Der mutmassliche Todesschütze auf das Brüsseler Jüdischen Museum. Foto Belgian Federal Police
Der mutmassliche Todesschütze auf das Brüsseler Jüdische Museum. Foto Belgian Federal Police

Das Klima für Juden in Europa ist rauer geworden. Im jüdischen Museum in Brüssel tötet ein Attentäter vier Menschen. Der Täter ist noch immer flüchtig, gemäss Staatsanwaltschaft gäbe es keine Hinweise auf einen terroristischen oder antisemitischen Hintergrund; Innenministerin Joëlle Milque spricht nur von einer „starken Vermutung“.

Wenige Stunden später greifen zwei Männer im Südosten Paris‘ zwei junge Juden in unmittelbarer Nähe einer Synagoge an. Einer von ihnen wird durch einen Schlagring schwer verletzt. Die Täter entkommen. Während antisemitische Übergriffe in den Grossstädten Europas längst im Wochentakt zu vermelden sind, gehören Attentate wie dasjenige von Brüssel nicht zur Tagesordnung. Noch nicht.

Der Terroranschlag von Mohamed Merah auf eine jüdische Schule in Toulouse 2012 sowie der Mord an Ilan Halimi in Paris 2006 zeigen auf, dass sich auch solche „Einzelfälle“ in regelmässigen und immer kürzeren Abständen ereignen.

Das Klima für Juden in Europa ist in den vergangenen Jahren rauer geworden. Sei es im schwedischen Malmö, wo der sozialdemokratische Bürgermeister die Schuld für den ansteigenden Antisemitismus bei den Juden selbst vermutet und verkündet, in seiner Stadt dulde man weder „Antisemitismus noch Zionismus“. Sei es in Frankreich, wo auf einer Demonstration am Abend des Holocaust-Gedenktags hundertfach „Juden raus aus Frankreich!“ skandiert wird und ein Komiker namens Dieudonné mit seinen antisemitischen Bühnenexzessen junge Migranten aus Nordafrika gleichermassen in Ekstase zu versetzen weiss wie französische Neonazis.

In absehbarer Zeit wird es keine Holocaust-Überlebende mehr geben, dennoch haben in Deutschland, Österreich und auch der Schweiz gemäss der Antisemitismus-Studie der Anti Defamation League (ADL) jeweils mindestens 50% der Bevölkerung das Gefühl, dass die Juden zu viel über den Holocaust sprechen würden. Es braucht wahrlich nicht viel Vorstellungsvermögen um festzustellen, dass es sich hierbei um eine Projektion handelt; namentlich den Wunsch, mit der Vergangenheit reinen Tisch zu machen, um den eigenen judenfeindlichen Ressentiments endlich wieder ungestört frönen zu können.

Obwohl die gesellschaftliche Tabuisierung des Antisemitismus seit jeher eine prekäre Angelegenheit war, vermochte sie immerhin allzu grobe antisemitische Ausbrüche in der Öffentlichkeit wenn schon nicht zu verhindern, so doch immerhin zu einem gewissen Grad einzudämmen. Zu frisch war die Erinnerung an das Grauen der europäischen Judenvernichtung als dass allzu expliziter Antisemitismus von der Öffentlichkeit und insbesondere auch der gesellschaftlichen Elite goutiert worden wäre. Antisemitismus, so der Grundtenor, war die Sache einer ewig gestrigen Minderheit rechtsextremer Provenienz.

Längst aber hat der Antisemitismus wieder in die Mainstream-Gesellschaft zurückgefunden und zwar über den Antizionismus und seine vermeintlich abgeschwächte Spielart „Israelkritik“. Deren beider Zweck besteht darin, die Legitimität Israels mittels frei erfundenen Schauermärchen, Geschichtsverfälschung und sonstigen Verdrehungen – die freilich, und teils durchaus erfolgreich, als Fakten und Tatsachen verkauft werden – zu negieren. Wenn die Juden Israel solch schreckliche Verbrechen begehen, dann wird man doch noch sagen dürfen, dass…

Insbesondere von israelischen Beobachtern ist immer wieder warnend darauf hingewiesen worden, dass solche anti-israelischen Aufhetzungen ein judenfeindliches Klima geschaffen haben. Mohamed Merah hat seine Morde als Rache für die „israelischen Verbrechen“ gerechtfertigt und der Hass-Clown Dieudonné will seine Quenelle, ein Abwandlung des Hitlergrusses, als Protestsymbol gegen Zionisten und allgemein „die da oben“ verstanden wissen.

