MonatsarchivNovember 2011

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Israelisch-ägyptische Grenze

Europäer kennen nur die frische Meeresbrise an den weissen Stränden, das freundliche Lächeln der Beduinen, die zum gemütlichen Tee in ihre Zelten laden oder den Gebirgstreck zum Katharinenkloster mitten in der Sinai Halbinsel. Doch Sigal Rozen, Koordinatorin der israelischen Menschenrechtsorganisation „Hotline für Gastarbeiter“, hat vom Urlaubsparadies am Roten Meer ein anderes Bild: „Ganze Täler im Sinai stinken nach Leichen und Verwesung“, sagt Rozen. Dutzende, wenn nicht gar hunderte Afrikaner werden hier jährlich auf der Flucht erschossen. Genaue Zahlen über die Todesopfer gibt es nicht. Doch als eine der wenigen Israelis, die sich um die inzwischen mehr als 2000 afrikanischen Flüchtlinge kümmert, die monatlich aus dem Sinai in den Judenstaat fliehen, erhält Rozen Schreckensberichte aus erster Hand. „Israelische Soldaten berichten von fast täglichen Schiessereien jenseits der Grenze“, sagt Rozen.

In Israel befinden sich bereits mehr als 100 Gräber von Afrikanern, die mit letzter Kraft über die Grenze gelangten. Sie wollten nicht mehr Teil eines umfassenden Erpressungskomplotts sein, aus dem sich kriminelle Banden und islamistische Terroristen im Sinai finanzieren.

Zwangsarbeit

Die Geschichten der afrikanischen Flüchtlinge gleichen einander. Habtum und Tsion Gabremadhim heirateten vor drei Jahren in Eritrea. Das junge Paar träumte von einer besseren Zukunft: „Die Lage daheim war nicht gut“, sagt die 28 Jahre alte Tsion und wiegt ihren Neugeborenen in ihren Armen. Ein Bericht des US-Aussenministeriums aus dem Jahr 2010 spricht in einer deutlicheren Sprache von „aussergerichtlichen Tötungen durch Sicherheitskräfte; Folter von Häftlingen.“ Der 32 Jahre alte Elektriker Habtum wollte nicht in die Armee, vor allem weil der Wehrdienst in Eritrea von unbegrenzter Dauer ist. Verweigerung kann zum Todesurteil werden. Der amerikanische Bericht erzählt von „willkürlicher Haft von Wehrdienstverweigerern und ihren Angehörigen“, manchmal jahrelang. Auch im zivilen Leben sind die Menschen nicht frei. „Die Regierung hat Teil an Zwangsarbeit der Bevölkerung, auch Kinder werden zur Arbeit gezwungen“, hält der Bericht fest.

Also entschlossen sich Tsion und Habtum, zu Fuss Richtung Norden aufzubrechen: „Wir wollten nach Italien“, sagt Habtum. Fünf Monate wanderten sie im Jahr 2008 durch den Sudan, bis sie an der libyschen Grenze von Soldaten erwischt und in einem Gefängnis in Misrata inhaftiert wurden: „Die Zellen waren überfüllt. Es gab kein sauberes Wasser, keinerlei medizinische Versorgung“, erinnert sich Tsion. Wer versuchte zu fliehen, wurde gefoltert. Ein Jahr lang sass Habtum in Haft, bis er und seine Frau abgeschoben werden sollten. Als sie erkannten, dass der Weg nach Italien versperrt war, entschlossen sie sich nach Israel zu gehen: „Ein Schmuggler versprach, uns für 4000 US$ durch den Sinai nach Israel zu bringen“, sagt Habtum. Das Geld zahlte ihre Grossfamilie aus der ganzen Welt per Überweisung bei Western Union. Nachdem sie im Oktober 2010 gezahlt hatten, ging es mit dem Ruderboot über den Suezkanal „Wir waren 17 Personen“, erinnert sich Tsion. Danach wurden sie auf Kleinlaster verladen, schliesslich gingen sie mehrere Tage zu Fuss. Dann wurde der Weg ins Heilige Land zur Hölle.

Vom Urlaubsparadies zur Hölle

„Auf einmal begannen die Schmuggler uns zu schlagen. Sie nahmen uns alles ab, was wir besassen, und steckten uns in einen Keller. Plötzlich wollten sie zusätzlich 9200 US$ pro Kopf, um uns über die Grenze zu bringen.“ „Das ist der Modus Operandi der Schmuggler“, sagt Rozen. „Zu jedem gegebenen Zeitpunkt werden hunderte, wenn nicht tausende Menschen im Sinai festgehalten und suchen nach einer Möglichkeit zur Flucht.“ Die Geschichten der Afrikaner ähneln Beschreibungen des Sklavenhandels im 18. Jahrhundert. Der Keller bestand aus zwei Räumen, hatte „weder Fenster noch ein Klo. Wir waren insgesamt 87 Personen, also rund 40 Personen pro Zimmer“, erinnert sich Habtum, und seine Augen werden sichtbar rot und feucht. Die Afrikaner wurden aneinander gekettet. Ihre Notdurft mussten sie in einem Loch im Boden verrichten. „Wir bekamen ein Fladenbrot am Tag. Auch die Schwangeren.“ Einmal täglich kamen die Beduinen in den Keller, um Druck auf ihre Häftlinge auszuüben: „Sie rufen die Angehörigen an und quälen die Menschen am Telefon, damit das Geld überwiesen wird“, sagt Rozen.

