Antiisraelische Geschichtsklitterung: Schulbuchverlag entschuldigt sich

4
5687
Foto zVg
Lesezeit: 4 Minuten

Der amerikanische Wissenschaftsverlag McGraw-Hill Education hat ein Geschichtsbuch vom Markt genommen, nachdem er von dem Blogger Elder of Ziyon am 1. März darauf aufmerksam gemacht worden war dass es grob fehlerhafte und manipulative Landkarten zum israelisch-arabischen Konflikt enthält.

Das berichtet „Inside Higher Ed“, eine Website für Hochschulnachrichten. McGraw-Hill Education gehört mit 6.000 Mitarbeitern zu den drei grossen Schulbuch- und Wissenschaftsverlagen der USA und vertreibt nach eigenen Angaben Titel in 60 Sprachen und 135 Staaten. Bei dem Buch, das nun vom Markt genommen wurde, handelt es sich um den Band Global Politics. Engaging in a Complex World, der sich an Studenten richtet, die anfangen, sich mit Geschichte zu beschäftigen.

Die vier Landkarten sollen, wie die Bildunterschrift sagt, den „palästinensischen Landverlust zwischen 1946 und 2000“ zeigen. Die Grafik ist eines der beliebtesten Agitationsmittel der Anti-Israel-Szene, ihre groben Verstösse gegen die historische Wahrheit wurden in den letzten zehn Jahren schon mehrfach thematisiert, auch von deutschsprachigen Bloggern (siehe hier und hier)

Die Unwahrheit fängt damit an, dass das ursprüngliche britische Mandatsgebiet Palästina, das auch Jordanien umfasste, überhaupt nicht vorkommt. Von diesem Territorium, in welchem laut der Balfourdeklaration von 1917 die „Heimstatt“ für das jüdische Volk entstehen sollte, hatten die Araber – und nicht etwa die Juden – sich schon 1921 den grössten Teil gesichert, das heutige Jordanien.

Auf der Landkarte mit dem Titel „1946“ – damals nannte noch niemand auf der Welt die arabischen Bewohner Palästinas „Palästinenser“, nicht einmal sie sich selbst – werden das gesamte Gebiet des heutigen Israel, Judäa und Samaria sowie der Gazastreifen als „Palästina“ bezeichnet, mit Ausnahme von ein paar Punkten, die den privaten jüdischen Landbesitz zeigen sollen. Nach welchem Rechtsstandpunkt aber hätte das gesamte öffentliche Land einem fiktiven arabischen Staat „Palästina“ gehören sollen, von dem seinerzeit niemand etwas gehört hatte und den auch niemand forderte? Für die, die es nicht wissen: In damaligen Nachschlagewerken wie etwa dem französischen Larousse von 1939, das die Flaggen der Staaten der Erde zeigt, hatte Palästina eine Fahne mit Davidstern.

Bei der Karte, die den UN-Teilungsplan von 1947 skizziert, wurde „vergessen“, dass Jerusalem gemäss diesem Plan eine Stadt unter internationaler Verwaltung sein sollte, stattdessen wird auch sie „Palästina“ zugeordnet. Nicht erwähnt wird zudem, dass der Teilungsplan an dem arabischen Widerstand und der Invasion von 1948 scheiterte.

Die Landkarte „1948 bis 1967“ zeigt dann einen Staat „Palästina“, der aus dem Gazastreifen und Judäa und Samaria besteht. In Wirklichkeit aber war der Gazastreifen seit 1948 von Ägypten besetzt, Judäa und Samaria waren ebenso wie Ostjerusalem von Jordanien okkupiert – einen „Staat Palästina“ gab es weder vor 1967 noch vor 1948.

Ebenso verzerrend ist die letzte Karte, die die Nach-Oslo-Periode zeigen soll (in der es zum ersten Mal den Nukleus eines arabischen Staates „Palästina“ gibt): Hier wird ein Grossteil des in Wahrheit von der Palästinensischen Autonomiebehörde beherrschten Territoriums als israelisch dargestellt.

