Plakat der
Plakat der "Palästina-Solidarität" am Zürcher Hauptbahnhof.

Es ist wieder soweit. Fast jedes Jahr, ungefähr zum Zeitpunkt des israelischen Unabhängigkeitstages (Yom Ha’atzmaut), hängen am Zürcher Hauptbahnhof Plakate, die den „israelischen Landraub“ und das „Unrecht an den Palästinensern“ beklagen. In diesem Jahr dürfte die Plakataktion etwas mehr Aufsehen erregen, da sämtliche Kopfperrons davon abgedeckt werden. Hinter der Aktion steckt primär Verena Tobler, über die Audiatur bereits vor einigen Jahren geschrieben hat. Dieses Jahr dienen als Motiv unter anderem jene allseits bekannten Landkarten, die vorgeben, den vermeintlichen Landraub Israels zu dokumentieren.

Die vermeintlichen „Tatsachen“, die diese Karten immer wieder weltweit verbreiten, sind an anderer Stelle schon mehrfach widerlegt worden. Lizas Welt hat vor ca. 2 Jahren eine Analyse des israelischen Historikers Yaacov Lotzowick ins Deutsche übersetzt:

[quote_box_center]Fangen wir mit der Karte von 1946 an. [i] Selbst wenn man sie einzeln betrachtet, also getrennt von der Serie, ist sie insofern irreführend, als sie zwei verschiedene Arten von Information enthält: Ihre Umrisse zeigen das von den Briten kontrollierte, gemeinhin Palästina genannte Territorium. Da es sich um die Karte einer politischen Einheit handelt, müsste das Gebiet eigentlich vollständig mit einer einzigen Farbe gefüllt sein, schließlich wurde das gesamte Land von den Briten beherrscht, die weißen Teile genauso wie die grünen. Wollte man dagegen privaten Landbesitz unter britischer Souveränität entlang ethnischer Kriterien darstellen, müsste das Grüne durch einen Mischmasch von Farben ersetzt werden: Ein Teil des Landes gehörte Juden, ein anderer jenen Arabern, die man heute Palästinenser nennen würde, ein weiterer arabischen Grundbesitzern (Libanesen, Syrern, Ägyptern etc.), die nicht auf ihrem Land lebten, wieder ein anderer europäischen Kirchen (beispielsweise der katholischen, protestantischen, griechisch-orthodoxen oder russisch-orthodoxen). Der bei weitem größte Teil des Landes aber gehörte keinem der Genannten und somit der Regierung, also den Briten.

Wenn ich es richtig sehe, wird auf der Karte das jüdische Eigentum an Grund und Boden in Jerusalem (wo es eine jüdische Mehrheit gab) übergangen; Gleiches gilt für Ortschaften wie Gusch Etzion und Neve Yaacov, für Siedlungen am Toten Meer sowie in Hebron, in Safed, in Naharia und dem Hinterland, in Kfar Darom im Gazastreifen und so weiter. Aber das Hauptproblem mit dieser Karte ist nicht, dass sie über jüdisches Eigentum an Grund und Boden hinweggeht, sondern vielmehr die implizite Behauptung, dass alles Land, welches nicht Juden gehörte, »Palästina« war. Und das stimmt nicht. Wenn hier Landbesitz dargestellt werden soll, dann müsste der größte Teil des Territoriums als der britischen Regierung gehörend abgebildet werden; geht es um politische Souveränität, dann war sogar das gesamte Gebiet britisch.

Die zweite Karte beschäftigt sich nicht mehr mit dem Thema Landbesitz, und die Serie kehrt auch nicht mehr dorthin zurück. Es handelt sich vielmehr um eine halbwegs genaue Darstellung des UN-Teilungsplans vom 29. November 1947 – mit einer eklatanten Auslassung allerdings, nämlich der Gegend um Jerusalem und Bethlehem, die eindeutig nicht einer Seite zugeordnet, sondern als corpus separatum behandelt wurde. Ich betone: Jerusalem und Bethlehem. Der Kartenzeichner hat also einem prospektiven Staat Palästina ein sehr wichtiges Stück Land zugeschlagen, das er in Wirklichkeit nie hatte.

