Pro Gaza-Demo. Zürich, Juni 2010. Foto zVg
Lesezeit: 4 Minuten

Die jüngsten mörderischen Angriffe palästinensischer Terroristen auf israelische Juden scheinen «propalästinensische» Aktivisten keineswegs um den Schlaf zu bringen. Teilweise werden die Taten von ihnen sogar gerechtfertigt. Verwunderlich ist das gleichwohl nicht, wenn man weiss, was sie antreibt.

In den vergangenen Tagen hat sich der palästinensische Terror wieder einmal verschärft; gleich mehrere Israelis sind ihm zum Opfer gefallen. In der Nähe von Itamar etwa erschossen Terroristen das Ehepaar Eitam und Naama Henkin in deren Auto, vier Kinder der beiden sassen auf der Rückbank des Fahrzeugs und mussten den Mord mit ansehen. In Jerusalem erstach ein Palästinenser die beiden jüdischen Israelis Aharon Banita und Rabbi Nehemia Lavi, zudem verletzte er die Frau von Banita schwer und ihr zwei Jahre altes Kind leicht. Ebenfalls in Jerusalem näherte sich eine 18-jährige Palästinenserin einem israelischen Mann von hinten und stach ihm mit einem Messer in den Rücken. Einen Tag später nutzte ein 19-jähriger Palästinenser im Norden der Stadt die gleiche Waffe, um einen 25-jährigen jüdischen Seminarschüler niederzustechen und ihn schwer zu verletzen. Und das sind nur einige Beispiele von vielen. Wie gehabt rühmt und feiert die Hamas diese Taten überschwänglich. Aus dem Gazastreifen werden derweil erneut Raketen auf Israel geschossen.

In den westlichen Ländern erfährt man allerdings nur wenig über diese neuerliche Eskalation. Und das war vorhersehbar, wie Jonathan Hunter in der «Times of Israel» schreibt: «Diejenigen, die den lieben langen Tag jedes vermeintliche Verbrechen des israelischen Staates akribisch dokumentieren, die darüber twittern und berichten, werden nun eigenartig still sein. Das Rufen und Schreien, die langatmigen Blogartikel und Moralpredigten, die nächtlichen Mahnwachen bei Kerzenschein und die ‹Die-ins›, die Resolutionen von Studentenvertretungen und die Boykottaufrufe – all diese Aktivitäten sind exklusiv reserviert für den idiotischen Vandalismus einiger extremistischer Siedler.» Wenn dagegen israelische Juden ermordet werden, gebe es keine vergleichbare Empörung, so Hunter weiter. «Stattdessen herrscht ohrenbetäubendes Schweigen.»

Schlimmer noch: Manche verharmlosen die Taten oder rechtfertigen sie sogar und klagen ansonsten weiter unbeirrt über angebliche israelische Vergehen. Hunter, der in Oxford Geschichte studiert, zählt einige Beispiele aus Grossbritannien auf. So schrieb beispielsweise ein in der antiisraelischen BDS-Bewegung aktiver Physiker, es gebe «keinen Grund, sich über die Gewalt der Palästinenser zu beschweren», schliesslich würden ihnen «grundlegende Rechte» verweigert. Malaka Mohammed, die von BDS-Aktivisten auf der Insel in besonderem Masse verehrt wird, bat auf Twitter um den Segen Allahs für Muhannad Shafeq Halabi, den Mörder von Aharon Banita und Rabbi Nehemia Lavi. Auch die «Friends of Al-Aqsa», eine der grössten «propalästinensischen» Gruppen im Vereinigten Königreich, erhofften sich auf ihrer Facebookseite göttlichen Zuspruch für die Täter, die bei ihnen als Opfer israelischer Soldaten firmieren.

«Ich verstehe einfach nicht, warum die Heerscharen von propalästinensischen Experten und Aktivisten sich weigern, den palästinensischen Terrorismus zu verurteilen», fährt Jonathan Hunter fort. «Ich bin verwundert, dass sie schweigen. Ich bin schockiert, dass sie sogar versuchen, die Morde zu entschuldigen oder zu feiern.» Aktivisten, die Einfluss auf Tausende von Menschen ausübten, hätten «eine moralische Verpflichtung, ihre riesige Gefolgschaft darüber aufzuklären, dass die Ermordung von Unschuldigen ein feiges Verbrechen ist», so Hunter. «Andernfalls werden weitere terroristische Akte begünstigt und befördert.» Die Fürsprecher der Palästinenser müssten die Attacken palästinensischen Terroristen genauso verurteilen, wie es die Freunde Israels getan hätten, als Ende Juli ein Brandanschlag auf eine palästinensische Familie in Duma verübt wurde, bei dem ein 18 Monate altes Kind starb.