Auch die Schweizer "Palästina Solidarität" benutzt die fehlerhaften und manipulativen Karten. Aushang SBB Bahnhof Zürich 2014. Foto Twitter
Auch die Schweizer „Palästina Solidarität“ benutzt die fehlerhaften und manipulativen Karten. Aushang SBB Bahnhof Zürich 2014. Foto Twitter

Die Bildunterschrift, in der von „Phasen“ einer Entwicklung die Rede ist, treibt die Geschichtsfälschung auf die Spitze, schreibt der Blogger Elder of Ziyon:

„Die vier Landkarten als ‚Phasen’ zu bezeichnen, macht sie noch beleidigender – als wenn es von Anfang an einen jüdischen Geheimplan gegeben hätte, ‚palästinensisches’ Land zu stehlen und sie [die Araber] zu vertreiben. Israel hat seit 1967 Land für Frieden abgegeben, Sinai, Gaza, Teile von Judäa und Samaria und Südlibanon. Diese vier Karten als ‚Phasen’ zu bezeichnen – vor allem, wo Karte 2 in Wirklichkeit nie existiert hat – ist antiisraelische Propaganda.“

Wie viele andere antisemitische Behauptungen (etwa die Ritualmordlegende) tauchen diese Landkarten – in just dieser Form – immer wieder auf, so etwa vor einigen Monaten auf der Facebookseite der bekannten deutschen Fernsehmoderatorin Dunja Hayali.

Verlag entschuldigt sich
Catherine Mathis, eine Sprecherin für McGraw-Hill Education, schrieb der Redaktion von „Inside Higher Ed“ per E-Mail:

„Sobald wir von den diesbezüglichen Bedenken gehört hatten, haben wir den Verkauf gestoppt und sofort eine wissenschaftliche Überprüfung des Buches veranlasst. Diese ergab, dass die Karten unseren akademischen Standards nicht Genüge leisten. Wir haben die Autoren informiert und verkaufen das Buch nicht mehr. Der gesamte Bestand wird eingestampft werden. Wir entschuldigen uns und werden jedem, der das Buch zurückgibt, den Kaufbetrag erstatten.“

Wie die Grafik in das Buch gelangen konnte, werde noch ermittelt, so Mathis. Sie sei nicht von den Autoren erstellt, von diesen aber eingereicht worden. Die Autoren, die nach Angaben des Zeitungsartikels bislang nicht auf Anfragen geantwortet hätten, sind Mark Boyer, ein Geografieprofessor an der Universität Connecticut, Natalie Hudson, eine Dozentin für Politikwissenschaft an der Universität Dayton und Michael Butler, ein Dozent für Politikwissenschaft an der Clark University in Worcester, Massachusetts.

Der Verlag hat vorbildlich auf den Nachweis historischer Falschdarstellung reagiert und bemüht sich, den Fehler wieder gut zu machen. Die Anti-Israel-Fraktion kocht derweil vor Wut: „Solche Landkarten stellen für zionistische Ideologen eine grosse Gefahr dar“, heisst es in einem Artikel auf „Electronic Intifada“, einer von Linksradikalen und arabischen Nationalisten betriebenen Anti-Israel-Website. „Darum beeilen sich Israels Fürsprecher, diese Karten zu zensieren, wann immer sie im Mainstream auftauchen.“

Ein Aktivist, der das Buch wahrscheinlich nie gesehen hat, schreibt in einer Amazon-Kundenrezension„Ein wunderbares Buch, leider hat der Verlag vor der Israel-Lobby kapituliert und sich einverstanden erklärt, alle Exemplare zu vernichten, aufgrund einer Landkarte, die exakt den Verlust palästinensischen Landes im Laufe des letzten Jahrhunderts zeigt.“

Dies zeigt, warum eine Versöhnung Israels mit seinen Feinden zu unseren Lebzeiten kaum möglich sein wird: Sie bleiben auch dann bei ihrer vermeintlichen Wahrheit, wenn man sie mit der Nase auf ihre Fehler und Fälschungen stösst. Um aber zu verhindern, dass sie mit ihren manipulativen Falschdarstellungen arglose Schüler und Studenten infizieren, ist es notwendig, rasch zu handeln, sobald diese irgendwo als Wissenschaft verkleidet auftauchen. Manchmal, das lehrt dieses Beispiel, können sich unerwartet schnelle Erfolge einstellen. Möge der Fall dem einen oder anderen Geschichtsfälscher eine Mahnung sein – und den Kämpfern für die Wahrheit Hoffnung geben.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

Alle Artikel

4 KOMMENTARE

  1. „Die Argumentation im Artikel, Jordanien werde nicht erwähnt, ist Bullshit…“
    Falsch! Der Name Palästina hat eine reiche Geschichte, doch in unserem Kontext ist maßgebend, dass man dieser Name im 20. Jahrhundert für das britische Völkerbundsmandat verwendet hatte, das ins Cisjordanien vom Jordanfluss westwärts bis zum Mittelmeer und das Transjordanien im Osten aufgeteilt wurde.