Ein Umfeld, in dem antijüdische (und auch schwulenfeindliche oder rassistische) Äusserungen und Agitationen nicht konsequent geahndet werden, senkt die Hemmschwelle jener, die bereit sind, ihre Gesinnung in Taten umzusetzen, sobald sie einen gewissen gesellschaftlichen Rückhalt zu verspüren meinen. Geradezu fatal ist in dieser Hinsicht das Urteil des Schweizer Bundesgerichts, das einen öffentlich zur Schau gestellten Hitlergruss für nicht strafbar erklärt, solange damit nicht für den Nationalsozialismus geworben, sondern lediglich die eigene Gesinnung zur Schau gestellt werde. Auf eine solche Spitzfindigkeit muss man erst einmal kommen!

Angesichts der Wahlerfolge von europäischen Parteien mit offen antisemitischen Positionen ist zu befürchten, dass sich die Situation für Juden in Europa in Zukunft noch weiter verschlechtern wird. Allein in Frankreich hat sich die Ausreise von Juden nach Israel im ersten Quartal von 2014 im Vergleich zum letzten Jahr vervierfacht. Wer könnte es ihnen verdenken?

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  • Alex

    Der neue Antisemitismus: Moslems vertreiben schwedische Juden

    AntiJüdische Hetze im Arabischen TV.

    Warum Muslime Schweine nicht essen sollten – Christian Prince

  • david

    Shalom ,

    schon in ser Nazizeit haben die Schweizer Behorden mit den Nazis zusannen gearbeutet. Ein Onkel, Tante und Kind, denen
    dze Flucht in dei Schweiz gelungen war<<wurde an Nazibehörden´n ausgeliefert ,ins KZ gebracht und ermordet.
    Ich bin 85 Jahre alt und habe bis heute keinen Fuss in die nazistische Schweiz gesetzt die ein teil meiner Familie ermordet hat.
    erev tov david

  • nussknacker56

    Eine notwendige Ergänzung fehlt noch: 😉

    8. Ein antisemitischer Hintergrund bei entsprechenden Delikten kann nur dann als gesichert angenommen werden, wenn ein schriftliches Bekennerschreiben vorliegt, das zweifelsfrei dem mutmaßlichen Verursacher zuzuschreiben ist. Einfluss von Alkohol, eine schwierige Kindheit sowie mögliche allgemeine, kulturell bedingte, Konflikte sind bei einer eventuellen Ahndung strafmildernd zu berücksichtigen.

  • Nach den Wahlen in der EU 2014 wird Vieles in der neuen EU und in der Schweiz anders.
    Infolge der zunehmenden Angriffe auf Juden in der neuen EU und in der Schweiz sind Polizei und Behörden überfordert. Die Sicherheitsbehörden in der EU und in der Schweiz haben beschlossen:
    1. Es werden nur noch Attentate mit Todesfolge geahndet.
    2. Betreuung Verletzter, auch Kinder, ist Sache ihrer Angehörigen.
    3. Geahndet werden höchstens 2 Fälle täglich.
    4. Die hinterbliebenen Familien müssen alle Kosten übernehmen.
    5. Alle anfallenden Kosten müssen die jüdische Gemeinden übernehmen.
    6. Mitglieder von registrierten jüdischen anti-zionistischen Organisationen werden bevorzugt behandelt und erhalten auf anfallende Kosten 12.5% Rabatt.
    7. Gefasste Täter erhalten Hausarrest. Im Wiederholungsfall werden ihre Waffen eingezogen.
    Die Polizei ist mit der Häufung der Mordanschläge überfordert und muss sich auch anderen Bürgern und sozialen Problemen annehmen. Die neuen, 2014 gewählten Parteien sehen dies als eine ideale Lösung der Probleme insbesondere in Bezug auf Kosten und Prioritäten an.
    PS: In Anlehnung an das Buch „1984“, Berichte und Bücher aus dem 2. Weltkrieg, Zeitungsberichte von den Wahlen 2014, und Ahnungen und meiner persönlichen Meinung.