Pro Gaza-Demo. Zürich, Juni 2010. Foto zVg
Pro Gaza-Demo. Zürich, Juni 2010. Foto zVg

So (auf)richtig es ist, was Jonathan Hunter schreibt, so sehr vernachlässigt er die Gründe, warum die «propalästinensischen» Kräfte sich nicht zu einer Verurteilung der terroristischen Attacken auf Juden durchringen mögen: Es geht ihnen gar nicht um das Wohl der Palästinenser, was schon an ihrem nicht minder ohrenbetäubenden Schweigen zu erkennen ist, das immer dann verlässlich einsetzt, wenn die Gewalt gegen Palästinenser nicht dem jüdischen Staat zugerechnet werden kann. Die Brutalitäten zwischen Hamas und Fatah etwa sind für sie genauso wenig ein Thema wie die tödlichen Angriffe auf das palästinensische Flüchtlingslager im syrischen Jarmuk, sei es durch Assads Truppen wie im Dezember 2012, sei es durch den «Islamischen Staat» wie im April dieses Jahres. No Jews, no News, könnte man sagen. Die Palästinenser sind für ihre selbsternannten Anwälte nur ein Mittel zum Zweck.

In Wahrheit ist die Motivation der «propalästinensischen» Aktivisten eine antiisraelische. Sehr deutlich hat das vor allem Tuvia Tenenbom in seinem Buch «Allein unter Juden» herausgearbeitet. Darin kritisiert der amerikanisch-israelische Publizist das Wirken der vermeintlich für die Palästinenser kämpfenden Nichtregierungsorganisationen scharf. Er sei bei seinen Recherchen auf viele Vereinigungen gestossen, die angeblich die Durchsetzung der Menschenrechte und den Frieden zum Ziel haben. Sie widmeten sich, so Tenenbom, «in Wahrheit aber der Zerstörung des Staates Israel und der Delegitimierung seiner jüdischen Bürger». Die europäischen Aktivisten reisten dabei «Tausende von Kilometern, um den Juden zu erwischen – wo immer sie ihn finden». Sie verstünden sich «als rechtschaffene Leute», seien aber «in Wirklichkeit Menschen, die an einem Überlegenheitsgefühl kranken, und ihr Judenhass ist unerträglich».

Alex Feuerherdt

Über Alex Feuerherdt

Alex Feuerherdt ist freier Autor und lebt in Köln. Er hält Vorträge zu den Themen Antisemitismus, Israel und Nahost und schreibt regelmässig für verschiedene Medien, unter anderem für die «Jüdische Allgemeine», «n-tv.de», «Konkret» und die «Jungle World». Zudem ist er der Betreiber des Blogs «Lizas Welt».

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4 KOMMENTARE

  1. Attacken auf israelische Zivilisten wurden sehr wohl verurteilt:
    Ihre Korrespondentin in Israel, Frau Scheiner, wird Ihnen das bestimmt bestätigen.

    Free Palestine Zurich shared In the NOW’s video.
    November 10 at 9:32am ·

    Wie verzweifelt müssen diese Menschen sein?
    Attacken auf Zivilisten sind jedoch kriminelle Akte und werden durch
    das Internationale Recht nicht gedeckt.
    Bewaffneter Widerstand (Armed struggle) gegen die Besatungsarmee hingegen, ist gemäss Internationalem Recht legal.
    A/RES/3246 (XXIX)
    29 November 1974
    „3. Reaffirms the legitimacy of the peoples‘ struggle for liberation form colonial and foreign domination and alien subjugation by all available means, including armed struggle;“
    http://daccess-dds-ny.un.org/…/GEN/NR0/738/48/IMG/NR073848.…
    A/RES/37/43
    3 December 1982
    2. Reaffirms the legitimacy of the struggle of peoples for
    independence, territorial integrity, national unity and liberation from
    colonial and foreign domination and foreign occupation by all available means, including armed struggle;

    3. Reaffirms the inalienable right of the Namibian people, the
    Palestinian people and all peoples under foreign and colonial domination to self-determination, national independence, territorial integrity, national unity and sovereignty without outside interference;
    http://www.un.org/documents/ga/res/37/a37r043.htm
    FP

    Chilling video of Palestinian woman trying to stab ‪#‎Israel‬ guard with knife hidden in her purse outside ‪#‎WestBank‬ settlement
    https://www.facebook.com/FreePalestineZurich/posts/538839162941786

    • Sie meinen das nicht im Ernst Herr Bosshart? Dies soll eine Verurteilung sein? Mir scheint es eher ein Aufruf zum „bewaffneten Widerstand“ zu sein, was gleichzusetzen wäre mit Attacken auf Attacken auf israelische Zivilisten…

      • wirklich?
        die UN resolutionen erachten sie als aufruf zu attacken auf zivilisten?
        in den resolutionen steht jedoch nichst davon.
        die resolutionen schreiben lediglich das recht fest, sich gegen die besatzung zu wehren – das sah unser „Tell“ auch so.

    • Der obige Beitrag ist zweifelsfrei eine Relativierung der Mordanschläge auf israelische Zivilisten. Da kann die UNO meinetwegen ohne Ende rauf und runter zitiert werden.

      Schon die Wortwahl „Wie verzweifelt müssen diese Menschen sein? Attacken auf Zivilisten sind jedoch kriminelle Akte und werden … blablabla“ entlarvt die menschenverachtende Geisteshaltung von Sympathisanten.

      Jaja, die „Verzweifelten“ –, sie können einfach nicht anders als möglichst oft und möglichst viele Israelis abstechen. Das muss man einfach verstehen, so verzweifelt, wie die sind. Zum Glück haben diese Mörder europäische Freunde, die ihnen zumindest verbal helfend beispringen. So stiehlt sich wenigstens ab und zu mal ein dankbares Lächeln in die ansonsten durchgehend „verzweifelten“ Gesichter.

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