    „Auch war selbst in der Balfour-Erklärung nie von einem jüdischen Staat die Rede, sondern lediglich von einer Heimstätte für die Juden in Palästina.“
    In der Deklaration war von einer „nationalen Heimstätte“ die Rede. Es wurde genau so formuliert, wie 1897 das Zeil des Zionismus formuliert wurde. Die Konkretisierung der Deklaration (jüdischer Staat) erfolgte um 1918 und das Mandat sollte sie in die Praxis umsetzen.

    „…es solle Juden erleichtert werden, die Palästinensische (sic!) Staatsbürgerschaft zu erlangen.“
    1) Palästinische (sic!), nicht Palästinensische (der Begriff „Palästinensische“ entstand Anfang 60r Jahre)
    2) Ja, die Staatsbürgerschaft des Mandatsgebiets, solange noch kein Jüdischer Staat existierte, was sonst?

    „Die Argumentation mit dem UN Teilungsplan, … die Hälfte ihres angestammten Siedlungsgebiets, und noch dazu die „Sahnestücke“ desselben zu überlassen“
    Unterschlagung! Araber haben auch den Plan der Peel-Komission (1937) abgelehnt, in dem Jüden 1900 aus gesamten 10300 Quadratkilometern zugesprochen wurde

    „der Teilungsplan war nie vom Sicherheitsrat ratifiziert“
    Es bedarf keiner Ratifizierung vom Sicherheitsrat, genau so wie einer Prüfung vom Internationalen Gerichtshof (erinnern Sie sich noch an diese Forderung? 😉

    „Sicherheitsrat… den Plan zurückzog“
    Falsch! Der Sicherheitsrat befasste sich nur mit dem Kriegsverlauf und dem Waffenstillstand.

    etc, etc, etc

    Was beweist dieser Kommentar? Dass die Araber/arabische Welt immer noch zu keinem Kompromiss bereit sind/ist. Ganz nach Azzam Pascha…

  2. Das Problem mit der Karte ist, dass sie mit „Palestinian Loss of Land“ betitelt ist, was, wenn man es ganz genau betrachtet, so wirklich nicht stimmt. Einiges von dem Land war schlicht ohne Besitzer, weil sich die Bewirtschaftung nicht lohnte. Warum sollte jemand Besitzrechte an wertlosem Brachland haben wollen? So zumindest die Sicht der Einheimischen.

    Betitelt man die Karte anders, z.B. „Ausbreitung der Europäisch-Zionistischen Kolonie in Palästina“, ist sie recht genau, denn die Zionisten nahmen auch besagtes Brachland in Besitz, da für sie die zusammenhängende Fläche ausschlaggebend war und ist.

    Die Argumentation im Artikel, Jordanien werde nicht erwähnt, ist Bullshit, denn das Gebiet des heutigen Jordanien wurde überhaupt erst auf Wunsch der Briten, die damit das Sykes-Picot-Abkommen international durchsetzen wollten, das die Reste des Osmanischen Reichs zwischen Großbritannien und Frankreich aufteilte, dem Mandatsgebiet hinzugefügt Die heutigen Jordanier wurden wie üblich von den Kolonialmächten nicht gefragt, sie hätten sich aber wohl lieber Groß-Syrien angeschlossen, das aber unter französischer Verwaltung stand.

    Auch war selbst in der Balfour-Erklärung nie von einem jüdischen Staat die Rede, sondern lediglich von einer Heimstätte für die Juden in Palästina. Dies wird auch im Text des Völkerbundsmandates klar, in dem es in Artikel 7 ausdrücklich heißt, es solle Juden erleichtert werden, die Palästinensische (sic!) Staatsbürgerschaft zu erlangen.

    Die Argumentation mit dem UN Teilungsplan ist auch sehr problematisch, denn eine der Grundlagen der UN ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Der Plan wäre also nur gültig, wenn die Einheimischen zugestimmt hätten, aber da die nicht mit dem Klammerbeutel gepudert waren und nicht vor hatten, einer zugezogenen europäischen Minderheit die Hälfte ihres angestammten Siedlungsgebiets, und noch dazu die „Sahnestücke“ desselben zu überlassen, stimmten sie dagegen. Plan geplatzt, zurück auf Los.

