In einer Medienmitteilung gibt die Migros, das grösste Schweizer Detailhandelsunternehmen, bekannt, dass sie ab folgendem Jahr  „Produkte, die aus den von Israel besetzten Gebieten stammen“ dementsprechend deklarieren werden. Die betroffenen Artikel sollen „mit einer präzisen Herkunftsbezeichnung wie «Westbank, israelisches Siedlungsgebiet» oder «Gaza, israelisches Siedlungsgebiet» gekennzeichnet sein“, wie im Migros-Magazin vom 29. Mai 2012 zu lesen ist. Da die betreffenden Siedlungen gemäss UNO und Bundesrat völkerrechtswidrig seien, wolle man dem Kunden so mehr Transparenz bieten.

Transparenz ist für viele Kunden ein wichtiger Faktor, dessen Bedeutung künftig noch zunehmen wird. Insofern sind die Bemühungen der Migros um Transparenz im Grunde zu begrüssen. Begrüssen wäre in dieser Angelegenheit aber auch Faktentreue.

1. Im Jahr 2005 zog sich Israel aus dem Gazastreifen zurück und räumte sämtliche israelische Siedlungen auf diesem Gebiet. Daher ist die Aussage „Gaza, israelisches Siedlungsgebiet“ schlichtweg falsch.

2. Laut Migros sind Siedlungen in Ostjerusalem und im Westjordanland gemäss Bundesrat und UNO illegal. Es verhält sich jedoch so, das gemäss israelisch-palästinensischen Verhandlungen Teile dieser Siedlungen bei einer künftigen Zwei-Staaten-Lösung dem israelischen Staat zugerechnet werden; und andere dem zukünftigen Staat Palästina. Die Migros berücksichtigt diesen Umstand nicht, was zu Lasten einer echten Transparenz geht.

3. Wir sehen in dieser Massnahme der Migros eine Reaktion auf die Initiative der BDS – Bewegung (BDS = Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen)! Es kann kein Zufall sein, dass die Medienmitteilung der Migros an dem Tag erfolgte, an dem die BDS-Bewegung dem Grossverteiler formal die Forderung überreichte, künftig keine Produkte aus Israel zu verkaufen. Damit wird unfreiwillig die Position einer Bewegung gestärkt, die weder an Frieden noch an der Zwei-Staaten-Lösung interessiert ist.

4. Der Entscheid der Migros spricht zwar die nicht abzustreitende Problematik der Siedlungsgebiete an, doch vereinfacht sie dieses zutiefst komplexe Thema durch das Ausblenden wesentlicher Aspekte. Die Arbeit in israelischen Siedlungen etwa ist – obwohl von der Palästinensischen Autonomiebehörde PA verboten –  für viele Palästinenser die einzige Möglichkeit, um überhaupt ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Die PA bietet ihren Bürgern trotz Verbot keine Alternative zur Arbeit in den Siedlungen.

5. Wir widersprechen der Behauptung, dass die Migros politisch neutral sei. Die Migros verzichtet auf ähnliche Massnahmen andere Gebietskonflikte betreffend – etwa China/Tibet oder Indien/Kaschmir und bezieht somit eine politische Position. Verstärkt wird diese eindeutige Positionierung durch die Verwendung des problematischen Begriffs „Siedlungsgebiet“.

Ein M mehr an Fakten und Transparenz hätten in diesem Fall nicht geschadet.

Sandra Hoffmann, Audiatur-Stiftung

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  • Krokodil

    Kein Problem. Ich kaufe gern israelische Produkte (sweet bell pepper ist echt lecker!). Wenn ich diese nun sogar noch besser als solche erkennen kann, um so besser.

    • wühlmaus

      Israelische Produkte haben eine meist gute Qualität und jede Menge Fans – also, was haben manche denn für ein Problem mit der Kennzeichnung?

  • Susya Bar Dror

    Migros und Coop kenne ich als Detailunternehmen, die immer wieder auch israelische Produkte im Sortiment führen. Dem Kunden die Wahl zu lassen, aus welchen Ländern er kaufen will, ist grundsätzlich gut. Migros und auch Coop sind deshalb nicht Firmen, die Israel boykottieren.

    Es sind die Kunden, die Israel boykottieren, weil sie dem Aufruf des infamen palästinensischen BDS-Movement blind und dumm Folge leisten. Es sind dies keine selbständig handelnde Kunden, es sind Kunden, die sich aus rassistischen Gründen gegen Israel und auch gegen Juden wenden, und ihren Juden- und Israelhass ausleben, indem sie die islamische Antiisraelhetze befolgen.

    Migros hat bereits Erfahrungen mit Boykott. Nach der Gründung von Migros haben Lieferanten von Markenprodukten beschlossen, Migros nicht zu beliefern, weil diese die massiv überhöhten Preise nicht akzeptieren wollte. Inzwischen stellt Migros selbst viele Produkte her, in erstklassiger Qualität. Viele sind auch in Israel erhältlich.

    • Im Prinzip bin ich mit Ihren Aussagen einverstanden. Aber es ist zu befürchten, dass nach einer gewissen Zeit von Seiten der MIGROS-Verantwortlichen diese Waren mit dem Argument des Umsatzeinbusses zurückziehen … und dann wunderschön ihre Hände in Unschuld waschen! Was die BDS im Sinne führt – und das HEKS ist mit ihr eng liiert! – ist klar und deutlich: ein totaler Israel-Boykott! Eines müssen wir generell sehen, die pro-palästinensische Lobby, zu der v.a. die Linksparteien gehören, werden alles versuchen, um den (jüdischen= Staat Israel zu desavouieren und auf jede Art zu bekämpfen! Dass in diesem Segment leider auch einige jüdische Akteure mitmischen, ist eine weitere tragische Tatsache!
      Hans Daniel Schürch-Tal, Zürich

  • LHM

    The act of MIGROS has nothing to do with transparency. This morning the Israel-basher organization HEKS has published a huge "thank you" ad in the NZZ (who is financing this kin of expensive ads?). They mention in the ad, that MIGROS' decision has been an outcome of a fruitful "dialog".
    I wonder who else has conducted "dialogs" with MIGROS, excessing pressure to take that decision. There is only one way to find out, "follow the money trail"….

    • … und so ist es tatsächlich! Die "Hilfswerke" der evangelischen Kirchen der Schweiz outen sich mit ihrem mehrtausendfränkigen Inserat vom 1.6.2012 in der NZZ in Form eines gedruckten Dankeschöns an die Migros als das, was sie wirklich ist: eine Gesellschaft von Heuchlern, die zudem noch wertvolles Spendergeld mit solchem politischen Unsinn verpulvert!

      • AudiaturOnline

        Ein 1/1 Seite Werbung in der NZZ kostet laut Preisliste 18.920 CHF.