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Feldwebel René Elhozayel ist ein perfektes Beispiel für den ‚kur hituach‘ oder den Schmelztiegel wie es die israelischen Streitkräfte IDF bezeichnen. Sein Vater ist israelischer Beduine und seine Mutter Schweizer Jüdin – und René feiert sowohl Eid al-Adha als auch Pessach. Eines Tages will er Arzt werden, so hofft er. René hat eingewilligt, sich mit uns vom IDF Blog über seine einzigartige IDF-Reise zu unterhalten. Hier ist seine Geschichte:

Wie sieht Dein Familienhintergrund aus?

Meine Eltern lernten sich in der Schweiz kennen, wo mein Vater, ein israelischer Beduine, Ingenieurwesen studierte. Sie entschieden sich, nach Israel zurückzukehren und eine Familie zu gründen. Zuhause sprechen wir Deutsch und Englisch, und in der Schule lernte ich Hebräisch.

Man könnte sagen, dass ich eine ganz schön grosse Familie habe – der Elhozayel Clan zählt an die 5‘600 Personen, weil mein Grossvater 39 Ehefrauen hatte!

Meine Familie lebt schon seit vielen Generationen in der Negevwüste. Jetzt leben sie in Rahat, einer Beduinenstadt in der Nähe von Beer-Sheva. Ich glaube, wir können uns als patriotische Familie bezeichnen. Fast alle von uns haben in der IDF gedient, einige waren sogar Berufssoldaten. Wenn sich ein Familienmitglied gegen die IDF entscheidet, ist die Familie nicht sehr glücklich darüber.

Du bist Zuhause mit vielen verschiedenen Einflüssen aufgewachsen. Welche Feiertage feierst Du?

Zuhause feiern wir Weihnachten, die Feiertage der Beduinen, Eid al-Adha und Pessach. Aber es ist mehr Tradition – wir sind nicht religiös oder streng oder so.

Wann hast du dich entschieden, in die IDF einzutreten?

Im meinem letzten Schuljahr. Das war ein naheliegender Schritt für mich – ich wusste immer, dass ich Kampfsoldat werden wollte. Die meisten in meiner Familie dienten in der IDF.

Zu welcher Einheit hast Du dich gemeldet?

2009 bin ich zum Desert Reconnaissance Battalion (Wüsten Aufklärungsbataillon) gekommen. Leider musste ich die Kampfeinheit verlassen, weil ich ein ernsthaftes Augenleiden entwickelt hatte. Ein Jahr später kämpfte ich darum, dass mein Krankenprofil angehoben würde, damit ich in meine Kampfunktion zurückkehren könnte. Mein Auge war nicht perfekt, aber gesund genug, Sanitäter zu werden. Glücklicherweise musste ich das Grundtraining nicht nochmals durchlaufen, weil ich das bereits als Kampfsoldat gemacht hatte. Ich musste nur einen dreieinhalb monatigen Sanitäter Kurs belegen und war startbereit.

In welcher Einheit dienst Du jetzt?

Ich bin naher der ägyptischen Grenze. Es ist mein Job, Kampfsoldaten zu behandeln, aber als Sanitäter habe ich geschworen jeden zu behandeln, auch die Menschen, gegen die wir kämpfen. Zusätzlich bin ich oft in der Situation, illegale Immigranten auf Afrika zu behandeln, die über die Grenze gekommen sind.

Was war bisher das Schwierigste, das Du als Sanitäter machen musstest?

Ich war für die Bergung der Körper nach dem Terroranschlag im August 2011 verantwortlich. Da sind Terroristen aus Gaza, die mit dem Volkswiderstandskomitee verbunden sind, via Ägypten nach Israel eingedrungen und töteten acht Menschen und verletzten 31. Das war eine unglaublich schwierige Aufgabe und auch sehr gefährlich.

Was sind Deine Pläne nach deiner Entlassung aus der Armee?

Mein Dienst als Sanitäter hat mich beflügelt, Medizin zu studieren. Ich weiss noch nicht, ob ich in Israel oder im Ausland studieren werde –  in Israel gibt es einen extremen Wettbewerb für die Zulassung zum Medizinstudium. Die Armee hat mir eine Laufbahn als Berufssoldat angeboten. Das könnte interessant sein – das werde ich mir bestimmt überlegen.

Was sagst Du den Leuten, die dich fragen, warum ein Schweizer Beduine in der israelischen Armee dient?

In der Armee gibt es so viele unterschiedlichen Menschentypen, aber letztendlich sind wir alle das Gleiche – IDF Soldaten. Es ist vielleicht ein wenig einzigartig, aber ich sehe mich selbst wie jeder andere IDF Sanitäter auch.

Quelle: Meet René: The IDF’s First Ever Swiss-Bedouin Medic © IDFBlog, January 15, 2013