Wer sind hier die «Kindermörder»?

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Kinder an einer Veranstaltung der PFLP. Foto Twitter/Allwatanvoice

«Kindermörder Israel» rufen hasserfüllte Palästinenser auf Demonstrationen gegen den jüdischen Staat immer wieder – und stossen damit in Europa auf viel Zustimmung. Dabei fällt diese Anklage auf sie selbst zurück. Und das gilt nicht nur für die Radikalen unter ihnen.

Als die Hamas im Sommer 2014 Israel einmal mehr mit unzähligen Raketen angriff und so erneut in einen Krieg zwang, gingen in europäischen Städten Abertausende Palästinenser auf die Strasse, um ihren Hass auf den jüdischen Staat hinauszuschreien. Eine ihrer im deutschsprachigen Raum am häufigsten zu hörende Parole lautete dabei: «Kindermörder Israel!» Die Botschaft dieser drastischen Anklage liegt auf der Hand: Der jüdische Staat schreckt vor nichts zurück, nicht einmal vor der absichtlichen Tötung der Kleinsten, Unschuldigsten und Wehrlosesten. Zum vermeintlichen Beweis hielten Demonstranten immer wieder grossformatige Fotos von toten, grauenvoll zugerichteten Kindern in die Höhe. Schliesslich ist der Krieg gegen Israel auch ein Krieg der Bilder, und die Palästinenser wissen sehr genau, welche Mittel und welche emotionale Symbolik sie einsetzen müssen, um die westlich-europäische Öffentlichkeit von der abgrundtiefen Niederträchtigkeit der Israelis und der Gerechtigkeit der eigenen Sache zu überzeugen. Genauer gesagt: um sie in dieser weithin bereits vorhandenen Überzeugung zu bestätigen.

Denn wenn beispielsweise fast 40 Prozent der Deutschen allen Ernstes die Ansicht vertreten, Israel führe nicht weniger als «einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser», dann zeigt das, wie gross die Bereitschaft ist, an der Dämonisierung des jüdischen Staates teilzuhaben. Gleichzeitig können sich die Palästinenser darauf verlassen, dass ihnen nicht nur vieles nachgesehen wird, sondern dass man ihnen auch nicht zutraut, ausgerechnet das zu tun, was sie anderen so vehement vorwerfen. Dabei ist genau das der Fall. Insbesondere die Hamas hat keine nennenswerten Skrupel, Kinder für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, das heisst: sie zu indoktrinieren, als Kanonenfutter zu missbrauchen, in den Tod zu schicken, zu Mördern zu machen. Vollkommen üblich ist es beispielsweise, sie als «menschliche Schutzschilde» zu beanspruchen, wenn Israel einen Militärschlag gegen eine Stellung der Hamas ankündigt – schliesslich steigen so die Chancen für die Gotteskriegerpartei, exakt die Bilder zu bekommen, die sich anschliessend für eine flammende Anklage gegen Israel verwenden lassen. Dass sie von europäischen Medien und Politikern für diese Form der Kindesmisshandlung verurteilt wird, muss die Hamas nicht fürchten.

Auch zum Bau der Tunnel, die die Hamas für den Transport von Kriegsgerät und Terroristen verwendet, werden oftmals Kinder herangezogen – was in der Vergangenheit für einige von ihnen tödliche Folgen hatte. «Al-Aqsa TV», ein Fernsehsender der Hamas, ruft derweil im Kinderprogramm regelmässig zum Mord an Juden auf und verbreitet immer wieder antisemitische Legenden. Die Hamas hält sich zudem eine regelrechte Kinderarmee, erzieht sie zum Dschihad und unterweist sie im Gebrauch von Waffen. Sie veranstaltet im Sommer militärische Trainingslager, an denen Zehntausende von minderjährigen Palästinensern teilnehmen. Dort wird ihnen, wie der palästinensische Journalist Khaled Abu Toameh berichtet, «beigebracht, dass Selbstmordbomber der Hamas und Terroristen, die für den Tod Hunderter Israelis in den vergangenen Jahrzehnten verantwortlich sind, Vorbilder seien, denen es nachzueifern gelte». Ausserdem wird ihnen gezeigt, wie man einen Angriff auf einen israelischen Militärstützpunkt durchführt und israelische Soldaten tötet und gefangen nimmt. «Diese Lager», sagt der Hamas-Offizier Khalil al-Hayah, «dienen dazu, eine Generation vorzubereiten, die den Koran und das Gewehr trägt».

Aufstachelung von Kindern auf allen Ebenen
Wer nun glaubt, aufseiten der angeblich gemässigten Palästinensischen Autonomiebehörde sehe es anders aus, irrt gewaltig. Wie die Hamas lobpreisen auch sie die zumeist sehr jungen Attentäter, die seit Oktober des vergangenen Jahres nahezu täglich mit Messern und anderen Waffen auf jüdische Israelis einstechen, und erklären sie im Falle von deren Tötung durch israelische Sicherheitskräfte zu «Märtyrern». Mehr noch: Sie heizen das lebensgefährliche Treiben selbst an. Jüngst erklärte beispielsweise dem israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet zufolge der erst 15-jährige Mörder der Israelin Dafna Meir, die er Mitte Januar in der Ortschaft Otniel mit mehreren Messerstichen tödlich verletzt hatte, er habe vor seinem Angriff regelmässig das Programm des offiziellen Fernsehsenders der Autonomiebehörde (PA-TV) geschaut, in dem Israel als Staat dargestellt werde, der «palästinensische Jugendliche tötet». Am Tag des Mordes habe er unter dem Eindruck der Fernsehsendungen schliesslich die Entscheidung getroffen, mit einem Messer auf einen Juden oder eine Jüdin loszugehen.

