Vergangene Woche war ich beim Nachrichtensender Al Jazeera eingeladen, um über das Beduinendorf Umm al-Hiran zu sprechen. Was ich bei meinen Nachforschungen für die Fernsehsendung herausfand, hat mich zutiefst erschüttert.

von Emanuel Miller

Aus der Haaretz hatte ich erfahren, dass die Bewohner von Umm al-Hiran 1956 von den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) dorthin umgesiedelt worden waren. Und dennoch erkennt Israel nach Auskunft der bekannten israelischen Menschenrechtsorganisation Adalah auch heute, mehr als 60 Jahre später, dieses Dorf noch immer nicht an und will die Beduinen umsiedeln, die Häuser abreissen und an ihrer Stelle eine „jüdische Stadt“ errichten.

Das klingt schrecklich, nicht wahr?

Was ich las, hat mich wirklich beunruhigt. Konnte mein eigenes Land tatsächlich so herzlos sein? Konnte es sein, dass diese Menschen gnadenlos aus ihren Häusern gerissen wurden, während die Mehrheit der Bevölkerung gleichgültig zusah? Etwas überrumpelt, machte ich mir einen Moment lang Sorgen, dass ich mich bereit erklärt hatte, die Partei zu verteidigen, deren Verhalten unentschuldbar war.

Je mehr ich allerdings herausfand, desto radikaler veränderte sich das Bild. Es stellte sich heraus, dass die von Adalah verbreitete und von der Haaretz wiederholte Geschichte irreführend ist – um es freundlich auszudrücken. Die Beduinen wurden 1956 tatsächlich nach Umm al-Hiran umgesiedelt, allerdings wurde das Land lediglich an sie verpachtet. Es war nie die Rede davon, dass sie es behalten sollten. Ausserdem baute Israel im nahegelegenen Hura dauerhafte Wohnungen für die Stammesmitglieder und bot den Einwohnern von Umm al-Hiran die Möglichkeit eines kostenlosen Umzugs, sowie eine finanzielle Entschädigung für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Bislang haben bereits zwei Drittel der Einwohner diese Lösung angenommen und sind nach Hura umgezogen.

Es wird aber noch besser. Die angeblich „jüdische“ Stadt, die an der Stelle von Umm al-Hiran gebaut werden soll, soll tatsächlich Bewohnern aller Ethnien, Hautfarben und Konfessionen offenstehen. Auch die derzeitigen Bewohner von Umm al-Hiran werden dort leben können, sofern sie dies wünschen. Natürlich kommt nichts von all dem in Adalahs Version der Geschichte vor.

Man hat mich einen „Hasbaristen“, einen Propagandisten und Lügner im Namen der Verteidigung Israels genannt. Tatsächlich ist es mir vielmehr immer, wenn es um das Thema Israel geht, ein Anliegen, die Wahrheit herauszufinden, als einfach nur alles reflexartig zu rechtfertigen. Ich habe nicht die geringste Absicht, Israels Weste reinzuwaschen. Ich nehme Vorwürfe gegen Israel sehr ernst und weise sie nicht automatisch von der Hand. Ausgehend von der Überzeugung, dass der beste Anwalt ein ehrlicher Anwalt ist, ist es wichtig, Fehler zu erkennen. Als ich mit einem schwerwiegenden Vorwurf hinsichtlich Israels Verhalten gegenüber seiner beduinischen Bevölkerung konfrontiert wurde, nahm ich daher die Behauptung erst einmal für bare Münze.

Stellen Sie sich meine Frustration vor, als ich erkannte, dass ich getäuscht worden war. Die Behauptung, dass die Beduinen von „ihrem“ Land zwangsvertrieben werden, ist schlicht und einfach unwahr. Und es wird auch keine „jüdische“ Stadt an der Stelle von Umm al-Hiran gebaut. Es ist wirklich extrem ärgerlich, jemanden ernst zu nehmen, um dann festzustellen, dass sie dich einfach nur übers Ohr hauen wollen.

Im vergangenen Jahr habe ich viele Stunden damit verbracht, „Anti-Besatzungs“-Organisationen zuzuhören. Letzten Sommer nahm ich an mehreren Exkursionen teil, die von den bekannten linksgerichteten Gruppen Israels organisiert wurden, darunter Machsom Watch, Breaking the Silence (BtS) und Ir Amin. Jedes mal hörte ich, wie diese Organisationen erschreckende Geschichten und Fakten verbreiteten, um leichtgläubige europäische und amerikanische Urlauber von der Rechtschaffenheit ihrer Sache zu überzeugen. Und jedes Mal stellte sich im Nachhinein heraus, dass diese Geschichten schlichtweg Augenwischerei waren.