Die Beduinen wenden grausame Taktiken an: „Manchmal täuschten sie Hinrichtungen vor. Einmal verlor ich das Bewusstsein, als sie Männer vor meinen Augen zusammenschlugen. Sie zerstampften ihre Gesichter mit ihren Armeestiefeln“, sagt Tsion, die zu diesem Zeitpunkt schwanger war. „Ich fiel in Ohnmacht und dachte, mein Fötus sei tot.“ „Manchmal kamen sie rein und nahmen sich einfach Frauen mit. Sie kamen nicht wieder. Auch eine verheiratete Frau, die im Keller mit ihrem Mann festsass, kam nicht wieder“, sagt Habtum. „Die Summen, die die Beduinen fordern, werden immer grösser. So dauert es länger, bis die Summen aufgebracht werden“, berichtet Rozen.

Ein neuer Bericht ihrer Organisation vom November erzählt von einer Gruppe von 165 Afrikanern, die derzeit rund 120 Kilometer nördlich von Kairo festgehalten werden. Hier verlangen die Entführer inzwischen 30.000 US$ pro Kopf. „Jede Nacht kommen die Schmuggler in den Kerker und nehmen die Frauen heraus, um sie zu vergewaltigen. Allein in der vergangenen Woche sollen fünf Menschen durch Elektroschocks getötet worden sein“, so der neue Bericht der Hotline. „Die Frauen sind inzwischen oftmals bereits schwanger, wenn sie endlich nach Israel gelangen. Für sie bedeutet das das gesellschaftliche Aus.“ Rozen hat bereits aus mehreren Quellen von einer Frau gehört, die angeblich seit Monaten bei Al Arisch festgehalten und täglich vergewaltigt wird: „Sie hat einfach nicht das Geld, um sich freizukaufen“, sagt Rozen. Frauen die nicht zahlen können bleiben im Gegensatz zu Männern wenigstens am Leben: „Zwei Männer sagten ihnen, dass sie kein Geld und keine Familie haben. Sie wurden vor unseren Augen erschlagen, um die anderen abzuschrecken. Für mich war das der schwerste Augenblick in diesen drei Monaten“, erinnert sich Habtum. „Ich dachte, Tsion und ich werden auch dort im Keller sterben.“

Glück im Unglück

Beim heute 21 Jahre alten Ibrahim Barry aus Guinea war von Anfang an klar, dass er nicht mehr zahlen konnte. Schliesslich war er Vollwaise. Als er ein Jahr alt war, starb sein Vater in Labe an Krebs. Zwölf Jahre später starb Ibrahims Mutter an den Folgen einer Blinddarmentzündung. Ibrahim blieb keine Wahl: Er wuchs fortan auf dem Markt in Labe auf, schlief nachts auf den Ständen, auf denen tagsüber das Obst auslag, das er verkaufte. Später handelte er mit Elektrowaren. Als er 15 war, machte sein Boss ihm ein Angebot: „Er sagte, er würde mich auf seine Kosten nach Israel schicken, weil man dort mehr Geld verdienen kann.“ Der Händler gab ihm 500 US$ und einen Flugschein, der ihn über Conakry und Marokko nach Ägypten brachte. Nach drei Nächten begann die Reise in den Sinai: „Sie luden uns mitten in der Nacht auf einen Kleinlaster, und plötzlich schlug die Atmosphäre um“, erinnert sich Ibrahim. „Yalla yalla! – Los, los!“, fauchten die Beduinen sie jetzt an. „Sie rasten durch die Nacht, auf einmal waren sie mit AK-47 Maschinenpistolen bewaffnet.“ Auf der Ladefläche sassen jetzt auch Frauen aus den GUS Staaten, Menschenmaterial für Bordelle in Israel: „Sie hörten nicht auf zu weinen“, sagt Ibrahim. Zwei Wochen lang wurde er in einem Zelt festgehalten, und von bewaffneten Jungen bewacht: „Sie gaben uns nur wenig Wasser, das voll mit roten Würmern war.“ Nach zwei Wochen ging es endlich weiter nach Israel, wo ein Taxi an der Grenze auf Ibrahim wartete um ihn zu einem vereinbarten Treffpunkt nach Tel Aviv zu bringen.

Hier hatte er Glück: Der Abholer, der ihn in Empfang nehmen und seine Dienste als Billigsklave weiterverkaufen sollte, erschien nicht. Zuerst wusste Ibrahim nicht was tun: „Ich stand unter Schock. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich geteerte Strassen, Laternen, so viele Autos und so hohe Häuser.“ Nachdem er mehrere Stunden gewartet hatte, begann Ibrahims Leben als illegaler Gastarbeiter.

Kriminelle Islamisten

Dass der Junge aus Guinea nicht misshandelt oder erpresst wurde, könnte auch daran liegen, dass er Muslim ist. Ein grosser Teil der Kriminalität im Sinai ist islamistisch angehaucht: „Den Christen unter uns verbaten sie zu beten“, berichtet Habtum, der seine Ein-Zimmer Wohnung in Tel Aviv mit Marienikonen geschmückt hat. Ausser den 24.000 Eritreern, die bereits nach Israel geflüchtet sind, liessen sich auch rund 8000 Sudanesen über den Sinai einschmuggeln: „Die zahlen meist nur einmal, weil sie Muslime sind“, sagt Rozen. Die Entführer gehen mit ihnen sanfter um: „Oft luden die Beduinen die Sudanesen ein um zuzuschauen wenn sie Christen zusammenschlugen und ihre Bibeln mit Füssen traten. Die standen dann da und lachten, vielleicht zwangsgedrungen“, sagt Habtum. Der Muslim Ibrahim erfuhr aber dennoch Rassismus: „Einmal traten die Ägypter einem Sudanesen ins Gesicht, als der zum Gebet niederkniete. Sie schrien ihn an: Warum betest Du wie ein Muslim Du schwarzer Hund?!“, sagt er.

Für Ibrahim ist Israel ein neues Heim. Der Vollwaise wurde zu einem zelebrierten Ausnahmefall. Vor wenigen Jahren wurde er von einem jüdischen Ehepaar adoptiert, der Innenminister gewährte ihm die Staatsbürgerschaft. Heute spricht Ibrahim perfekt Hebräisch, absolviert einen Offizierskurs in der israelischen Armee und träumt davon, zum Judentum überzutreten und Israels Botschafter in Guinea zu werden. Hier nennt er sich Avi. Für das Paar Tsion und Habtum ist das noch ein ferner Traum. Obschon ihr erster Sohn Jeffet Anfang Juli in Tel Aviv geboren wurde, bleibt ihr Status ein Schwebezustand zwischen Illegalität und Duldung. Aussichten für ihre Zukunft gibt es keine. Dennoch sind sie vorerst zufrieden: „Wenigstens schlägt uns hier niemand“, sagt Tsion, und stillt ihren kleinen Sohn mit einem seligen Lächeln.

Die Welt tut nichts

Tsion und Habtum sind hauptsächlich von der internationalen Staatengemeinschaft enttäuscht. „Wie können die die Verbrechen im Sinai seit Jahren zulassen?“, fragen sie. „Tsion und Habtum haben das Pech aus einem Staat zu stammen, der sich nicht um sie schert“, sagt Rozen. „Im Gegenteil: Er sieht es wahrscheinlich als gerechte Strafe für Deserteure.“ Flüchtlinge munkeln, ihr Heimatland wolle auf diese Weise an die Gelder entflohener Bürger kommen. „Wären die Geiseln Europäer, hätte man diesem Treiben längst ein Ende gesetzt“, sagt Rozen.

Medien bringen Wandel

Bis vor kurzem unternahmen ägyptische Behörden wenig, zumal die Zentralgewalt im Sinai notorisch schwach ist. Ein Gesetz gegen Menschenhandel wurde erst 2010 erlassen, ein Bericht des US-Aussenministeriums konstatiert jedoch lediglich „mässigen Fortschritt in dessen Umsetzung“, berichte doch selbst Ägyptens Regierung „von nur begrenzten Anstrengungen“ in dieser Frage. Im Gegenteil: Die Behörden könnten mit den Schmugglern unter einem Hut stecken. Flüchtlinge berichten von Polizeikommandos, die sie an der Grenze festnehmen, und sie wieder an Beduinen zurück verkaufen. Der amerikanische „Menschenhandelsbericht 2011“ beklagt dass Ägyptens „Regierung keine Anstrengungen machte, Beamte, die im Menschenhandel mitmischten, zu verhören oder zu bestrafen.“

Doch ein Bericht des Nachrichtensenders CNN, der erstmals auch festhielt, dass manchen Flüchtlingen gegen ihren Willen Organe entnommen werden, hat die Bewohner des Sinai wachgerüttelt. Mitte September demonstrierten erstmals 3000 Beduinen gegen die Schmuggler in ihrer Halbinsel: „Heute hat der Kampf gegen den Menschenhandel begonnen!“, deklarierte der Menschenrechtler Hamdi al Asasi, der den Protest organisiert hatte. „Die Mehrheit der Beduinen sind gute Menschen und wollen diejenigen, die uns einen schlechten Namen machen, stoppen.“

Auch ägyptische Medien nahmen das Thema inzwischen auf, und riefen damit extremistische Salafisten in Sinai auf den Plan. Die haben die Schmuggler wegen ihrer „unislamischen Praktiken“ aufs Korn genommen und begannen, sie anzugreifen. Daraufhin kamen auf einen Schlag hunderte Afrikaner frei: „Für manche Schmuggler ist es schlicht zu gefährlich geworden, Afrikaner zu halten“, sagt Rozen. Wie gefährlich, zeigten Kämpfe vor zwei Wochen, bei denen der Stamm der Altjaha tagelang den Stamm der Alankhalu im Sinai belagerten und dabei zwei berüchtigte Schmuggler töteten. Dennoch, so Rozen, sei das Problem noch lange nicht gelöst: „Es werden immer noch hunderte Afrikaner gegen ihren Willen im Sinai festgehalten, gefoltert und erpresst.“

© Gil Yaron

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Die Palästinensische Autonomiebehörde hat eine Kampagne zur Ausmerzung jüdischer Geschichte begonnen, indem sie jüdische heilige Stätten umetikettiert zu muslimischen. Dieser Kampf um die religiöse Identität heiliger Stätten verdient grössere Aufmerksamkeit von Seiten des Westens als bisher; er ist ein Paradebeispiel dafür, warum der israelisch-palästinensische Konflikt seit Jahrzehnten nicht zu lösen ist. Die Juden sind bereit zu teilen, doch die Araber sind es nicht.

Das Grab der Patriarchen in Hebron zum Beispiel – es ist eine der Stätten, die die UNESCO vor Kurzem auf einen Antrag der Palästinensische Autonomiebehörde hin für ausschliesslich islamisch erklärte. Unter israelischer Hoheit wurde, weltweit einzigartig, das Grab 44 Jahre lang gleichzeitig als Synagoge und als Moschee genutzt. An den meisten Tagen des Jahres steht es damit Gläubigen beider Religionen offen; an einer Handvoll von jüdischen und muslimischen Feiertagen ist es den Gläubigen des feiernden Glaubens vorbehalten. Zu keinem Zeitpunkt hat Israel jemals danach gestrebt, die Stätte ausschliesslich jüdisch zu machen; bereitwillig hat es sie mit palästinensischen Muslimen geteilt.

Ganz anders klingt da die Meinung eines der bekanntesten muslimischen Kleriker, der im vergangenen Jahr über das Grab sagte: „Es ist ein rein muslimischer heiliger Ort, Nichtmuslime haben kein Recht, hier zu sein oder hier zu beten, und ich bin gegen die Anwesenheit der Juden, selbst in der Altstadt“, sagte Haj Zeid al Ja’bari, Generaldirektor der Islamischen Religionsbehörde in Hebron, Reportern. Da ist keine Bereitschaft zum Teilen.

