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Heilige Stätten teilen: Der jüdisch-palästinensische Konflikt

von Evelyn Gordon

Die Palästinensische Autonomiebehörde hat eine Kampagne zur Ausmerzung jüdischer Geschichte begonnen, indem sie jüdische heilige Stätten umetikettiert zu muslimischen. Dieser Kampf um die religiöse Identität heiliger Stätten verdient grössere Aufmerksamkeit von Seiten des Westens als bisher; er ist ein Paradebeispiel dafür, warum der israelisch-palästinensische Konflikt seit Jahrzehnten nicht zu lösen ist. Die Juden sind bereit zu teilen, doch die Araber sind es nicht.

Das Grab der Patriarchen in Hebron zum Beispiel – es ist eine der Stätten, die die UNESCO vor Kurzem auf einen Antrag der Palästinensische Autonomiebehörde hin für ausschliesslich islamisch erklärte. Unter israelischer Hoheit wurde, weltweit einzigartig, das Grab 44 Jahre lang gleichzeitig als Synagoge und als Moschee genutzt. An den meisten Tagen des Jahres steht es damit Gläubigen beider Religionen offen; an einer Handvoll von jüdischen und muslimischen Feiertagen ist es den Gläubigen des feiernden Glaubens vorbehalten. Zu keinem Zeitpunkt hat Israel jemals danach gestrebt, die Stätte ausschliesslich jüdisch zu machen; bereitwillig hat es sie mit palästinensischen Muslimen geteilt.

Ganz anders klingt da die Meinung eines der bekanntesten muslimischen Kleriker, der im vergangenen Jahr über das Grab sagte: „Es ist ein rein muslimischer heiliger Ort, Nichtmuslime haben kein Recht, hier zu sein oder hier zu beten, und ich bin gegen die Anwesenheit der Juden, selbst in der Altstadt“, sagte Haj Zeid al Ja’bari, Generaldirektor der Islamischen Religionsbehörde in Hebron, Reportern. Da ist keine Bereitschaft zum Teilen.

Die gleiche Haltung zeigt sich auch auf dem Tempelberg, wo Israel unmittelbar nach der Einnahme der Stätte im Jahr 1967 in einem fehlgeleiteten Anfall von Grosszügigkeit der islamischen Waqf (einer religiöse Stiftung) de facto die Kontrolle überlassen hat: Juden und Christen ist der Zutritt des Tempelbergs zum Gebet versperrt; es ist ihnen nicht einmal gestattet, die Bibel zu lesen oder die Lippen im stillen Gebet zu bewegen. Der Hügel ist die heiligste Stätte des Judentums, seit Jahrtausenden haben Juden dort dreimal täglich gebetet. Doch die Araber sind auch hier nicht bereit zu teilen.

Was für die heiligen Stätten gilt, betrifft auch das Land als Ganzes: Israel hat wiederholt angeboten, das Land mit den Palästinensern zu teilen. Das reicht von seiner Anerkennung des UN-Teilungsplans für Palästina von 1947 über den Vorschlag eines Staates durch Premierminister Ehud Baraks im Jahr 2000 bis zu dem noch grosszügigerem Angebot von Premierminister Ehud Olmert Jahr 2008. Jedes Mal sagten die Palästinenser Nein.

Doch weil ein umfassendes Friedensabkommen so komplex ist und es um so viele verschiedene und strittige Fragen geht, ist es für Westler offenbar naheliegend, den Wald der palästinensischen Ablehnung zu übersehen und auf die israelischen Bäume zu starren – und sich damit zu täuschen, dass ein Abkommen erreicht werden könnte, wenn Israel nur hier ein wenig mehr anbieten oder dort ein bisschen weniger verlangen würde.

Das macht es so aufschlussreich, die Aufmerksamkeit einem einzelnen, kleinen Problem wie dem Grab der Patriarchen zuzuwenden. Hier gibt es keine Flut konkurrierender Interessen, keine Vielzahl möglicher Tauschgeschäfte – Grenzen gegen Sicherheit oder Jerusalem gegen die Flüchtlinge. Hier haben wir lediglich die erwiesene israelische Bereitschaft, die Stätte zu teilen, und erwiesene palästinische Ablehnung, es zu tun. Solange sich an dieser palästinischen Ablehnung nichts ändert, wird Frieden nicht möglich sein.

Originalversion: Holy Sites Are the Conflict in Microcosm by Evelyn Gordon © Commentary Magazine (contentions), November 22, 2011. All rights reserved.

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