© istock/Anthony Hall

Als die Nachricht Schlagzeilen machte, es gebe iranische Pläne, den saudischen Botschafter in den USA Adel al-Jubeir zu ermorden, reagierten viele mit Skepsis. Einigen westlichen Beobachtern waren die Berichte über ein Komplott der islamischen Regierung mit mexikanischen Drogenhändlern und die scheinbar ungeschickte Art der gesamten Operation Anlass zu Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der amerikanischen Behauptungen. Eine solche Schlussfolgerung scheint mitten in der heftigen Debatte über die iranischen Absichten und angesichts des Versagens der US-Geheimdienste in der Vergangenheit und iranischer Dementis naheliegend zu sein. Wirklich?

Iran liegt in einem der wichtigsten Transitkorridore von Opium zwischen den Produzenten in Afghanistan und den Konsumenten in Europa und dahinter. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung schätzt, dass nahezu 60 Prozent des Opiums aus Afghanistan heimlich über die iranische Grenze geschafft und dass ein grosser Teil davon von der iranischen Regierung beschlagnahmt wird.

Schon bald nach der islamischen Revolution von 1979 wurde mit dem Segen Ayatollah Chomeinis das „Office of Freedom Movements“ („Amt für Freiheitsbewegungen“) gegründet, dessen hauptsächliches Ziel darin bestand, verbündete Gruppen im Ausland zu stärken. Von Anfang an war dieses Amt, das von Ayatollah Montazeris Sohn Muhammad und seinem Schwiegersohn Mehdi Hashemi geleitet wurde, in illegalen Schmuggel verwickelt, um Operationen zu finanzieren.

Das Leben Montazeris endete durch ein Bombenattentat des regierungsfeindlichen Mudschaheddin Chalgh; Hashemi wurde vom Regime hingerichtet, nachdem er an der Aufdeckung der Iran-Contra-Affäre beteiligt war.

Andere Mitglieder des Office of Freedom Movements überlebten und wechselten in das Ministerium für Nachrichtenwesen und Sicherheit. Dort waren sie massgeblich am Aufbau der Einheit für Auslandseinsätze innerhalb der Iranischen Revolutionsgarde beteiligt, die nach und nach zur Al-Quds-Einheit wurde. Die Hauptaufgabe der Al-Quds-Einheit bestand darin, islamische Bewegungen im Ausland zu unterstützen, insbesondere die palästinensischen und schiitischen Gruppierungen im Libanon.

Schmuggel und Drogenhandel blieben das bevorzugte Mittel, um die Operationen der Al-Quds-Einheit zu finanzieren, und das aus guten Gründen: Sie sorgten für einen konstanten Geldfluss aus einem scheinbar unerschöpflichen Drogenvorrat aus Afghanistan; sie boten ein gewisses Mass an Unabhängigkeit von der iranischen Regierung und ihrer unvermeidlichen Bürokratie; und vor allem waren sie für die Regierung ein bequemes Mittel, das Ganze zu leugnen, da sie jederzeit mit dem Finger anklagend auf kriminelle Elemente oder Drogenhändler zeigen konnte.

Über die enge Verstrickung der Al-Quds-Einheit mit dem Drogenhandel gab es von Anfang an Gerüchte, aber der erste iranische Journalist, der öffentlich darüber sprach, war Ahmad Zeidabadi. Er brachte in einem Artikel den stellvertretenden Direktor des Ministeriums für Nachrichtenwesen und Sicherheit des Iran, Saeed Imami, mit der Finanzierung von Auslandseinsätzen aus dem Drogenhandel in Verbindung. Imami wurde später festgenommen und beging in der Haft vermutlich Selbstmord.

Es ist bekannt, dass Truppen der Al-Quds-Einheit die libanesische Hisbollah gründeten, die eine ausgeklügelte Drogenunternehmung in Süd-Amerika betreibt, vor allem in der Region Triple Frontera, dem Grenzgebiet zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay. Über diese Aktivitäten wurde in den Medien und im Kongress der Vereinigten Staaten berichtet. Das Argument, Kontakt mit Drogenhändlern sei völlig untypisch für die islamische Regierung, ist einfach nicht stichhaltig.

Bei näherer Betrachtung hält auch das zweite Argument – diese Operation sei zu ungeschickt und nicht charakteristisch für die Unternehmungen des islamischen Regimes – nicht stand. Obwohl es wahr ist, dass das islamische Regime im Iran über hundert gezielte Tötungen seiner Gegner im Ausland durchgeführt hat, ist die Bilanz der Einsätze seiner Agenten alles andere als professionell zu nennen.

Von dem Bombenattentat auf die Khobar Towers in Saudi-Arabien und dem AMIAAttentat auf ein Kulturzentrum in Argentinien bis zu der Ermordung von Dissidenten wie Dr. Shahpour Bakhtiar, dem letzten Premierminister unter dem Schah, gibt es reichlich Beweise, die direkt in Richtung Iran weisen. Louis Freeh, der ehemalige Direktor des FBI, nennt die Hinweise auf den Iran unwiderlegbar, so dass der Präsident der islamischen Regierung, Haschemi Rafsandschani, dem damaligen saudischen Kronprinz König Abdullah gegenüber einräumte, dass die Anschläge in al-Khobar mit Kenntnis des Obersten Rechtsgelehrten des Iran, Ali Khamenei, geplant und ausgeführt worden seien.

Und die Ermittlungen im AMIAAttentat von 1994 führten direkt zu Imad Fayyiz Mughniyya, einem hochrangigen Mitglied der libanesischen Hisbollah, und zu fünf hochrangigen Beamten der islamischen Regierung, darunter Ahmad Vahidi, dem derzeitigen Verteidigungsminister; zum Zeitpunkt des Bombenanschlags stand er an der Spitze der Al-Quds-Einheit.

Irans Reichweite und sein unheilvoller Einfluss reichen viel weiter als das relativ enge Prisma des letzten Berichts der IAEO über Irans Bestrebungen zur Atombombe es zeigt. Da Taten mehr sagen als Worte, mahnt bereits eine oberflächliche Überprüfung der Geschehnisse die Welt, mehr zu tun, um die Möglichkeiten der derzeitigen iranischen Regierung einzuschränken. Die Allianz von Iran, der mit ihm verbundenen Terroristengruppen, Drogenhändlern und religiösen Fanatikern ist bereits etabliert und einsatzfähig, auch ohne nukleare Kapazitäten. Das jüngste Mordkomplott ist eine weitere ernste Mahnung, diese Allianz zu stoppen.

 

NIR BOMS und SHAYAN ARYA – EXPERTS OF STRATEGIC OUTLOOK

Nir Boms ist Mitbegründer der CyberDissidensts.org. Shayan Arya ist ein iranischer Aktivist und Mitglied der Constitutionalist Party of Iran (freiheitlich-demokratisch).

Originalversion: The Logic of a Plot by Nir Boms und Shayan Arya, Strategic Outlook, November 27, 2011. All rights reserved.

Diesen Beitrag teilen
  • 2
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •