische Volk wären tragisch.

Allein das libanesische Volk kann dafür sorgen, dass dieses Szenario niemals Wirklichkeit wird.

Hunderte libanesische Familien können ihre Häuser retten, wenn sie die Raketenabschussanlagen aus ihren Hinterhöfen entfernen. Schulleiter können ihre Schüler schützen, indem sie die Hisbollah daran hindern, ihre Schule als Kommandozentrale zu missbrauchen. So lange die Hisbollah ein willkommener Gast ist, sind die Gastgeber für deren Taten verantwortlich.

Die Macht der Hisbollah rührt aus ihrer Einbettung im Libanon und daher, dass der Libanon nicht für Terrorakte der Hisbollah verantwortlich gemacht wird. Aoun hat klargemacht, dass diese Unterscheidung künstlich und ohne Bedeutung war. Deshalb muss Israel die Welt, und insbesondere das libanesische Volk, wissen lassen, dass die Hisbollah und der Libanon eins sind.

Naftali Bennett, Major der IDF (Reserve) ist israelischer Bildungsminister und Mitglied des Sicherheitskabinetts. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Times of Israel..

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