Baumpflanzungen in Gilboa, ca 1960. Foto משה שוויקי -via PikiWiki - Israel , Gemeinfrei, Wikimedia Commons.
Baumpflanzungen in Gilboa, ca 1960. Foto משה שוויקי -via PikiWiki - Israel , Gemeinfrei, Wikimedia Commons.

In Israel hat der Frühling begonnen, der erste seit den verheerenden Waldbränden von November. Nun wird die Wiederaufforstung vorbereitet, während gleichzeitig neue Brände, die bei wärmerem Wetter wieder drohen, verhütet werden müssen. Beides ist massgeblich Aufgabe des vor über hundert Jahren gegründeten Jüdischen Nationalfonds (JNF-KKL).

„Jetzt nach dem Winter sehen wir, ob und wo sich Wälder natürlich regenerieren können und wo die Wälder unsere Unterstützung brauchen“, sagt Sarah Singer, die Präsidentin des JNF Deutschland, im Gespräch mit Mena Watch. Unmittelbar nach den Bränden sei es zunächst darum gegangen, grosse Teile der Ausrüstungen der an der Brandbekämpfung beteiligten Kräfte zu erneuern. „Wasserschläuche oder auch Schutzanzüge der Feuerwehrleute waren sehr zerschlissen. Da der Winter in Israel kurz ist, hatten wir hierfür nicht viel Zeit. Jetzt im März sind unsere Leute schon wieder auf den Beobachtungstürmen, um Feuer frühzeitig zu sichten, und müssen einsatzbereit sein.“

Während der Brände waren 300 JNF-KKL-Sepzialisten für Waldbrandbekämpfung im Einsatz, dazu viele weitere Kollegen, die ebenso aktiv an den Löscharbeiten beteiligt waren. „Der Schwerpunkt des Einsatzes war im Zentrum Israels“, so Singer. „Im Süden waren nur wenige Hektar Wald von Bränden betroffen. Daher sind auch KKL-Mitarbeiter aus dem Süden Israels zur Unterstützung ins Zentrum gekommen. Sie alle haben eine grosse Leistung gebracht. Der Einsatz verlief in enger Abstimmung mit den staatlichen Stellen.“ Da es diesmal es grossflächige Feuer gab, war die Herausforderung noch grösser als beim letzten grossen Waldbrand, dem im Karmelgebirge 2010. Von den insgesamt 4.000 Hektar verbrannter Waldfläche seien 1.560 Hektar Wald des JNF-KKL gewesen, sagt Singer. „Israel hat leider nur sehr wenige Waldflächen: Insgesamt sind es rund 100.000 Hektar bepflanzter Wald und etwa 50.000 Hektar natürliches Buschland. Das entspricht etwa 7,5 Prozent der Landesfläche, sodass jeder Brand ein schwerer Schlag für die grünen Lungen Israels ist.“

Neben diesem Katastrophenschutz verfolgt der JNF auch viele langfristige Projekte zum Schutz der Umwelt und zur Hebung der Lebensqualität. „Es gibt immer etwas zu tun. Israel ist ein Wüstenland, das zu grossen Teilen aus ariden oder semi-ariden Flächen besteht. Wir arbeiten ständig gegen das Fortschreiten der Wüstenbildung und die Bodenerosion an und sind in diesen Bereichen weltweit anerkannte Experten“, sagt Singer. Auch der Schutz des Wassers sei wichtig. Und nicht zuletzt sei es eine andauernde Aufgabe, den Menschen gute Lebensbedingungen zu schaffen. „Wer sich mit Kindern in einem Dorf in der Negev- oder Arava-Wüste niederlässt, für den ist ein Park mit Bäumen und Spielplatz sehr wichtig, um Zeit draussen, im Schatten verbringen zu können. Wir setzen auch solche Projekte um.“

Der Jüdische Nationalfonds wurde am 29. Dezember 1901 in Basel gegründet. Heute ist er Israels grösste, politisch unabhängige Organisation für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen; seine Farben blau, grün und braun stehen für die Sicherung der Wasserressourcen, die Begrünung des Landes und den ökologischen Umgang mit dem Boden. 1922 verlegte der Fonds seinen Hauptsitz nach Jerusalem und heisst seitdem auf Hebräisch „Keren Kayemeth LeIsrael“ (Ewiger Fonds für Israel).