Die gleiche Haltung zeigt sich auch auf dem Tempelberg, wo Israel unmittelbar nach der Einnahme der Stätte im Jahr 1967 in einem fehlgeleiteten Anfall von Grosszügigkeit der islamischen Waqf (einer religiöse Stiftung) de facto die Kontrolle überlassen hat: Juden und Christen ist der Zutritt des Tempelbergs zum Gebet versperrt; es ist ihnen nicht einmal gestattet, die Bibel zu lesen oder die Lippen im stillen Gebet zu bewegen. Der Hügel ist die heiligste Stätte des Judentums, seit Jahrtausenden haben Juden dort dreimal täglich gebetet. Doch die Araber sind auch hier nicht bereit zu teilen.

Was für die heiligen Stätten gilt, betrifft auch das Land als Ganzes: Israel hat wiederholt angeboten, das Land mit den Palästinensern zu teilen. Das reicht von seiner Anerkennung des UN-Teilungsplans für Palästina von 1947 über den Vorschlag eines Staates durch Premierminister Ehud Baraks im Jahr 2000 bis zu dem noch grosszügigerem Angebot von Premierminister Ehud Olmert Jahr 2008. Jedes Mal sagten die Palästinenser Nein.

Doch weil ein umfassendes Friedensabkommen so komplex ist und es um so viele verschiedene und strittige Fragen geht, ist es für Westler offenbar naheliegend, den Wald der palästinensischen Ablehnung zu übersehen und auf die israelischen Bäume zu starren – und sich damit zu täuschen, dass ein Abkommen erreicht werden könnte, wenn Israel nur hier ein wenig mehr anbieten oder dort ein bisschen weniger verlangen würde.

Das macht es so aufschlussreich, die Aufmerksamkeit einem einzelnen, kleinen Problem wie dem Grab der Patriarchen zuzuwenden. Hier gibt es keine Flut konkurrierender Interessen, keine Vielzahl möglicher Tauschgeschäfte – Grenzen gegen Sicherheit oder Jerusalem gegen die Flüchtlinge. Hier haben wir lediglich die erwiesene israelische Bereitschaft, die Stätte zu teilen, und erwiesene palästinische Ablehnung, es zu tun. Solange sich an dieser palästinischen Ablehnung nichts ändert, wird Frieden nicht möglich sein.

Originalversion: Holy Sites Are the Conflict in Microcosm by Evelyn Gordon © Commentary Magazine (contentions), November 22, 2011. All rights reserved.

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Kerntechnische Anlage in Isfahan © istock

Der Iran fürchtet einen israelischen oder amerikanischen Angriff auf seine Nuklearanlagen, und hat deshalb seine Luftabwehr verstärkt. Doch nun kommen seit über einem Jahr Attacken „vom Boden“. Mal legt das Stuxnet-Virus von Siemens gelieferten Zentrifugen lahm, dann sind es Mordattentate auf führende Atomforscher. Die Mörder kamen per Motorrad, schossen gezielt und verschwanden wieder. Solange die nicht gefasst sind, kann nichts über deren Identität gesagt werden.

Vor zwei Wochen gab es eine grosse Explosion in einem Raketenwerk nahe Teheran. Dabei kam auch der Chefentwickler der Schihabraketen, General Hassan Tehrani Moqaddam, ums Leben. Diese Raketen können dank Reichweite und Tragkraft auch Atombomben ins Ziel tragen bis nach Israel, Europa oder zu amerikanischen Luftabwehrstationen zu tragen. Mit deren Zerstörung hatte kürzlich der Befehlshaber der iranischen Ravolutionsgarden, General Amir Ali Hajizadeh, gedroht.

Am Montag flog offenbar erneut eine geheime iranische Atomanlage in die Luft, diesmal bei Isfahan. Iranischen Medien meldete erst eine Explosion, ohne nähere Informationen zu liefern, entfernten aber kurz darauf den Bericht wieder aus dem Internet.

Im Sicherheitsausschuss des israelischen Parlaments erklärte Ithai Baron, Chef der Forschungsabteilung der militärischen Abwehrbehörde, dass beide Explosionen einen schweren Schlag für Irans Atomprojekt bedeuten, ohne es völlig gestoppt zu haben. Der inzwischen behobene Schaden durch das Stuxnet-Virus habe das Atomprogramm um Wochen verzögert.

In den israelischen Medien wird offen darüber diskutiert, dass der ehemalige Mossadchef Meir Dagan und sein derzeitiger Nachfolger die „Köpfe“ hinter den Anschlägen auf das iranische Atomprogramm seien. Selbstverständlich fügen sie stets den Spruch hinzu: „Gemäss ausländischen Quellen.“ Denn Israel bestätigt grundsätzlich nicht seine geheimdienstlichen Aktivitäten. Die Anschläge hätten einen zusätzlichen „positiven“ Nebeneffekt. Sie hätten nicht nur führende Physiker ausgeschaltet, sondern Angst gestreut. Ein iranischer Atomforscher habe sich nach Saudi Arabien abgesetzt. Das Stuxnet-Virus sei von den Amerikanern entwickelt aber im israelischen Atomzentrum in Dimona gestestet worden sein.

Über die Explosionen ist nur wenig bekannt. Die Explosion bei Teheran sei nach iranischen Angaben eine „Panne“ gewesen, ausgelöst durch Verladen von Sprengstoff. Die israelischen Sicherheitsexperten meinen jedoch, dass es für Iran zu peinlich sei, offen eine Verwundbarkeit seiner geheimsten Anlagen einzugestehen. Ob tatsächlich der Mossad hinter den Angriffen steckt, bleibt Spekulation und unbewiesene Behauptung der im Nahen Osten kursierenden Verschwörungstheorien. „Gleichgültig was die Ursachen waren, haben die Anschläge und die Explosionen mal wieder Israels Abschreckung gestärkt“, sagte der Experte Ronen Bergmann im Rundfunk.

