Eine Handvoll palästinensischer Christen, unterstützt von ökumenischen und nationalen christlichen Organisationen, hat ein unter frommem Deckmantel getarntes Pamphlet gegen Israel verfasst. Für dessen Verbreitung hat der Weltkirchenrat gesorgt, der auch zugleich die propagandistisch wirkungsvolle Überschrift dafür gefunden hat: Kairos-Palästina. Angespielt wird damit auf das bekannte Dokument südafrikanischer Christen gegen die Apartheid. Die frommen Phrasen des Dokuments inkl. Diffamierung und Delegitimierung Israels im Stil der Hamas/Fatah sollen wohl gleichzeitig von der Unterdrückung palästinensischer Christen durch ihre eigenen Landsleute ablenken. So fragen sich viele Kirchen nicht, warum der Anteil Christen z.B. in Bethlehem von rund 80% auf 20% gefallen ist.  Die Kairos-Verfasser missachten die völkerrechtlichen Grundlagen des Staates Israel, so wie sie den Terror gegen Israel grosszügig übersehen und es nicht daran fehlen lassen, terroristischen Mördern von unschuldigen israelischen Zivilisten ihren Respekt zu bezeugen. Leider ist zu vermelden, dass sie auch in christlichen Kreisen der Schweiz Anhänger finden. Nach 1945 und nach der Besinnung der meisten Kirchen auf ein Verhältnis des Respekts gegenüber dem Judentum und Israel, ist es leider dieser kleinen Gruppe palästinensischer Christen vorbehalten gewesen, die alteuropäischen antijüdischen Traditionen des Christentums mit Erfolg wieder neu zu beleben. Worte der Reue und Umkehr europäischer Kirchen und die Anerkennung Israels als „Zeichen der Treue Gottes“ werden geradezu  als problematisch angesehen. Sie beleben wieder die alte Substitutionstheologie christlich-antisemitischer Ideologie, also, dass die Kirche das Volk Israel ersetzt habe und damit die Juden für nicht existenzberechtigt bzw. verworfen erklärt sind.  Das Kairos-Palästina-Dokument beansprucht, die orthodoxe Lehre zu sein. Und Theologen, die das nicht lehren, werden als Feinde der Palästinenser denunziert.

Das genannte Dokument ist in den Kirchen allerdings auch auf starken Widerspruch gestossen. Moniert wurde, dass  es sich nicht  ausdrücklich zu einem Existenzrecht Israels (in welchen Grenzen auch immer) durchringen konnte, weil es völlig offen lässt, was mit dem Begriff „Besetzung“ gemeint ist. Auch die wahrlich mit den palästinensischen Anliegen sympathisierende  „Evangelische  Mittelost Kommission“  (EMOK) der Evangelischen Kirche Deutschlands hat diese Kritik geäussert. Sie hat, wie auch etwa der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK), nicht zuletzt daran Anstoss genommen, dass das besagte Dokument „Hochachtung vor allen, die ihr Leben für unsere Nation hingegeben haben“, ausgesprochen hat, ohne etwa gezielte terroristische Mordaktionen gegen unschuldige israelische Zivilisten, nicht zuletzt Kinder und Greise, ausdrücklich davon auszunehmen. Zur Verfolgung von Christen in arabisch-muslimischen Staaten einschliesslich zu der in den palästinensischen Gebieten besonders im Gazastreifen fällt im Dokument kein Wort. Stattdessen ruft es zum Boykott Israels auf. Die erwähnte EMOK sagt dazu mit Recht: „Ein allgemeiner Boykott Israels erinnert die Kirchen in Deutschland an den Aufruf ‚Kauft nicht bei Juden’ im Jahr 1933 und ist von uns nicht zu akzeptieren“.

Nach dem so propagandistisch erfolgreich durch den Weltkirchenrat, aber auch in der Schweiz durch manche gehorsame reformierte Institution verbreiteten Dokument, gibt es nun ein „follow up“. Es nennt sich „Bethlehem Call“, also Bethlehem Aufruf. Es wird ohne Angabe der Autoren von einer Filiale des Weltkirchenrats –  PIEF (Palestine  Israel Ecumenical Forum) genannt – im Internet verbreitet. Mit ihr arbeitet auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) zusammen. Im Bethlehem Call wird die judenfeindliche und auf Israels Zerstörung zielende Ideologie von Hamas und Fatah geradezu umstandslos adoptiert. Israel soll danach ein „illegales Regime“ sein und „Verbrechen gegen die Menschheit“ begehen. Das ist eine horrende Delegitimierung und Dämonisierung, die jenseits jeglicher Kritik den Vergleich von Israel mit Nazideutschland vornimmt. Was die PIEF für würdig gehalten hat, auf ihrer Webseite zu veröffentlichen, ist nichts anderes als ein anonymes antisemitisches Pamphlet. Es ist zu hoffen, dass der Schweizerische Evangelische Kirchenbund dazu ein deutliches Wort findet.

Ekkehard W. Stegemann

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