PEW-Umfrage: Kaum Wandel in der Wahrnehmung des Nahostkonfliktes

4
309
Lesezeit: 4 Minuten

Israelis und Palästinenser unterscheiden sich stark in ihrer Einstellung gegenüber einer friedlichen Lösung ihres jahrelangen Konflikts.

Israelis glauben grundsätzlich, dass ein Weg für einen unabhängigen Palästinenserstaat, der mit ihrem Land friedlich koexistiert, gefunden werden kann. Palästinenser ihrerseits glauben überwiegen nicht an diese Möglichkeit und eine Mehrheit glaubt, dass der bewaffneter Kampf anstelle von Verhandlungen oder gewaltfreiem Widerstand der beste Weg sei, um die Eigenstaatlichkeit zu erreichen.

Das sind die Schlüsselergebnisse einer neuen Umfrage des Pew Research Center, an der 14‘997 Personen in 12 Ländern und den Palästinensergebieten vom 3. März bis zum 12. April 2013 teilnahmen. Die an der Umfrage teilnehmende Länder waren Libanon, Jordanien, Türkei, Tunesien, Ägypten, Israel und die Palästinensergebiete, sowie die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates – die USA, Frankreich, Grossbritannien, China und Russland – und Deutschland.

Israels Image in der Region ist überwiegend negativ; 86% oder mehr im Libanon, Jordanien, den Palästinensergebieten, Ägypten, Tunesien und Türkei haben unvorteilhafte Ansichten. In Frankreich, Deutschland und China hat die Mehrheit eine negative Meinung zum jüdischen Staat. Die USA ist das einzige Land, in dem eine Mehrheit (57%) Israel eine vorteilhafte Bewertung ausstellt.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erhalten negative Bewertungen in der Region, obwohl eine Mehrheit in Israel und den Palästinensergebieten ihren jeweiligen Präsidenten positiv bewertet.

Nahost-Sympathien

Grösstenteils hat sich die Wahrnehmung des israelisch-palästinensischen Konfliktes in den letzten Jahren kaum geändert. In Frankreich sind die Meinungen aber ausgeglichener als noch 2007, als 43% mit den Palästinensern und 32% mit Israel sympathisierten. Mittlerweile betragen die Zahlen 44% bzw. 40%.

Deutschland verfügt ebenfalls über ausgeglichener Meinungen verglichen mit sechs Jahren zuvor, allerdings hat die Unterstützung für Israel abgenommen. 2007 standen 34% der Befragten auf der Seite Israels und 21% auf der Seite der Palästinenser; diese Zahlen betragen nun 28% bzw. 26%.

Aussichten für die palästinensische Eigenstaatlichkeit

Die Hälfte der Israelis denkt, dass die Gründung eines Palästinenserstaates der friedlich mit Israel koexistiert, möglich ist, während 38% dies verneinen und 9% nicht sicher sind.

Palästinenser sind viel weniger optimistisch; 61% glauben nicht, dass Israel und unabhängiger Palästinenserstaat friedlich koexistieren können, während 14% daran glauben und 22% nicht sicher sind.

Israelische Araber sagen eher als Juden, dass eine solche Koexistenz möglich sei; 75% der Araber in Israel sagen, dass sei der Fall, verglichen mit 46% den israelischen Juden.

Palästinenser sagen eher, dass der bewaffnete Kampf der beste Weg für ihr Volk sei, um die Eigenstaatlichkeit zu erreichen, statt, dass Verhandlungen oder gewaltloser Widerstand die beste Aussicht auf die Gründung eines Palästinenserstaates darstelle (jeweils 15%).

Auf die Frage, ob arabische Länder dem palästinensischen Volk zu viel, zu wenig oder genug zur Erlangung der Eigenstaatlichkeit helfen, antworten Dreiviertel in den Palästinensergebieten, dass sie zu wenig helfen würden, 16% sagen, die Hilfe sei ausreichend und 5% glauben, dass die arabischen Länder zu viel machten.