Diese Karte bildete natürlich niemals eine Wirklichkeit ab. Zur Zeit des UN-Teilungsplans wurde sie von allen arabischen Staaten abgelehnt, die eine Stimme hatten, und darüber hinaus auch von den einheimischen Arabern, die sich seinerzeit – anders als heute – nicht durchweg Palästinenser nannten. Ich werde mich hier nicht mit der Frage beschäftigen, wer den UN-Teilungsplan durchkreuzte, aber ich glaube, man kann sagen, dass dabei alle Seiten eine Rolle spielten: der Jischuw, el-Husseinis palästinensische Truppen, al-Qawuqjis Truppen sowie die ägyptischen, jordanischen, syrischen, irakischen und libanesischen Truppen, die am Kampf um ein Territorium teilnahmen, das zuvor unter britischer Herrschaft gestanden hatte.

Die dritte Karte (1949–1967) ist auf ihre eigene Weise irreführend. Sie zeigt Israel in weiß und zwei andere Gebiete in einheitlichem Grün – dem gleichen Grün, das in den ersten beiden Karten palästinensisches Territorium markieren sollte. Natürlich stimmt das nicht mit der historischen Wirklichkeit überein: Der Gazastreifen wurde von Ägypten kontrolliert, nicht von den Palästinensern, und sollte von Rechts wegen als ägyptisch besetzt bezeichnet werden. Das grössere grüne Gebiet wurde von Jordanien kontrolliert und annektiert; die Bewohner bekamen die jordanische Staatsbürgerschaft, weshalb ich nicht weiss, ob dieses Territorium, rechtlich gesehen, besetzt war oder nicht. Falls ja, dann war sein Status wahrscheinlich ähnlich wie der unter israelischer Herrschaft nach 1967: besetzt eben, mit Siedlern aus dem Besatzerstaat. Wenn es nicht besetzt war, dann war es ein Teil von Jordanien. (Das ist ja auch der Grund für den Namen »Westbank« bzw. »Westjordanland«: die westliche Hälfte von Jordanien.) Wie auch immer: Als Palästina kann man es jedenfalls nicht bezeichnen.

Bemerkenswert ist auch, dass die Karte es vermeidet, sich mit dem privaten Landbesitz zu beschäftigen – was ja das Thema der ersten Karte war. Würde sie diesen Besitz anzeigen, dann müsste an ihr deutlich werden, dass ein Teil des Gebietes innerhalb Israels natürlich Palästinensern gehörte, während kein Stückchen Land in Jordanien als in jüdischem Besitz befindlich akzeptiert wurde, auch wenn dieser Besitz mancherorts niemals in so etwas wie einem rechtsstaatlichen Verfahren aufgehoben wurde.

Kommen wir schliesslich zur vierten Karte. Zum ersten Mal in dieser Serie gibt es nun so etwas wie eine palästinensische Herrschaft – im gesamten Gazastreifen und im Westjordanland. (Vernachlässigen wir kurz die Unterscheidung zwischen der Herrschaft der Hamas in Gaza und der Herrschaft der Palästinensischen Autonomiebehörde in der Westbank.) Kaum erklärlich ist dabei die Entscheidung des Kartenzeichners, so zu tun, als ob die palästinensische Befehlsgewalt nur für die A-Zone gilt, und die grösseren B-Zonen zu unterschlagen. So, wie ich die Geschichte verstehe, zeigt die Karte ausserdem keinen palästinensischen Rumpfstaat, sondern im Gegenteil zum ersten Mal überhaupt das Entstehen einer neuen Entität, von und für Palästinenser. Kein verschwindendes Palästina also, sondern ein entstehendes!
[/quote_box_center]

Offenbar sind Verena Tobler und andere notorische „Israelkritiker“ bereit, 15‘000 CHF aufzuwenden, um eine Woche lang die Öffentlichkeit mit gezielter Propaganda in die Irre zu führen.