Gleichzeitig ist er an vielen Orten der Welt präsent. „Der Jüdische Nationalfonds hat fast 50 Vertretungen weltweit und ein starkes Netzwerk an Unterstützern“, so Singer. Sie alle setzten sich dafür ein, dass der KKL Umweltschutzprojekte für die Menschen in Israel umsetzen könne. „Seit Gründung des JNF-KKL 1901 konnten mehr als 250 Millionen Bäume gepflanzt werden, dazu wurden 200 Wasserreservoire gebaut, Parks und Grünanlagen angelegt, Kinder- und Jugendliche zu Umweltschutzthemen geschult werden und vieles mehr.“

So wurde Israel zum wohl einzigen Land der Welt, das am Ende des 20. Jahrhunderts mehr Waldfläche hatte als zu Beginn. Die Sitte, Bäume für Israel zu spenden, reicht übrigens bis zum Beginn der Tätigkeit des JNF zurück. Als die Gründer des Jüdischen Nationalfonds Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Bodenkäufe für die jüdische Bevölkerung in Palästina getätigt hatten, erfuhren sie, dass es nach osmanischem Recht nicht ausreicht, einen Titel ins Grundbuch eintragen zu lassen. Um Besitzer zu werden, musste der Boden „gezeichnet“ werden, etwa durch das Pflanzen von Bäumen. Heute gibt es in Israel etwa einen Wien- und einen Österreich-Wald sowie zahlreiche Wälder, die nach den Personen benannt sind, die die Pflanzung mit ihrer Spende ermöglicht haben.

Persönliche und emotionale Verbindung

Hat diese Gepflogenheit eher eine praktische oder eine symbolische Bedeutung? „Sowohl als auch“, sagt Singer. „Für die Menschen, die Bäume spenden, schafft es eine persönliche und emotionale Verbindung. Sie erhalten eine Urkunde und haben daher sogar eine Erinnerung zu Hause. Über Waldprojekte wie den „Wald der deutschen Länder“ gibt es in Israel eine Verbindung nach Deutschland. Und gleichzeitig werden ja auch real Bäume gepflanzt. Es ist also alles zusammen. Wir freuen uns, dass wir in Deutschland viele, uns eng verbundene Spender haben. Das sind sowohl jüdische als auch christliche Mitbürger, denen Israel am Herzen liegt und die etwas für die Menschen und die Natur im Land machen wollen.“

JNF-Bäume in der Negev-Wüste. Künstliche Dünen halten das Regenwasser in Form eines Limans und erschaffen eine Oase. Foto David Shankbone, CC BY 3.0. Wikimedia Commons.
JNF-Bäume in der Negev-Wüste. Künstliche Dünen halten das Regenwasser in Form eines Limans und erschaffen eine Oase. Foto David Shankbone, CC BY 3.0. Wikimedia Commons.

Viele der Tätigkeiten des JNF-KKL sind in anderen Ländern Sache des Staates. Wie funktioniert die Zusammenarbeit des unabhängigen Fonds mit den Behörden? „Es gibt heute eine Verabredung zwischen dem Staat Israel und KKL, dass Projekte zusammen umgesetzt werden“, erläutert Singer. „Ziel ist es, dass die Menschen etwas davon haben. Dabei handelt es sich etwa um Sozialprojekte, Bildungs- und Erziehungsprojekte oder auch z. B. Aktivitäten zu Tubishwat, dem Neujahrsfest der Bäume, das wir gerade gefeiert haben. Es sind immer Projekte im israelischen Kernland.“

Was unterscheidet den JNF-KKL von Umweltschutzorganisationen, wie wir sie aus Europa kennen? „Es ist die Verbindung zu Israel, der zionistische Hintergrund, der uns besonders macht. Die Idee unserer Gründerväter Spenden zu sammeln, um Land in Israel zu erwerben und für die Menschen neue Lebensräume zu schaffen: Für ein Land, das zu 60 Prozent aus Wüste besteht, hatten diese Männer eine grosse Vision. Wenn die KKL-Feuerwehrleute bei den Bränden im Dauereinsatz waren, dann haben sie sich auch aufgrund dieses gemeinsamen Spirits so eingesetzt. Der lebt bis heute fort.“

Zuerst veröffentlicht auf MENA-Watch – Der unabhängige Nahost-Thinktank.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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