Israels grösste Angst ist weniger ein direkter Angriff aus Iran, obgleich nach Angaben von Irans Verteidigungsminister Brigade General Ahmad Vahidi gegenüber der Fars Nachrichtenagentur 150.000 Raketen für eine Attacke auf den jüdischen Staat bereit stünden. Auch die Ankündigung der Fars-Agentur, wonach Iran 30.000 syrische und palästinensische Selbstmordattentäter ausgebildet zu haben, um sie über die Grenze auf den Golanhöhen nach Israel einzuschleusen, wird in Israel nicht sonderlich ernst genommen.

Als unmittelbare Gefahr gilt vielmehr ein konzertierter Raketenangriff der Verbündeten des Iran, die Hamas-Organisation im Gazastreifen und die Hisbollahmiliz im Libanon. Beide wurden von Iran mit Raketen beliefert, die jeden Punkt in Israel erreichen könnten. Doch weder die Hamas noch die Hisbollah scheinen im Augenblick an einer militärischen Auseinandersetzung mit Israel interessiert zu sein, wegen der schmerzhaften Schläge, die sie jeweils während des Libanonkrieges 2006 und während der Operation „Gegossenes Blei“ erlitten hätten.

Das behaupten israelische Fachleute. Vier Katjuscharaketen haben nach über zwei Jahren völliger Ruhe dennoch am Dienstag den Norden Israels getroffen. Die libanesische Armee entdeckte die Abschussrohre und Kabel für Fernzündung bei dem grenznahen christlichen Dorf Remeisch. Die Hisbollah verkündete eine intensive Suche nach den mutmasslich palästinensischen Tätern. Stunden später übernahm die „Abu Asam El Kaeda“ Gruppe die Verantwortung, ein radikaler El Kaeda Ableger in mehreren arabischen Ländern, darunter im ägyptischen Sinai.

Im Libanon spekulierten palästinensische wie christlich maronitische Sprecher, dass es sich um den Versuch einer pro-syrischen Gruppe handeln könne, von dem andauernden Blutbad in Syrien abzulenken. Ein israelischer Reporter kommentierte: „Vier Raketen können kaum von über 3.000 Toten ablenken.“

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Leon de Winter

„Die Niederlande sind bis zu einem gewissen Grad ein dekadenter Staat, vor allem, wenn man die niederländische Gesellschaft betrachtet. In den 60er Jahren begann ein Vorgang, bei dem sämtliche Formen abweichenden Verhaltens offen toleriert wurden. Normatives Verhalten – Anstand und gute Sitten – gingen verloren.“

Leon de Winter wurde 1954 geboren. Er ist einer der bekanntesten niederländischen Schriftsteller. Mehrere Jahre war er dem Hudson Institute Think-Tank angeschlossen. Im Jahre 2006 erhielt er in Deutschland die Buber-Rosenzweig-Medaille für seinen Kampf gegen antisemitische und rassistische Haltungen in der Gesellschaft.

De Winter merkt an: „Ich bin Holländer und ich mag die Niederlande sehr, ihre Verrücktheit, ihre Gegensätze und die Gespaltenheit. Die Niederlande haben eine starke calvinistische Neigung, verbunden mit einer beinahe anarchistischen Toleranz. Die niederländische Gesellschaft sucht ständig ihr Gleichgewicht und hat viele Gesichter, was sie sehr interessant macht.“

„Dass ich mich mit Israel identifiziere, macht mich jüdisch. Ich bin nicht religiös, aber ich zeige genau, wo meine Sympathien im israelisch-palästinensischen Konflikt liegen. Ich glaube, dass viele Leute dies als Zeichen meiner Jüdischkeit ansehen.“

De Winter behauptet, er kümmere sich nicht um „extreme Reaktionen“ auf  das, was er sagt. „Wenn ich im Fernsehen an einer Debatte über Israel teilgenommen habe, will ich nicht wissen, welche E-Mails der Sender als Antwort darauf erhält. Ich weiss, dass es viele negative Bemerkungen über mich auf Websites der Marokkaner, der Muslime und der Neonazis gibt, aber ich suche nicht danach.“

„Ich suche auch keine Orte auf, an denen eine Konfrontation stattfinden könnte. Im Zug werde ich manchmal von marokkanischen Jugendlichen angemacht, die einen holländischen Passagier provozieren wollen, wenn sie merken, dass er zum Beispiel ihre Lärmerei nicht mag.“

Über Israel sagt de Winter: „Manche Niederländer, die Teil des politischen Establishments sind, drücken Gefühle aus, die sie antizionistisch nennen, behaupten aber gleichzeitig, keine Antisemiten zu sein. Wer vom Schicksal der Palästinenser – welches im Vergleich zu anderen Gruppen leicht ist – fasziniert ist, wird sich auch übermässig für die Juden interessieren. Für Antisemiten ist „Zionismus“ ein Deckmäntelchen, um sich negativ über die Juden äussern zu können“.

