Foto Magen David Adom
Foto Magen David Adom

Ein 19-Jähriger Palästinenser hat am Donnerstag in Petah Tivka in die Menge geschossen und mit einem Messer auf Passanten eingestochen. Mindestens sechs Menschen wurden dabei verletzt. Ein kurzer Überblick der Medienberichterstattung dazu.

„Fünf Menschen wurden nach einem mutmasslichen Schussangriff in der zentralen israelischen Stadt Petah Tikvah ins Krankenhaus eingeliefert.“ So steht es in der linksliberalen Zeitung Haaretz. Weiter heisst es: „Die Polizei verhaftete einen 18-jährigen Jugendlichen aus Nablus, der im Verdacht steht, den Angriff begangen zu haben. Die Polizei kommentierte, dass der Verdächtige auf Passanten im offenen Markt von Petah Tivka geschossen habe. Als seine Waffe klemmte, packte er einen scharfen Gegenstand und stach auf einen Zivilisten.“

Jeder Israeli weiss zwar, dass Nablus im Westjordanland liegt, doch vermied es die Zeitung, das Wort „Palästinenser“ zu verwenden. Und während anfangs von einem „mutmasslichen Schussangriff“ die Rede ist, zeigt ein mitgeliefertes Bild eindeutig ein Einschussloch im Fester eines Busses. Die Sanitäter ermittelten bei einigen Verletzten „Einschusslöcher“, ohne „mutmasslich“. Zeugen hätten Schüsse gehört, was aber Haaretz nicht daran hinderte, zunächst von einem „mutmasslichen Schussangriff“ zu schreiben. Der erwähnte „scharfe Gegenstand“ stellte sich laut Zeugenaussagen als Schraubendreher heraus.

Bei Ynet, dem Onlinedienst der Zeitung Jedijot Achronot, steht schon im Titel ein Wort, das Haaretz tunlichst vermieden hat: Terrorattacke. Im ersten Abschnitt ist vom Täter als „Palästinenser“ die Rede, wobei erst später präzisiert wird, dass der 19-jährige aus der Gegend von Nablus stamme.

Er habe zunächst auf Menschen an einer Bushaltestelle geschossen und sei dann, weiterhin schiessend, weggelaufen. Er rannte in ein Reparaturgeschäft für Nähmaschinen, wo ihn verfolgende Zivilisten mit Nähmaschinen beworfen hätten. Am Boden liegend habe der Palästinenser „Hilfe“ geschrien, bis ein Polizeioffizier ihn „neutralisieren“, entwaffnen und festnehmen konnte.

Das christliche israel heute formulierte am Tag danach: „In Petach Tikva hat gestern ein Terrorist das Feuer auf Passanten am Eingang zum Markt eröffnet. Er schoss unter anderem auf einen Linienbus und griff später weitere Menschen mit einem Schraubenzieher an, nachdem seine Waffe Ladehemmung hatte. 6 Menschen wurden leicht verletzt. Der Terrorist konnte festgenommen werden.“ Weiter hiess es dort, dass der Palästinenser sich „ohne Erlaubnis“ in Israel aufgehalten habe. Bekanntlich wechseln täglich über 10.000 palästinensische Gastarbeiter mit Genehmigung vom Westjordanland durch die Kontrollen entlang der „Mauer“ nach Israel.

Weiter hiess es : „In der vergangenen Nacht ist es der israelischen Armee gelungen, das Haus des Terroristen ausfindig zu machen. Dort haben sie seine Familie verhört und die Einreisegenehmigungen der Familie des Terroristen beschlagnahmt. Die Pressestelle hat ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie die Soldaten das Haus des Terroristen erreichen. Ausserdem wurden in der Nacht zehn weitere gesuchte Verdächtige festgenommen.“

Die Times of Israel liefert zusätzlich noch Details zur der in Heimarbeit von dem Palästinenser verwendete Waffe. Das „Carlo“ genannte Gewehr sei eigentlich ein Schnellfeuergewehr, hergestellt aus Wasserröhren und Ersatzteilen. Doch die Waffe sei „notorisch unzuverlässig“ und klemme immer wieder bei einer Attacke. Man könne mit ihr nur alle paar Sekunden einen Schuss abgeben. Immer wieder entdeckt die israelische Armee Waffenfabriken im Westjordanland, wo diese primitiven Gewehre hergestellt und beliebig verkauft werden.

Die Times of Israel berichtete weiter, dass der Täter von palästinensischen Medien als der 18 Jahre alte Sadeq Nasser Abu Mazen aus dem Dorf Beita al-Foka südlich von Nablus identifiziert worden sei.

Beita al Foka wurde als das Heimatdorf von Präsident Mahmoud Abbas vorgestellt. Mehrere Verwandte von Abbas seien verhört worden. Ebenso mussten sie ihre Einreisegenehmigungen nach Israel abgeben.

Die „Hamas Terror Gruppe“ in Gaza habe die Attacke als „natürliche Folge der israelischen Verbrechen“ verherrlicht. Sie habe aber nicht die Verantwortung übernommen. Andere Palästinenser sollten dem Vorbild des Schützen von Petah Tikva folgen.

Der israelische UNO-Botschafter Danny Danon forderte eine dringende Einberufung des UNO-Sicherheitsrates, um diesen Terroranschlag verurteilen zu lassen. Der Sicherheitsrat solle auch über palästinensische Hetze und Anstiftung zu Gewalt beraten.

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin lobte den Mut und Einsatz der Bürger von Petah Tikwa. Sie hätten durch ihren Einsatz einen schwereren Anschlag verhindert, sagte er, als er den Verwundeten schnelle Besserung wünschte.

In den deutschen Medien wurde ausnahmsweise recht wahrheitsgetreu über diesen Vorfall berichtet. Während üblicherweise wegzensiert wird, dass ein Palästinenser die Tat begangen hat, brachte das zum Beispiel die BZ in Berlin schon im Titel: Palästinenser schiesst in Israel in Menschenmenge.

Die Zeit verwendete für eine Meldung mit nur 8 Sätzen unter dem Titel „Palästinensischer Angreifer verletzt sechs Menschen“ immerhin 5 verschiedene Quellen: ZEIT ONLINE, afp, ap, dpa, vvö.

Die Welt titelt: „Palästinenser verletzt bei Angriff auf Markt bei Tel Aviv sechs Menschen“. Die Zeitung beruft sich dabei auf die französische Agentur afp als Quelle.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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  • nussknacker56

    Der „Kölner Stadtanzeiger“ (und Haaretz-Miteigentümer) hat bis jetzt gar nichts gebracht. Möglicher Grund: Es gab keine israelischen Toten zu beklagen. Meldungen darüber werden von dem Blatt für gewöhnlich in den äußeren Randspalten abgehandelt. Mir soll es recht sein, auf solche „Randnotizen“ kann ich gerne verzichten.