Das Verstecken der Amtskreuze auf dem Tempelberg durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, und den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, angeblich auf ausdrückliche Bitten ihrer muslimischen Gastgeber, sorgt weiter für Diskussionen.

In der NZZ hat Jan-Heiner Tück, Professor für Dogmatische Theologie an der Universität Wien, diese „Geste“ mit Fachwissen gut fundiert analysiert. Darin behauptete er: „Wie Christen nicht wollen, dass Muslime in der Grabeskirche ihren Gebetsteppich ausrollen, so wäre es für Muslime unzumutbar, wenn Christen in der Aksa-Moschee religiöse Handlungen verrichteten.“ So lieferte er das Stichwort zu dieser Recherche, ob und wie Moslems christliche Heilige Stätten respektieren.

Schlüsselgewalt und Lufthoheit

Die Schüssel der Grabeskirche halten seit 1000 Jahren die beiden muslimischen Familien, Dschudeh und Nusseibeh. Bei jeder Prozession in die Grabeskirche müssen die Patriarchen anklopfen, sich vorstellen und Wajeeh Nusseibeh um Einlass bitten. Für diesen Dienst werden die muslimischen Wächter bezahlt. Man könnte es „Miete“ nennen, die Christen für das Betreten ihres höchsten Heiligtums entrichten. Neben dem heutigen Haupteingang steht – wie auch bei anderen christlichen Heiligtümern – eine Omar-Moschee. Ihre Lautsprecher dröhnen „zufällig“ genau während der christlichen Gebetszeiten mit „Allahu Akhbar“ ohrenbetäubend laut. Alle Welt konnte via Fernsehübertragung erleben, wie sogar Papst Johannes Paul seine Messe auf dem Krippenplatz in Bethlehem unterbrechen musste, weil der Muezzin der dortigen Omar-Moschee zum Gebet rief.

Auf dem Dach der Grabeskirche befinden sich Wohnungen neben der Kuppel über dem Grab Jesu. Dort lebte vor einiger Zeit noch die Tochter des berühmten Jerusalemer Mufti Hadsch Amin al-Husseini, der 1941 nach Berlin geflohen war und sich mit Adolf Hitler getroffen hat. Die Bilder des Muftis hingen im Wohnzimmer. Aus dem Klofenster heraus konnte man die graue Kuppel fast berühren.

Gelebter Islam in christlichen Sakralbauten

In der Geburtskirche Bethlehems und im Grab der Maria neben dem Garten Gethsemane in Jerusalem befinden sich Gebetsnischen für Moslems. In Bethlehem, an einer Säule im Hauptschiff der Geburtskirche, befinden sich Löcher in Kreuzform. Junge muslimische Frauen stecken im Rahmen eines Fruchtbarkeitskultes ihre Finger hinein. Die Himmelfahrtskapelle Jesu auf dem Ölberg in Jerusalem ist heute eine Moschee.

Muslimische Frauen in der Geburtskirche (Foto: U. Sahm)
Muslimische Frauen in der Geburtskirche (Foto: U. Sahm)

Der osmanische Sultan Süleyman der Prächtige betraute Scheich Ahmad al-Dajani aus Arabien mit der Hüterschaft des von den Kreuzfahrern errichteten Abendmahlssaals Jesu über dem traditionellen Grab des biblischen Königs David. Er verwandelte den Abendmahlssaal in eine dem „Propheten“ David gewidmeten Moschee (al-Nabi Da’ud). Dajanis Kenotaph-Grab befindet sich in der Kammer neben dem Abendmahlssaal, wo gemäß der Tradition an Pfingsten über die Jünger der Heilige Geist kam. Dieses Ereignis gilt als Gründung der christlichen Kirche.