    Weiters wurde der Teilungsplan zwar von der UN-Generalversammlung beschlossen, aber nie vom Sicherheitsrat ratifiziert, der den Plan zurückzog und Graf Folke Bernadotte zum Vermittler ernannte, was die Zionisten so erboste, dass die Zionistische Terrorgruppe LEHI den UN Gesandten ermordete. Einer der Führer dieser Mörderbande und Auftraggeber für diesen Mord war übrigens der spätere israelische Ministerpräsident Yitzhak Shamir.

    Die Behauptung, Israel hätte „Land für Frieden“ ist gelinde gesagt eine Frechheit, denn Israel hat lediglich die Gebiete an die Besitzer zurück gegeben, die es vorher erobert und besetzt hatte. Es blieb ihm dabei gar nichts anderes übrig, denn laut Völkerrecht ist nun mal Gebietsgewinn durch Krieg nicht zulässig und somit völkerrechtswidrig.

    Israel, bzw. Eliahu Epstein, der Vertreter der Jewish Agency in Washington hat den USA gegenüber erklärt, das Staatsgebiet entspreche dem im UN Teilungsplan erwähntem Gebiet. Auch in der so genannten „Unabhängigkeitserklärung“ findet sich der Passus: „Auf Grund unseres historischen Rechtes und AUF GRUND DER RESOLUTION DER UN-GENERALVERSAMMLUNG …..“

    Somit ist alles, was sich außerhalb dieses Gebiets befindet, in jedem Fall völkerrechtswidrig angeeignet und an den noch zu gründenden Staat Palästina abzutreten.

    • Ich glaube , es war Menachem Begin der den Attentat an Graf Bernadotte vorbereitet hatte… Aber Ihre historische Erläuterungen sind ganz sachlich…

    • „Die Argumentation im Artikel, Jordanien werde nicht erwähnt, ist Bullshit…“
      Falsch! In unserem Kontext ist maßgebend, dass man dieser Name im 20. Jahrhundert für das britische Völkerbundsmandat verwendet hatte, das ins Cisjordanien vom Jordanfluss westwärts bis zum Mittelmeer und das Transjordanien im Osten aufgeteilt wurde.

      „Auch war selbst in der Balfour-Erklärung nie von einem jüdischen Staat
      die Rede, sondern lediglich von einer Heimstätte für die Juden in Palästina.“
      In der Deklaration war von einer „nationalen Heimstätte“ die Rede. Es wurde genau so formuliert, wie 1897 das Zeil des Zionismus formuliert wurde.
      Die Konkretisierung der Deklaration (jüdischer Staat) erfolgte um 1918 und das Mandat sollte sie in die Praxis umsetzen.

      „…es solle Juden erleichtert werden, die Palästinensische (sic!)
      Staatsbürgerschaft zu erlangen.“
      1) Palästinische (sic!), nicht Palästinensische (der Begriff „Palästinensische“ entstand Anfang der 60er Jahre).
      2) Ja, die Staatsbürgerschaft des Mandatsgebiets, solange noch kein jüdischer Staat existierte, was sonst?

      „Die Argumentation mit dem UN Teilungsplan, … die Hälfte ihres angestammten Siedlungsgebiets, und noch dazu die „Sahnestücke“ desselben zu überlassen“
      Unterschlagung! 1) Araber haben auch den Plan der Peel-Komission (1937)
      abgelehnt, nach dem Juden 1900 der gesamten 10300 Quadratmeilen zugesprochen wurden. 2) Nach dem UN Teilungsplan sollten ca. 60 % des künftigen jüdischen Staates im Negev liegen. Ist das ein „Sahnenstück“ oder ein „wertloses Brachland“, wie Sie da oben schreiben?

      „der Teilungsplan war nie vom Sicherheitsrat ratifiziert“
      Es bedarf keiner Ratifizierung vom Sicherheitsrat, genau so wie einer Prüfung
      vom Internationalen Gerichtshof (erinnern Sie sich an diese Forderung? 😉

      „Sicherheitsrat… den Plan zurückzog“
      Falsch! Der Sicherheitsrat befasste sich nur mit dem Kriegsverlauf und dem
      Waffenstillstand.

      „Israel… hat den USA gegenüber erklärt, das Staatsgebiet entspreche dem im UN Teilungsplan erwähntem Gebiet.“
      Unterschlagung! Es geschah VOR der arabischen Aggression 1948-1949.

      Schön wäre es, könnte man die Geschichte zurück drehen. Oder auch nicht…

Comments are closed.