[i] Die Karte, auf die sich Lotzowick bezieht, ist identisch mit der ersten Karte auf dem Plakat in Zürich, auf dieser ist aber 1947 angegeben. Siehe: http://yaacovlozowick.blogspot.de/2012/07/the-maps-of-disappearing-palestine.html

Diesen Beitrag teilen
  • 98
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

4 KOMMENTARE

  1. Unverständlicherweise hatte das Bundesgericht grünes Licht gegeben für Lügen und Irreführungen, die geeignet sind, Antisemitismus und Hass gegen Israel zu fördern. Die sogenannte Meinungsäusserungsfreiheit hat offenbar Vorrang gegenüber dem „nie wieder!“. Der Antisemitismus kommt heute im Kleid des Antiisraelismus daher, siehe auch Artikel Daniel Dettling, NZZ 6.2.13 „Das Gespenst des neuen deutschen Antisemitismus“, ein Phänomen, das sich über das ganze sogenannte "christliche" Abendland erstreckt.

  2. Der Historiker Lotzowick hat in seiner Kritik der vier Karten gleich zu Beginn übersehen, dass die erste Karte insofern eine Fälschung ist, als behauptet wird, dass es sich dabei um Palästina handle.
    Es wird dabei der größte Teil des britischen Mandatsgebietes Palästina unterschlagen, nämlich Jordanien. Man informiere sich bei Wikipedia unter dem Stichwort "Palästina". Dort heißt es: "Die Region Palästina ………. bezeichnet Teile der Gebiete des heutigen Israel und Jordanien, einschließlich des Golan, des Gazastreifens sowie des Westjordanlands."
    Damit ist Jordanien der erste palästinensische Staat. Würde dieser in die Darstellung mit aufgenommen, entstünde selbstverständlich ein völlig anderes Bild von der Gesamtsituation, da Jordanien der weitaus größte Teil der Region Palästina ist und mehr als die Hälfte der ca. 7 Mill. Einwohner als Abkommen "palästinensischer Flüchtlinge" bezeichnet werden. Darüber hinaus muss man wohl alle arabischen Bewohner Jordaniens als Palästinenser bezeichnen.
    (Korrekterweise müssten eigentlich alle in der Region Palästina wohnhaften Menschen als "Palästinenser" bezeichnet werden, einschließlich der Israelis. Es sei denn, man definiert die Palästinenser über ihre arabische Abstammung oder Zugehörigkeit zum Islam oder vielleicht auch noch zum Christentum.)
    Auch diese Fakten beweisen einmal mehr, dass es sich bei den vier Karten um israelfeindliche Propaganda handelt, die mit der Realität wenig gemeinsam haben.

    • Herr Steger, Yaacov Lotzowick liegt mit seinen Ausführungen schon richtig, denn seit dem 22. März 1946 war Jordanien unabhängig, und somit nicht mehr weiter Teil des Völkerbundmandats für Palästina. Sie haben allerdings auch recht, er hätte erwähnen können, dass bis zu diesem Zeitpunkt auch Jordanien zum Völkerbundmandat gehört hatte. In dem Zusammenhang ist es auch vielsagend, dass sich Israel"kritiker" und Konsorten ein vermeintlich "historisches Palästina" – das ohnehin nie existierte – stets nur in der Form des heutigen Israels & Autonomiegebiete imaginieren.

  3. Die neuen antisemitischen und antiisraelischen Hassplakate am Hauptbahnhof Zürich stammen offenbar erneut von der notorischen Juden- und Israelhasserin Frau Verena Tobler, Expertin für interkulturelle Kommunikation. Ich gehe davon aus, dass ihre Auftraggeber die anerkannt antisemitischen palästinensischen Organisationen und politischen Parteien in der Schweiz sind, namentlich die Grünen und die SP.
    Auf den neuesten Hassplakaten wird gelogen, werden Tatsachen verdreht und wird Geschichtsklitterung betrieben. Selbstverständlich ganz im Sinne und für ihre palästinensischen Freunde und Auftraggeber. Was hat diese üble Aktion mit Kultur zu tun? Nichts, es ist antisemitische Hetze schlimmster Art, wie einst im „Stürmer“ und in den „Protokollen“. Strebt sie etwa den Julius Streicher Wanderpokal an?
    PS: An dieser Stelle möchte ich daran erinnern, dass die infame JVJP.CH die BDS-Bewegung unterstützt, und dass der globale NIF direkt und indirekt fleissig dazu beiträgt, Israel, Judentum und Zionismus zu verleumden, dämonisieren und delegitimieren. Siehe http://www.financingtheflames.com

Comments are closed.