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Arabische Helden, aber wo bleibt der Westen?

von Ali Ayami

Prinzessin Basma Bint Saud

Während europäische und amerikanische Politiker keine Mühen scheuen, besonders reichen Adligen aus dem Golf zu versichern, dass sich der Westen nicht im Krieg gegen den Islam, sondern gegen Terrorgruppen befindet, stellt ein Kader saudischer Frauen unverfroren den saudischen religiösen Extremismus und seinen zerstörerischen Einfluss auf sie, ihre Kinder, die Gesellschaft und die internationale Gemeinschaft in Frage.

Die unerschrockene Prinzessin Basma Bint Saud ist eine bekannte Figur, die sich dem religiösen Extremismus entgegensetzt. Basma ist das 115. Kind von König Saud, der selber der älteste überlebende Sohn des Gründers der Monarchie ist. Sie ist geschieden, Mutter von fünf Kindern und eine erfolgreiche Gastronomin, die in London lebt, um ihre Kinder vor möglichen Familienrepressalien zu schützen, die ihre Offenheit provozieren könnte. Die tyrannische Herrschaft, grassierende Korruption und dysfunktionale Institutionen fordert sie heraus und macht diese zu Recht für das Versagen der Regierung verantwortlich, ihren Verpflichtungen einer marginalisierten Bevölkerung, besonders Frauen und Kindern, nachzukommen.

Ziel ihrer Handlungen ist die auf Arabisch bekannte Hay’ah, die freiwillige Religionspolizei der saudischen Regierung. Basma hat zutreffender Weise deren religiöse Legitimität und ihren beleidigenden Umgang mit der Öffentlichkeit, insbesondere mit Frauen, in Frage gestellt. Wie viele Saudis und Menschenrechtsgruppen schreibt auch sie der Rückständigkeit des Landes der mittelalterlichen Mentalität und dem boshaften Verhalten der Hay’ah zu, wie es ihr Umgang mit Menschen veranschaulicht, die als schuldig gelten bis ihre Unschuld bewiesen wurde.

Ihr Status und Zugehörigkeit zum Königshaus verleihen ihrer Arbeit ein bestimmtes Gewicht und lassen sie hervorstechen. Doch ist sie nicht die einzige Frau, die die erbitterte Religionspolizei der Regierung angreift; eine Religionspolizei, die Frauen als „ewigee Minderjähriges“ ansieht und einen Kampf auf sozialer, politischer und wirtschaftlicher Ebene gegen Frauen führt. Es gibt viele mutige nichtkönigliche saudische Pionierinnen des Frauenaktivismus im akademischen, Finanz-, Medien- und technischen Bereich, wie auch gewöhnliche Mütter, Schwestern und Ehefrauen, die eine bessere und humanere Behandlung, fordern, einschliesslich der Beseitigung aller den Frauen auferlegter verunglimpfender Beschränkungen, wie dem entmenschlichenden System eines männlichen Vormundes, dem Fahrverbot, der Verweigerung wirtschaftlicher Möglichkeiten sowie von Zwangs- und Kinderehen, die, nach internationalen Erklärungen zu den Menschenrechten, als Vergewaltigung und Kinderhandel gelten.

Das religiöse Establishment sieht in Frauenrechten einen westlichen Wert, der islamische heilige Traditionen zerstören will. Diese Anschauung heisst nichts anderes, als die Vorherrschaft des Mannes über jeden Aspekt im Leben einer Frau.

Ohne jedoch den Segen der saudischen regierenden Elite, allen voran des Thronfolgers Innenminister Prinz Naif, könnte das institutionalisierte System sozialer, politischer und wirtschaftlicher Diskriminierung der Hälfte der saudischen Gesellschaft nicht erfolgreich sein.

In einer Zeit, in der westliche Regierungen die Aufstände im Nahen Osten gegen Willkür, Unterdrückung und wuchernde Verschwendung allgemeinen Reichtums unterstützen, wird die anhaltende Unterstützung der saudischen Autokratie durch den Westen für die saudische Bevölkerung immer weniger nachvollziehbar, besonders jedoch für die Frauen. Das saudische Volk hört, sieht und liest von Menschen im Westen, die vielerorts auf der Welt gegen muslimische Terroristen kämpfen. Doch der gleiche Westen unterstützt gleichzeitig ein System, dessen Institutionen bekannt sind für ihre Ausbreitung und Finanzierung religiöser Extremisten und Terroristen weltweit.

Zudem werden viele Saudis und andere arabische Analysten der arabischen Welt zunehmend misstrauischer gegenüber der offenkundigen Unterstützung aus dem Westen für die beispielslosen Aufstände in der Region.

Viele fragen sich, ob der Westen ein Doppelspiel treibt, besonders weil er die Hand nach religiös motivierten Parteien wie die antidemokratischen Islamisten und Salafisten in Ägypten und Tunesien ausstreckt. Das überzeugendste Argument für den Doppelstandard des Westens und seine vermuteten Ziele wird von saudische Frauen vorgebracht, die Fragen stellen, die nur schwer abzuweisen sind: wenn sie schon bereit sind, Inhaftierung in Kauf zu nehmen und alles zu riskieren, um gegen gefährliche Ideologien zu demonstrieren, warum unterstütz dann nicht der Westen, der doch vorgibt, dieselben Extremisten zu bekämpfen, öffentlich und unmissverständlich ihren Kampf?

Die Demonstration der saudischen Frauen für ihre legitimen Bürgerrechte ist unaufhaltbar und unumkehrbar, egal was die herrschenden saudischen Männer und ihre Unterstützer im Westen denken. In Anbetracht dieser mutigen Realität, wäre es für westliche Regierungen und ihre Institutionen nicht vernünftig, saudische Frauen zu unterstützen, zumal sie an vorderste Front im Kampf gegen religiösen Extremismus stehen, der einen wahre Gefahr für Demokratien weltweit darstellt?

Originalversion: Arab Heroes – But Where Is The West? by Ali Alyami © Stonegate-Institute, February 6, 2012.

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