Wie die Fernsehsender der Autonomiebehörde und der Fatah die Palästinenser – auch und gerade die jüngsten von ihnen – zum Hass auf Israelis erziehen, dokumentiert «Palestinian Media Watch» immer wieder. In den Schulen wird dieser Hass ebenfalls gezielt verbreitet, das Gleiche gilt für die sozialen Netzwerke. Die Fatah liess bei den «Feierlichkeiten» zum 51. Jahrestag ihrer Gründung sogar Kinder mit Sprengstoffgürteln auflaufen. Angesichts all dessen überrascht es nicht, dass die Messer-Attentäter oft minderjährig und bisweilen sogar noch Kinder sind. «Offizielle Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde behaupten, unsere Kinder träfen diese Entscheidung unabhängig und dass niemand sie losschickt, um Terroranschläge zu verüben», schreibt der palästinensische Wissenschaftler und Publizist Bassam Tawil. «Aber in Wirklichkeit weiss jeder Palästinenser, dass hinter diesen angeblich ‹unabhängigen›, ‹spontanen› Angriffen eine organisierte, wohl überlegte Aufstachelung steckt, teilweise von Politikern und teilweise von durch Kleriker ausgegebene Fatwas.»

Finstere Kultur von Mord und Tod
Wenn die Kinder dann bei der Ausübung ihrer Mordtaten getötet würden, so Tawil weiter, behaupteten sowohl die Autonomiebehörde als auch die Hamas, dass die Israelis sie hingerichtet hätten. Sie verklärten diese Minderjährigen dann und machten aus ihnen «Vorbilder für andere Loser-Kids». Anschliessend bezahlten sie ihren Familien enorme Prämien. «Sie schicken Minderjährige los, um ihre schmutzige Arbeit zu erledigen, während sie genau wissen, dass diese wahrscheinlich von den israelischen Sicherheitskräften getötet werden.» Es quäle ihn zu sehen, schreibt Tawil, «wie diese jungen Menschen zu Schnäppchen-Material gemacht werden». Die Kinder würden geopfert «durch eine zynische Palästinenserführung, die eine finstere Kultur von Mord und Tod nährt». Jeder, der junge Menschen losschicke, damit diese töten und getötet werden, sei «selbst ein Mörder».

«FRIEDEN WIRD ES GEBEN, WENN DIE ARABER IHRE KINDER MEHR LIEBEN, ALS SIE UNS HASSEN.»

Golda Meir sagte schon 1957 in einer Rede vor dem «National Press Club» in Washington in ihrer Funktion als israelische Aussenministerin: «Frieden wird es geben, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben, als sie uns hassen.» Zwölf Jahre später äusserte sie, inzwischen Premierministerin, auf einer Pressekonferenz in London: «Wenn es Frieden gibt, werden wir den Arabern vielleicht noch rechtzeitig verzeihen können, dass sie unsere Söhne getötet haben. Aber es wird schwieriger für uns sein, ihnen zu verzeihen, dass sie uns gezwungen haben, ihre Söhne zu töten.» Diese Feststellungen haben nicht nur nichts an Gültigkeit eingebüsst, sie sind vielmehr aktueller denn je. Der «Kindermörder»-Vorwurf, der von palästinensischer Seite gegenüber Israel erhoben wird, fällt auf die Palästinenser zurück. Sie selbst sind es, die das Leben ihrer Jüngsten zerstören.

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Alex Feuerherdt

Über Alex Feuerherdt

Alex Feuerherdt ist freier Autor und lebt in Köln. Er hält Vorträge zu den Themen Antisemitismus, Israel und Nahost und schreibt regelmässig für verschiedene Medien, unter anderem für die «Jüdische Allgemeine», «n-tv.de», «Konkret» und die «Jungle World». Zudem ist er der Betreiber des Blogs «Lizas Welt».

Alle Artikel
  • Mark Nu

    „Hamas sees the war as the way to liberate the land“, (sagt Sheik Ahmed Salama, Hamas)

    So führen Sie nun seit fast siebzig Jahren einen offenen bewaffneten Krieg
    – mittlerweile kämpfen sie mit Messern, Scheren, Beilen und Schußwaffen, während der Gegner aufgerüstet hat zu Kampfflugzeugen, Panzern und Atombomben.

    Aber niemandem fällt es ein, sich zu fragen, ob nach soviel „try and error“ der bewaffnete Krieg von Intelligenz zeugt.

  • Lustenberger Uri

    Weltweit werden Kindersoldaten von der Völkergemeinschaft geächtet, im Gazastreifen werden diese Kindersoldaten für die Zwecke der Hamas instrumentalisiert und ein Teil dieser Völkergemeinschaft bejubelt sie. Zynischer geht’s nicht !