In den anderen arabischen Ländern fanden sich nur in Tunesien und Ägypten Mehrheiten, die sagten, dass ihr Land mehr tun müsse, um den Palästinensern zu helfen.

Hamas und Islamischer Jihad

Der Islamische Jihad und die Hamas erhalten unter den Palästinensern tiefere Bewertungen als die Fatah. Trotzdem bewertet eine Mehrheit (56%) den Islamischen Jihad positiv, während ungefähr ein Drittel (35%) eine negative Meinung von der militanten Organisation hat.

Die Ansichten zur Hamas sind gemischter; 48% der Palästinenser sehen die extremistische Gruppe positiv und 45% sagen, sie hätten negative Ansicht zur Hamas.

Die Ansichten zur Hamas und dem Islamischen Jihad variieren nicht signifikant zwischen dem Westjordanland und Gaza oder zwischen verschiedenen demographischen Gruppen.

Siedlungen und Sicherheit

42 Prozent der Israelis glauben, dass der Bau von jüdischen Siedlungen im Westjordanland der Sicherheit ihres Landes schadet, 84% der arabischen Israelis teilen diese Ansicht. 27 Prozent der israelischen Juden (und 4% der israelischen Araber) sagen, dass die Expansion der Siedlungen Israels Sicherheit helfen; und 23% (2% der israelischen Araber) glauben, dies mache keinen Unterschied.

Unter den israelischen Juden sind jene, die sich als säkular bezeichnen, deutlich kritischer gegenüber dem kontinuierlichen Siedlungsbau als solche, die sich als traditionell, religiös oder ultra-orthodox beschreiben. Fast die Hälfte der säkularen Juden (47%) glaubt, dass der kontinuierliche Siedlungsbau im Westjordanland der Sicherheit ihres Landes schade. Unter den gläubigeren Juden sagen nur 19%, dass die Expansion der Siedlungen Israels Sicherheit schaden, während 41% glauben, dass sie helfe und 31% sagen, dass sie keinen Unterschied mache.

Die Resultate der Umfrage basieren auf Telefon- und persönlichen Befragungen, die unter der Leitung der Princeton Survey Research Associates International durchgeführt wurden. Die Umfragen basieren auf nationalen Samples. Für weitere Informationen zum Design der Samples, siehe Pew’s Survey Report.

Kurzfassung der Originalversion: Despite Their Wide Differences, Many Israelis and Palestinians Want Bigger Role for Obama in Resolving Conflict © Pew Research Global Attitudes Project, May 9, 2013.

4 KOMMENTARE

  1. Shalom mein Freunde ,

    warum werden mein beiden Postings nicht freigeschaltet??

    Gitte eine Antwort. david

  2. Man kann das auch dramatischer formulieren:
    Netanjahu hat im nahen Ausland eine Beliebtheit von 0% – 4%
    (Sogar Abbas kommt im Schnitt immerhin auf das Zehnfache.)

    Da muss man ja Audiatur schon bewundern:
    Diesen Versager und sein Kabinett im Nahen Osten wie hierzulande zu verkaufen ist schon eine heroische Aufgabe.

    Werner T. Meyer

  3. Shalom meine Freunde ,

    Nachsatz zu meinem Bericht.

    In meinem Buch<<<tapfer im Nirgendwo david erinnerungen<<
    stehen Ausschnitte im Internet die mein Leben u.a. in der
    Nazizeit erzählen . Über israel steht es aus Sicherheits
    gründen nur im Buch.Auch wegen meine Sicherheit.Das Buch wird nach meinem Tod, ich bin 84 jahre alt und unheilbar
    Krebskrank,in Israel und der USA erscheinen. David

    • Ihre beiden Postings dienten leider nicht der Diskussion des Beitrags zur PEW Umfrage.

Comments are closed.