Ein Paradebeispiel erlebte ich bei der BtS-Tour in die Bergregion südlich von Hebron. In Susiya bringt man die Touristen zu einem ungefähr einen Quadratmeter grossen Brunnenschacht. Als ich dort stand, erklärte der Führer, dass die IDF ein komplettes Fahrzeug in den Schacht geschoben hätten. „Hier, wenn Sie schauen wollen, da ist ein Subaru tief unten im Brunnenschacht“, behauptete er. „Sie haben ihn hineingeschoben, um den Brunnen zu vergiften.“ Eine einzelne weisse Autotür liegt auf dem Boden neben dem Loch.

Es hört sich furchtbar an. Zuerst war ich geschockt. Es gibt nur ein Problem: Jeder, der dort war, kann bezeugen, dass kein Fahrzeug zu sehen ist. Und zwar deshalb, weil überhaupt keines in dem Brunnenschacht ist. Die vorgenannte Autotür ist nichts als eine raffinierte, strategisch platzierte Requisite. Nachdem ich mir einen Moment Zeit zum Nachdenken genommen hatte, wurde mir klar, dass es schier unmöglich ist, ein Fahrzeug in eine einen Quadratmeter grosse Öffnung hinein zu rammen. Wie viele Menschen akzeptieren die Geschichte jedoch einfach ohne nachzufragen?

Bei einer anderen Gelegenheit lud BtS eine Geschichte auf ihre hebräische Facebookseite hoch, in der behauptet wurde, eine palästinensische Familie wäre in einem Jahr 8 Mal dazu aufgefordert worden, ihr Haus zu verlassen, damit die Armee in der Nähe Übungen durchführen konnte. Damals arbeitete ich mit My Truth zusammen, einer Organisation, die einige der Lügen von Breaking the Silence aufgedeckt hat. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt bereits ein tiefes Misstrauen gegenüber der Organisation entwickelt hatte, war diese Behauptung zu stark, als dass ich sie hätte einfach ignorieren können. Ich war beunruhigt von der Möglichkeit, dass die IDF derart kaltschnäuzig handeln könnten.

Darauf bedacht, die Einzelheiten zu überprüfen, teilte ich meinem Chef meine Bedenken mit und sagte ihm, dass wir vorsichtig vorgehen sollten, für den Fall, dass die Armee tatsächlich das Grundstück dieser Familie als Schiessplatz ausersehen hätte. Ich empfahl ihm dringend, den Fall sorgfältig weiter zu untersuchen. Und das taten wir dann auch. Wir besorgten uns Luftaufnahmen des Areals aus den Jahren 1999 und 2016. Dabei entdeckte My Truth, was wirklich dort geschehen war: Während das Foto von 2016 deutlich Häuser zeigte, war auf dem Bild von 1999 unbebautes Land zu sehen. Als das Areal damals zu militärischem Sperrgebiet erklärt wurde, gab es dort kein palästinensisches Dorf. Danach erst entschied sich die Familie bewusst, auf einem militärischen Schiessplatz zu leben – ungeachtet der Gesetzeslage und aller Vernunft. Kurz gesagt, die Behauptung von Breaking the Silence, die Armee würde sich zynischerweise auf eine Trainingsübung begeben, um dies als Vorwand für die Zwangsräumung einer Familie zu nutzen, war eine schamlose Lüge.

Al Jazeera war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Wieder und wieder begegneten mir im Laufe des vergangenen Jahres schockierende Geschichten von linken „Friedens“-Organisationen. Immer wieder stellte ich fest: Auch wenn einige Geschichten der weiteren Überprüfung bedurften, so waren doch viele eindeutig manipuliert oder gar frei erfunden. Abgesehen davon, dass diese verlogenen Geschichten eine Beleidigung für unsere Intelligenz darstellen, sind sie weiterer Zündstoff für Misstrauen und Hass gegenüber Israel.

Als ich eingeladen wurde, auf Al Jazeera zu sprechen, machte ich mir Sorgen, ich müsse möglicherweise Dinge verteidigen, die nicht zu rechtfertigen sind. Aber je mehr ich herausfand, desto aufgebrachter wurde ich. Wo Israel unerbittlich in den Hallen der Vereinten Nationen und in den globalen Medien angegriffen wird, ist das mindeste, was „Friedens“-Organisationen tun könnten, dass sie ihre Kritik am Staat auf solche beschränken, die der Wahrheit entspricht.

Die Lügen, Verleumdungen und Krokodilstränen von Adalah und Breaking the Silence machen es noch schwieriger, jemals Frieden zu erreichen. Anstatt den Dialog zu fördern, schaffen sie nur noch mehr Spaltung. Es ist an der Zeit, dass sie auf ihre alternativen Fakten verzichten.

Emanuel Miller ist Politikwissenschaftler und israelischer Anwalt. Bis vor Kurzem arbeitete er mit My Truth zusammen, einer gemeinnützigen Organisation, deren Ziel es ist, die Geschichten, Werte und Herausforderungen israelischer Soldaten bekannt zu machen. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Times of Israel.

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