Aktuelleren Datums ist die wohl schlimmste Erniedrigung der Christen im Heiligen Land, die freilich nur von wenigen beobachtet und in den Medien fast nicht berichtet worden ist. Beim Einzug von Präsident Jassir Arafat nach Bethlehem am 23. Dez. 1994 haben die Moslems zu seinen Ehren auf das Dach der Geburtskirche ein Modell des Felsendoms aufgestellt. Es gab keinerlei Proteste von Seiten der Christen gegen diese symbolische Unterwerfung der Christenheit durch den Islam.

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Modell des Felsendoms auf der Geburtskirche. Im Hintergrund befindet sich Jassir Arafat (Foto: U. Sahm)

Spanferkel über jüdischen Gräbern

Ähnlich verfahren die Moslems mit jüdischen Heiligtümern, darunter dem von König Herodes errichteten Grabmal der biblischen Erzväter in Hebron, dem Josefsgrab in Nablus oder dem Grab der Erzmutter Rachel am Straßenrand zwischen Jerusalem und Bethlehem. Moslems verfügten auch Beschränkungen an der Klagemauer, an die sich der Staat Israel jedoch heute nicht mehr hält. Der 3.000 Jahre alte jüdische Friedhof rund um den Ölberg wurde während der jordanischen Besatzung von 1949 bis 1967 teilweise zerstört. Auf dem Friedhof wurde eine Moschee und das Seven Arches Hotel errichtet. Dort ließ vor einigen Jahren die deutsche Lufthansa bei einem Empfang Spanferkel grillen.

Einen politischen Höhepunkt gab es kürzlich mit einer Resolution der UNESCO. Darin wurden der Tempelberg und die Klagemauer nur mit ihren arabischen Namen bezeichnet, während die muslimische Wakf-Behörde seit wenigen Jahren behauptet, dass es auf dem Tempelberg Jerusalems niemals einen jüdischen Tempel gegeben habe. So wird nicht nur die Geschichte des Judentums verleugnet. Auch die Entstehung des Christentums ist ohne die Besuche Jesu im Jerusalemer Tempel undenkbar.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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  • Bettina Knust

    Die christliche Führung ist längst untergegangen. Nur haben es noch nicht alle begriffen. Der Rücktritt Bendikts XVI. war das Fanal. Mit ihm ging ein Kirchenführer unter, der nicht fehlerlos war, aber über drei wesentliche Eigenschaften verfügte: er war unpolitisch, er war ein hervorragender Theologe, er konnte sich dennoch so ausdrücken, dass jeder ihn verstand.
    Auf der Gegenseite hat man mit der Schirmherrschaft Margot Käßmanns für 2017 die Reformation wohl endgültig der Lächerlichkeit preisgegeben.

    Katholiken sprechen nicht vom „Verstecken des Kreuzes“, sie sprechen bewusst von Kreuzesabnahme. Denn genau das war es. Das Wort hat Herr Bedford-Strohm noch nie gehört. Ob Kardinal Marx seine Bedeutung noch kennt oder einschätzen kann, ist ungewiss.

  • kicknrush

    Das Christentum ist inzwischen eine beliebige Esoterik. Es kann nicht nur keine Antworten mehr geben, sondern beteiligt sich durch aktives Wegsehen und Verschweigen wie aktiver, vorauseilender Unterwerfung unter das Joch des Islam, an der heraufziehenden Katastrophe Europas.

    Wenn der Freiheitskampf für Europa beginnt, wird er nicht unter dem Juste Milieu des heute inhaltsleeren christlichen Kreuz geführt werden. Abermals wird das Christentum gewogen und für zu leicht befunden. Das Versagen der christlichen Führungen angesichts der 100 Millionen weltweit verfolgter Christen, ist kaum mehr heilbar. Eine selbstverschuldet und selbstinstinszeniert untergehende Religion.

    Unterdessen die Nachfahren des SS Generals Amin al-Husseini aus der Rolle des Juniorpartners zu Zeiten NS-Regimes hinausgewachsen sind. Heute greifen sie nach dem „Haben und Sagen“. https://de.scribd.com/document/330725895/Impulspapier-MigrantInnenorganisationen-zur-Teilhabe-in-der-Einwanderungsgesellschaft-2016