Laut einer KPMG-Studie sind hiesige Unternehmen nur ungenügend gegen Cyberkriminalität geschützt. Das schweizerisch-israelische Startup Cyverse von Shira Kaplan schafft Abhilfe und bringt israelisches Datensicherheits-Know-how nach Zürich.

Von Yoav Dreifuss

Beim Wort Cyber-Security denken wohl viele an den ungenügenden Virenschutz des Computers zu Hause oder geraten in Zweifel, ob denn die Kreditkartenzahlung übers Smartphone auch wirklich sicher sei. Doch das Thema ist zunehmend auch für Unternehmen von grosser Bedeutung. Es gibt eine wachsende Zahl von Fällen, in denen nach Angriffen aus dem Netz auf Firmen private Daten widerrechtlich an die Öffentlichkeit gelangen. Dies kann der Reputation des Unternehmens schaden und zu immensen finanziellen Schäden führen. Ein Beispiel dafür ist der Sony-Hack 2014, als unter anderem vertrauliche Daten über Mitarbeiter, interne E-Mails und unveröffentlichte Filme geklaut und dann veröffentlicht wurden.

Exponierte Schweizer Unternehmen
Eine in der Schweiz durchgeführte und im Mai 2015 publizierte KPMG-Studie kommt zum Schluss, dass von Cyberkriminalität betroffene Unternehmen hierzulande nur unzureichend für Bedrohungen gewappnet zu sein scheinen und sich nach wie vor zu reaktiv verhalten. Einige Sektoren seien noch nicht ausreichend aufs Thema Internet-Sicherheit vorbereitet. 63% der befragten Cyber-Security Experten in Schweizer Unternehmen geben jedoch an, dass sie sich als attraktives Ziel von Cyberbedrohungen sehen. „Angesichts der strategischen Bedeutung von Cyber-Security dürfen Cyberrisiken nicht mehr nur reaktiv gemanagt werden“, schreiben die Verfasser der Studie,  Dr. Matthias Bossardt und Gerben Schreurs. Sie empfehlen die Erarbeitung einer wirksamen Strategie zur Prävention und zur verbesserten Reaktionsfähigkeit auf allfällige Angriffe.

Dies sieht auch Max Klaus so, der stellvertretende Leiter der MELANI, der Melde- und Analysestelle Informationssicherung in der Schweiz: „Wir verzeichnen eine zunehmende Zahl an gezielten und professionell durchgeführten Angriffen“. Die meisten Angreifer hätten es auf finanzielle Ressourcen abgesehen. Doch in vielen Unternehmen sei das Bewusstsein noch nicht hinreichend ausgeprägt.

Gefragte israelische Technologie
Genau an diesem Punkt setzt die israelische Datensicherheits-Spezialistin Shira Kaplan an.  Mit ihrem Startup Cyverse berät die Jungunternehmerin von Küsnacht ZH aus Schweizer Unternehmen in der digitalen Abwehr. Cyverse bringt Schweizer Grosskonzerne in Kontakt mit jungen israelischen Technologiefirmen und investiert auch selber in die Sicherheits-Startups.

Die israelische Datensicherheits-Spezialistin Shira Kaplan. Foto zVg
Die israelische Datensicherheits-Spezialistin Shira Kaplan. Foto zVg

Israel gehört zu den führenden Cyber Security Nationen und hält 5% vom globalen Markt, 2013 erreichten die Exporte 3 Milliarden US Dollar. Der Knotenpunkt der rund 300 israelischen Startups ist dabei nicht mehr nur die Startup-Metropole Tel Aviv. Auch Beersheva im Süden Israels wird zunehmend zu einem globalen Cyber Hub. Einerseits werden unzählige auf Cyber spezialisierte Armeeeinheiten dorthin verlegt, andererseits haben sich schon unzählige Firmen aus der Branche dort niedergelassen.

In der israelischen Armee hat auch Shira Kaplan, der CEO von Cyverse, zwei Jahre gedient und holte sich dort in einer Elite-Technologie-Einheit im Geheimdienst das Rüstzeug zur Abwehr von Cyber Attacken. Die Jungunternehmerin hat zuerst in Tel Aviv und dann in Zürich für eine Privatbank gearbeitet, bevor sie sich beruflich umorientierte und zusammen mit der in der Telecom- und Internetbranche tätigen Mehrfachgründerin Anat Bar-Gera die Cyverse AG aufbaute. „Wie viele andere aus meiner ehemaligen Technologie-Einheit in der Armee habe auch ich ein Unternehmer-DNA“, erklärt sie. Kaplan lebt seit fünf Jahren in Zürich und sieht die Stadt als ausgezeichneter Standort, um ihre Dienstleistungen europaweit anzubieten. Seit den Terroranschlägen in Paris vor einem Monat hat sie ein verstärktes Interesse am Thema Internet-Sicherheit feststellen können.

Grosse Nachfrage
Für die Schweiz sieht die Jungunternehmerin vor allem zwei Herausforderungen. Einerseits ist da die boomende Fintech-Branche. E-Banking ist hoch im Kurs, aber die Risiken seien nicht zu unterschätzen; „Je besser vernetzt die Kunden sind, desto stärker sind sie und die Banken Cyber-Security Gefahren ausgesetzt“. Weiter sieht die Firmengründerin bei der Schweizer Infrastruktur Handlungsbedarf; Verkehrsnetze, Kraftwerke und die Wasserversorgung müssten vor Cyber-Attacken geschützt werden. Insbesondere auch, weil ganz Europa damit vernetzt sei. Neben den Banken zählen auch Versicherungen, Industrieunternehmen, Pharma- und Chemiefirmen und global führende Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zum Kundenstamm. „Sie alle sind auf der Suche nach Cyber-Security Dienstleistungen. Solche, die Israel eben anbietet“, sagt die 32-jährige, die an den Universitäten Harvard und St. Gallen studiert hat.

„Israel wird in der Schweiz als Wissenszentrum wahrgenommen in der Internet-Sicherheit und auch allgemein im Sicherheitsbereich. Unsere Schweizer Geschäftspartner wissen, dass wir Israelis von Geburt an mit dem Thema Sicherheit konfrontiert werden.  Wir und auch die Cyber-Security Experten, die wir in die Schweiz bringen,  verfügen aus den Technologie-Einheiten der Armee über viel Wissen. Dies verleiht uns Glaubwürdigkeit“, erklärt Kaplan.

Die Unternehmerin schaut aber bereits auch ins europäische Ausland: „Wir möchten in den nächsten paar Jahren definitiv wachsen“, erklärt sie. Kaplan glaubt, dass Cyverse sich in einer guten Position befindet,  um zum europäischen Brückenkopf für israelische Datensicherheitsfirmen zu werden. Ihr Ziel ist, dass Cyverse für Grossunternehmen europaweit zur Anlaufstelle erster Wahl wird, wenn es ums Thema Cyber-Security geht.

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