„Es ist faszinierend, wie diese Probleme für gewisse Leute zur Obsession geworden sind. Der nichtjüdische Niederländer hat die Wahl, auf welches Leid auf der Welt er sich konzentriert. Es könnte sein, dass die Leute wissen, dass dieser bestimmte Konflikt immer Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.“

„In den Niederlanden gibt es eine kleine antiisraelische jüdische Organisation, die sich „Eine andere jüdische Stimme“ nennt. Ihre Mitglieder behaupten ständig: „Wir Juden haben den Holocaust überlebt und sind verpflichtet, die höchste Moral zu zeigen.“ Sie präsentieren den Holocaust als Bildungsinstitut für Juden, um jüdische Moral zu vermitteln. Mit anderen Worten, die Nazis hielten in den Konzentrationslagern Kurse ab, um die Juden mit Menschlichkeit zu durchdringen. Diese Juden pervertieren die Erinnerung an den Holocaust. Sie sind eine laute Gruppe, die viel Medienaufmerksamkeit bekommt, weil sie eine Botschaft verbreitet, die viele Nichtjuden gerne hören.“

„Die niederländischen Zeitungen stellen Israel stets auf die Titelseite – als ob das, was dort passiert, das Wichtigste der Welt wäre. Die Massenmorde in Darfur und im Kongo mit ihrer riesigen Anzahl an Toten in den letzten Jahren sind offenbar unbedeutend, denn die Zeitungen berichten sehr wenig darüber.“

„Radio und Fernsehen haben intensive Bilder kreiert. Man sieht in den Niederlanden in den letzten 25 Jahren eine riesige Veränderung darin, wie Israel wahrgenommen wird. Die Medien sind durch Nachrichten von niederländischen Korrespondenten im Nahen Osten und durch gefilterte Informationen beeinflusst. Ebenso spielt die Veränderung der demokratischen Haltung und die Einwanderung nordafrikanischer und türkischer Muslime nach Europa und in die Niederlande eine Rolle.“

„Der klassische, starke Antisemitismus unter Nordafrikanern in den Niederlanden ist sehr besorgniserregend. Er hängt mit der Identifikation der marokkanischen Jugendlichen mit den Palästinensern und mit Standpunkten aus dem traditionellen Islam zusammen. Doch in der niederländischen Gesellschaft gibt es auch immer noch Stereotypen über Juden.”

De Winter schliesst: „Was in den Niederlanden und in Europa geschieht, ist der Auftakt schrecklicher zukünftiger Ereignisse. Die grosse Liebesgeschichte der Juden mit Europa hat ihr Ende gefunden. In diesem Sinne waren die Nazis erfolgreich. Die jüdische Präsenz in Europa wird enden.“

„Anstelle ruheloser, schwieriger, kreativer, lustiger und gescheiter Juden hat Europa Muslime importiert, die gewöhnlich schlecht ausgebildet und oft frustriert, aggressiv und destruktiv sind. Ich schreibe schon jahrelang über diese Themen. Aber die Menschen beginnen erst ein wenig zu verstehen, wenn etwas Dramatisches passiert, wie zum Beispiel der Mord am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh oder die Selbstmordattentate in London.“

Gekürzte Version des Interviews, das auf Holländisch in Manfred Gerstenfelds Buch “The Decay: Jews in a Rudderless Netherlands“ (2010) erschien.

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© istockphoto/J Carillet

Der “arabische Frühling” bedeutet akute Gefahr für die christlichen Minderheiten in der gesamten islamischen Welt. Der bevorstehende blutige Herbst und Winter kann das Ende uralter christlicher Gemeinden bedeuten. Nicht zufällig klammern sich die syrischen Christen an Präsident Bashir al-Assad, trotz der Massaker. Unter Assad dürften sie sich sicherer Fühlen als unter dem voraussichtlichen Chaos danach oder gar einer Machtübernahme von Islamisten.

Die kaum beachtete Flucht Tausender Christen aus Irak nach dem Sturz Saddam Husseins war nur ein Vorbote ähnlicher Entwicklungen in anderen arabischen Ländern.

Wenige Wochen vor Ausbruch des Aufstandes in Ägypten gegen Präsident Hosni Mubarak sprengten sich Selbstmordattentäter vor Kirchen in Alexandria. Im Oktober rasten Militärs mit Kettenfahrzeugen in eine koptische Protestdemonstration hinein. Es gab Tote und Verletzte. Dieses „Maspero-Massaker“ zeigt, dass eine der ältesten christlichen Gemeinschaften, die Nachkommen der pharaonischen Ägypter, kaum mehr eine Zukunft in ihrem Land haben. Auch ohne Islamisten an der Macht in Kairo, wurden Kopten verhaftet, „weil sie Christen sind“. Die frühere konservative britische Ministerin Ann Widdecombe bezichtigte westliche Regierung, sich mehr um Homosexuelle in islamischen Ländern zu kümmern, als um verfolgte Christen.

Zehn Jahre nach dem Einmarsch der NATO in Afghanistan zum Preis von 440 Milliarden Dollar und dem Tod von 1700 amerikanischen Soldaten wurde im März 2010 die letzte christliche Kirche Afghanistans  dem Erdboden gleich gemacht. In Indonesien wurden Kirchen geschlossen, weil Christen angeblich missionierten. Im Sudan verfügte Präsident Assad eine islamische Verfassung, mit der Absicht, „die Christen los zu werden“. Die Behörden drohten mit der Zerstörung von drei Kirchen.  Ende Oktober wurde in Ägypten ein Christ von seinem Lehrer und Mitschülern zu Tode gequält, weil er sich geweigert hatte, eine Halskette mit Kreuz abzunehmen. Die Assyrische Nachrichtenagentur (syrische Christen), die darüber berichtete, ist im Internet nicht mehr zugänglich.

In Saudi Arabien verhaftete die Moral-Polizei einen kolumbianischen Fussballspieler, weil Saudis auf seinem Arm ein eintätowiertes Abbild Jesu entdeckt hatten. Bekanntlich dürfen Besucher Saudi Arabiens keine Bibeln oder christliche Gebetsbücher in ihrem Gepäck mitführen. Eine ähnliche Regelung haben auch die muslimischen Wächter des Tempelbergs in Jerusalem durchgesetzt.

Mission zählt zu den schlimmsten Todsünden in der muslimischen Welt. Moslems, die sich taufen liessen, schweben in akuter Lebensgefahr, nicht nur in Ländern wie Iran, sondern sogar in den palästinensischen Gebieten unter der „gemässigten“ Herrschaft der „weltlichen“ Fatah-Partei. Christen dürfen sich während des Ramadan nicht mit einer Zigarette im eigenen Auto erwischen lassen. In Jordanien werden sie bis zum Ende des Ramadan ins Gefängnis gesteckt. In Bethlehem oder Ramallah werden sie nur verwarnt.

