Wir Palästinenser halten den Schlüssel für eine bessere Zukunft in unseren Händen

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Palästinensische Kinder in Ramallah. Foto Abel CAINE, CC BY 2.0,.

Ich bin ein stolzer Palästinenser. Ich wuchs in einem Flüchtlingslager auf und gründete eine grosse Familie. Ich wünsche mir Frieden und Wohlstand für mein Volk. Ich will, dass Elend und Zerstörung endlich ein Ende haben.

Von Bassem Eid

Nach 66 Jahren voller Fehler und verpasster Gelegenheiten ist es für uns Palästinenser an der Zeit, die Voraussetzungen für Frieden zu schaffen und uns für eine bessere Zukunft zu engagieren. Es ist an der Zeit, dass wir aufhören so zu tun, als könnten wir Israel zerstören oder die Juden ins Meer treiben. Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, auf radikale Muslime oder arabische Regimes zu hören, die uns dazu missbrauchen, ihren sinnlosen, zerstörerischen und unmoralischen Krieg mit Israel fortzuführen.

Unsere traurige Lage
Seien wir realistisch. Uns Palästinensern geht es nicht gut.

Unsere Schulen in Gaza werden von muslimischen Fanatikern kontrolliert, die unsere Kinder indoktrinieren und die Hamas verwendet unsere Zivilisten als menschliche Schutzschilder in einem aussichtslosen Kampf gegen Israel. Die Hamas erhält ihre Macht durch Gewalt aufrecht und sorgt dafür, dass Gelder für ihre Waffenlager ausgegeben werden, anstatt sie dafür zu verwenden, die Lebensumstände der Palästinenser zu verbessern. Während Präsident Abbas nur allzu schnell dazu bereit ist, Israel anzuprangern, wann immer es die Hamas angreift, ist er gleichzeitig überhaupt nicht in der Lage, die Hamas ihrerseits davon abzuhalten, Israel weiter zu provozieren.

Im Westjordanland, wo Abbas den Bau weiterer israelischer Siedlungen nicht verhindern konnte, gibt es die einzigen guten Jobs nur bei israelischen Unternehmen und die BDS (Boycott, Divestment and Sanctions)-Bewegung tut ihr Bestes, um uns auch diese Jobs noch wegzunehmen. Abbas ist der Anführer einer korrupten Diktatur, die internationale Geldmittel dazu verwendet, ihre eigene Administration zu stärken, anstatt die palästinensische Wirtschaft zu entwickeln.

In Ost-Jerusalem misstraut man der Palästinensischen Autonomiebehörde so sehr, dass die meisten Palästinenser lieber unter israelischer Herrschaft leben würden, als unter der Herrschaft der PA – und dennoch scheinen einige von uns nicht in der Lage zu sein, in Frieden mit den Juden zu leben.

In palästinensischen Flüchtlingslagern in arabischen Ländern werden unsere Menschenrechte kontinuierlich verletzt und wir werden von unseren arabischen Gastgebern schlicht und einfach benutzt, um deren eigene Ziele voranzubringen.

„Die Antwort ist: in Frieden und Demokratie zu leben – und zwar Seite an Seite mit Israel.“

Die Fakten über Israel
Ungeachtet dessen, was wir uns einreden, ist Israel hier und wird es auch bleiben. Darüber hinaus hat es eine Existenzberechtigung. Es ist die Nation der Juden, aber auch eine Nation für israelische Araber, die dort ein besseres Leben haben als die Araber in irgendeinem arabischen Land. Wir müssen diese Tatsachen akzeptieren und nach vorne schauen. Der von der Hamas, der Fatah und der BDS-Bewegung propagierte Antisemitismus ist für uns Palästinenser nicht die Antwort.

Die Antwort ist: in Frieden und Demokratie zu leben – und zwar Seite an Seite mit Israel. Wir haben viele Gelegenheiten, dies zu tun, verpasst. Wir haben es verpasst, als uns die arabischen Regierungen 1947 dazu ermutigten, den Teilungsplan der UN abzulehnen. Wir haben es verpasst, als wir uns in den Jahren zwischen 1948 und 1967 weigerten, einen Staat in direkter Nachbarschaft zu Israel aufzubauen. Und wir haben es danach jedes Mal aufs Neue verpasst, wenn wir die uns vorgeschlagene Zwei-Staaten-Lösung ablehnten.

Gleichzeitig wissen wir jedoch, dass die Israelis in Frieden leben wollen und dass die grosse Mehrheit der Israelis freundlich und nachbarschaftlich gesinnt ist. Wir wissen, dass die palästinensische Gewalt dazu führt, dass die Israelis immer weniger an Frieden glauben und daher stets noch weiter rechts gerichtete Regierungen wählen. Wir wissen, dass es Ägypten gelungen ist, ein sehr günstiges Friedensabkommen mit Israel zu schliessen, da sich Ägypten einverstanden erklärte, Israel anzuerkennen und die Gewaltakte gegen Israel einzustellen. Wir wissen, dass der sanfte Ansatz bei Israel funktioniert und dennoch wenden wir weiterhin Gewalt und extremistische Rhetorik gegen Israel an.