In türkischen Schulbüchern werden die assyrischen Christen als „Rebellen“ dargestellt. Das Massaker an der Hälfte der Assyrer und an den armenischen Christen im Jahr 1915 wird verschwiegen. Wegen Hetze gegen Christen und gegen das Christentum hat die italienische Regierung ihre Finanzierung palästinensischer Schulbücher eingestellt.

„Die Attacken auf Christen gehen weiter und die Welt schweigt. Es ist, als hätte uns die Nacht verschluckt“, heisst es in einem Bericht aus Nord-Irak, nachdem zwei Christen ermordet und drei entführt worden sind.

Die Liste der Christenverfolgungen durch Moslems, wie sie von der Menschenrechtsorganisation „Hudson New York“ zusammengetragen worden ist, umfasst neben Somalia, Nigeria und Kasachstan sogar Frankreich und die USA.

Für das auffällige Wegschauen der sogenannten „christlichen Welt“ und der „apathischen westlichen Regierungen“ gibt es viele Gründe. Der Autor des mit vielen Quellenangaben versehenen Reports bei Hudson, Raymond Ibrahim vom  David Horowitz Freedom Center, erwähnt einen „doppelten Standard“ im Westen. Christliche Theologen ziehen einen „interreligiösen Dialog“ mit Moslems vor, anstatt sich erst einmal um ihre eigenen Glaubensbrüder zu kümmern.

Schon vor Jahren wurde gesagt, dass es gar keine „christliche Welt“ mehr gebe, sondern nur noch diffuse Werte des Westens wie Menschenrechte oder Umweltschutz. Die unterliegen jedoch politischen oder wirtschaftlichen Interessen und werden entsprechend politischen Vorlieben sehr unterschiedlich interpretiert. Gerade in Nahost dienen politische Formeln dazu, Massenmord zu rechtfertigen, solange es sich um „legitimen Widerstand“ handelt, während „exzessive Gewalt“ allein davon abhängt, wer die Rakete abschiesst und nicht, wer deren Opfer sind.

© Ulrich Sahm

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© TAMMTS

Wer aktuell öffentliche Verkehrsmittel in Tel Aviv und Umgebung nutzen möchte, ist auf die Autobusse angewiesen. Diese stehen aber ähnlich wie viele Autofahrer kontinuierlich im Stau. Gerade die dicht besiedelte Gush Dan Region (die Agglomeration von Tel Aviv-Jaffa mit ca. 1,8 Millionen Einwohnern) leidet unter einem sehr hohen Verkehrsaufkommen, was die tagtägliche Fortbewegung äusserst mühsam macht.

Nun haben die Bauarbeiten an einem umfassenden öffentlichen Verkehrssystem begonnen: Bis 2017 soll die erste Verbindung zwischen Petach Tikwa und Jaffa fertig gebaut werden. Dieser sollen zwei weitere Linien folgen, die neben den Vorstädten auch die Zug- und Busbahnhöfe in der Gush Dan Region verbinden sollen. Das „light rail transit system (LRT)“ soll sowohl unter der Erde als auch auf Strassenhöhe gebaut werden. „Wenn uns dies gelingt, wird es eine Revolution für die Gush Dan Region. Eine U-Bahn wird die Art, wie Leute Tel Aviv und das kulturelles Leben der Stadt nutzen, völlig verändern.“, beschreibt Barbara Levine, Ingenieurin im Planungsteam.

Levine betont ausserdem, dass die besonderen Züge, die für das LRT eingeplant werden, sehr energiefreundlich geplant seien. Im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen sollen sie 35 Prozent weniger Energie verbrauchen.

Quelle: Israel Zwischenzeilen, Hg. Gesellschaft Israel-Schweiz, 21.11. – 27.11.2011

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Das Hamas-Emblem

Wie der Machtkampf in Ägypten schliesslich ausgehen wird, wissen wir noch nicht – und doch können wir einen grossen Gewinner bereits beim Namen nennen: die Hamas. Mit wie viel Macht das ägyptische Militär auch dastehen wird, ohne Zweifel ist die islamistische Gruppierung einer der Hauptnutzniesser vom Kollaps des Mubarak–Regimes und vom steigenden Einfluss der Muslimbruderschaft in Kairo.

Das Durchsetzungsvermögen der Bruderschaft ist nur einer von mehreren Faktoren, die den Einfluss der Hamas unter den Palästinensern und in der Region erhöht haben. Dass es ihr gelungen ist, Israel zum Austausch von über tausend Terroristen für einen entführten israelischen Soldaten zu zwingen, haben die Fatah und die Palästinensische Autonomiebehörde genauso geschwächt wie das Scheitern der Bemühungen der Letzteren, den Friedensprozess durch die Erlangung der Unabhängigkeit bei den Vereinten Nationen abzukürzen. Doch nachdem die Grenze des Gazastreifens zu Ägypten nun durchlässig ist und sie zum Einfallstor für Waffenlieferungen und andere Formen der Hilfe werden könnte, wird bald niemand mehr die Tatsache ignorieren können, dass sich im Hamas-Staat dort das wahre Gesicht der palästinensischen Unabhängigkeit zeigt.

So wie Ägypten der Dreh- und Angelpunkt für den Beginn eines Friedensprozesses im Nahen Osten war, könnte der Aufstieg einer neuen Regierung, die die Beziehungen mit Israel möglicherweise weiter herabstuft, die noch vorhandene geringe Hoffnung auf Verhandlungen mit den Palästinensern unter sich begraben. Die meisten Beobachter bezweifeln, dass die ägyptische Armee zulassen wird, den Friedensvertrag mit Israel vollständig zu verwerfen. Doch es wäre keine Überraschung, wenn die nach den Wahlen gebildete Regierung feindlich dem jüdischen Staat gegenüber gesinnt wäre und noch freundlicher als bisher gegenüber dem ideologischen Verbündeten der Bruderschaft, der Hamas.