Israel wird niemals einen grossen Zustrom von Palästinensern, der den jüdischen Charakter Israels verändern würde, akzeptieren. Dies bedeutet, dass das Beharren auf der Rückkehr von Millionen von Flüchtlingen nach Israel eine reine Illusion ist. Hinzu kommt, dass die Dörfer, von denen wir den palästinensischen Flüchtlingen sagen, dass sie eines Tages dorthin zurückkehren werden, nicht mehr existieren. Wir lügen uns schlicht und einfach selbst an.

Ein neuer Ansatz
Wenn wir mit Israel Frieden schliessen wollen, müssen wir unseren Ansatz verändern. Wir müssen akzeptieren, dass der Anspruch auf Rückkehr durch finanzielle Entschädigung, die es palästinensischen Flüchtlingen ermöglichen wird, sich entweder in arabischen Ländern oder Palästina niederzulassen, beigelegt werden wird. Wir müssen akzeptieren, dass die Sicherheit Israels der Schlüssel zu jeder wie auch immer gearteten Lösung ist. Wir müssen akzeptieren, dass Ostjerusalem möglicherweise ein Teil Israels bleibt.

Die wichtigste Veränderung in unserer Herangehensweise – und gleichzeitig die, bei der wir auf die Hilfe der internationalen Gemeinschaft angewiesen sind – ist, dass wir eine demokratisch gewählte und säkulare Regierung brauchen, die auf die Bedürfnisse unseres Volkes eingeht. Wie ich im August 2008 gemeinsam mit Natan Scharanski, einem ehemaligen sowjetischen Dissidenten und Autor des Buchs „The Case for Democracy“, schrieb: ohne Demokratie wird es keinen Frieden geben. So lange der sogenannte palästinensische Führer internationale Gelder nutzen kann, um sein eigenes korruptes Netzwerk der Vetternwirtschaft zu stärken, werden die Palästinenser ihm nicht vertrauen und sich wohl oder übel der traurigen Alternative in Gestalt der Hamas zuwenden.

„Was wir Palästinenser brauchen, ist eine starke Zivilgesellschaft und demokratische Institutionen“

Wie Scharanski und ich 2008 schrieben, geht die gleichermassen israelische wie internationale Überlegung, dass die Stärkung eines nicht-demokratischen, korrupten Anführers dafür sorgen wird, dass dieser „die Hamas  bekämpfen und einen endgültigen Frieden mit Israel schmieden kann“ nicht auf. Nahezu sieben Jahre später ist es sogar noch offensichtlicher geworden, dass dieser Ansatz ins Leere führt. Präsident Abbas geniesst keine Glaubwürdigkeit unter den Palästinensern und selbst wenn er ein Friedensabkommen wollte (was eher zweifelhaft scheint), wäre er nicht in der Lage, dies der palästinensischen Öffentlichkeit zu verkaufen.

Was wir Palästinenser brauchen, ist eine starke Zivilgesellschaft und demokratische Institutionen; was wir ebenso brauchen, ist ein Ende der Menschenrechtsverletzungen, einschliesslich derer, die von Palästinensern und anderen Arabern verübt werden. Wohlmeinende internationale Geldgeber müssen dafür sorgen, dass ihre Mittel für dieses Ziel verwendet werden und nicht zur Unterstützung der Hamas oder der Fatah. Ohne Zweifel muss noch viel Arbeit geleistet werden, aber das Mindeste, was wir erreichen müssen, ist eine Umkehr des gegenwärtigen Trends, der die palästinensische Gesellschaft noch weiter in Richtung einer korrupten und brutalen Herrschaft abdriften lässt, sowohl in Gaza als auch im Westjordanland. Ironischerweise fühlen sich die meisten Palästinenser nur in Ostjerusalem, unter der Herrschaft Israels, adäquat von ihren Politikern vertreten.

Hoffnung für die Zukunft
Trotz unseres gegenwärtigen Dilemmas glaube ich an eine gute Zukunft, wenn wir das tun, was erforderlich ist, um Frieden zu erreichen. Wir können eine säkulare Demokratie haben, die unsere eigenen, besten Interessen verfolgt. Wir können in Frieden mit Israel und den Juden leben und wir können vom wirtschaftlichen Erfolg und den demokratischen Werten Israels profitieren. Es steht in unserer Macht, aus einem langjährigen Feind einen Freund zu machen. Wir haben eine Wahl und wir können diese Wahl treffen mit Blick auf eine bessere Zukunft für unser Volk.

In englisch zuerst erschienen bei The Times of Israel. Bassem Eid ist ein palästinensischer Menchenrechtsaktivist, politischer Analyst und ein Kommentator über interne palästinensische Politik. 

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