Dies wird die Hamas erheblich stärken, weil sich die Möglichkeit eröffnet, Israels Blockade der islamistischen Enklave zu unterlaufen und eine sichere Versorgungslinie zwischen dem Gazastreifen und dem Iran aufzubauen, der nach wie vor der Hauptlieferant von Waffen und Material an die Terrorgruppe ist.

Eine solche Wendung der Ereignisse wird sich in der ganzen Region auswirken. Die Popularität der Hamas unter den Palästinensern wird, durch den Deal um Gilad Shalit gestärkt, wird weiter wachsen. Das Einheitsabkommen mit der Fatah zeigt, dass die Palästinensische Autonomiebehörde erkannt hat, wie sich das Blatt in der langjährigen Rivalität gewendet hat und die Islamisten dabei sind, deutlich die Oberhand zu gewinnen. Die palästinensische Regierung der nationalen Einheit, die aus diesem Abkommen hervorgeht, wird voraussichtlich auf den Westen hin orientiert und den Terroristen gegenüber dienstbarer sein. Sogar Jordanien, bisher ein Bollwerk der arabischen Mässigung und zutiefst besorgt über den Einfluss der Hamas, hat begonnen, seine eisigen Beziehungen zu der Organisation aufzutauen. All dies lässt jede Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit Israel unter einem dunklen Schatten stehen.

Der amerikanische Einfluss in der Region nimmt ab; es bleibt abzuwarten, ob US-Präsident Barack Obama begreift, dass er nach wie vor gewisse Lenkungsmöglichkeiten besitzt. Die enormen Hilfsgelder, die noch immer von den USA und dem Westen zu den Palästinensern, wie auch nach Ägypten und in die anderen arabischen Länder fliessen, könnten dazu benutzt werden, die Isolierung der Hamas aufrechtzuerhalten. Dennoch besteht kein Zweifel daran, unabhängig davon was Obama nachträglich sagt oder tut, dass die Macht und der Einfluss der Hamas wachsen.

Originalversion: Hamas is the Big Winner in Egypt by Jonathan S. Tobin © Commentary Magazine (contentions), November 23, 2011. All rights reserved.

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Hama Al-Assy Platz, Syrien
Al-Assy Square Hama, Syrien

Diese Woche nahm mit Jemens Präsident Abdallah Saleh der vierte arabische Diktator in diesem Jahr seinen Hut. Es sieht zunehmend so aus, als könnte Syriens Präsident Bashir al-Assad zum nächsten arabischen Ex-Potentat werden. Die Arabische Liga schien während ihres Gipfels in Kairo am Donnerstag dazu übergegangen zu sein, den Sturz Assads vorzubereiten.

Während die Innenstadt Kairos diese Woche im Chaos von Massenprotesten gegen die herrschende Militärjunta zu versinken drohte, beriet die Arabische Liga am Donnerstag in sicherer Entfernung vom zentralen Tahrirplatz in einem Vorort über weitere Schritte gegen Syrien. Vor mehr als einer Woche hatte sie Syriens Präsident Bashir al-Assad ein klares Ultimatum gestellt: Er solle seine Truppen aus den Städten abziehen, Reformen einleiten, um die blutigen Unruhen in seinem Land zu beenden, und arabische Beobachter ins Land lassen. Seit Mitte März demonstrieren dort Hunderttausende für mehr Freiheit, doch Assad reagierte bisher mit leeren Versprechen und roher Gewalt. Mindestens 4000 Menschen sollen laut einer konservativen Schätzung der Liga dabei getötet, mehr als 30.000 willkürlich verhaftet und gefoltert worden sein.

Das Ultimatum der Liga lief vergangenen Samstag ab, doch seither verschärften sich die Kämpfe in Syrien nur. In den Stunden, in denen die Liga über wirtschaftliche Sanktionen gegen Syrien beriet, durchpflügten Panzerketten die Felder rund um die Stadt Rastan, auch aus Homs kamen Berichte über schwere Gefechte. Seit Dienstag sollen laut Angaben der syrischen Opposition mehr als 40 Menschen getötet worden sein.

Doch nun scheint ein Wendepunkt erreicht. Monatelang herrschte in Syrien ein Patt: Assad widerstand dem Druck von aussen und innen und setzte auf Gewalt, die Bevölkerung demonstrierte dennoch täglich gegen ihren Herrscher. Mehrere Entwicklungen scheinen nun das Blatt gegen Assad zu wenden. Assad ist fast völlig isoliert, ähnlich wie einst Libyens Diktator Muammar Gaddafi, kurz bevor die NATO im libyschen Bürgerkrieg eingriff. Vergangene Woche stimmten 18 von 22 Mitgliedstaaten der Arabischen Liga gegen ihn. Im UN-Menschenrechtsrat votierten 122 Staaten gegen sein Vorgehen.

Erstmals berieten seine Nachbarn über die Verhängung wirtschaftlicher Sanktionen gegen Damaskus. Lauscht man den Aussagen arabischer Diplomaten, ist Assad bereits Geschichte. Rief die Liga ihn bisher zu Reformen auf, wandten sie sich nun über seinen Kopf hinweg direkt an die syrische Armee mit der Aufforderung, das Blutvergiessen im Land einzustellen. Man arbeite daran, „die syrische Opposition um eine Vision für die Zukunft Syriens zu einen“, sagte Khaled al-Habasi, ein Berater des Generalsekretärs der Liga Nabil al-Arabi. Auch Frankreichs Aussenminister Alain Juppe bezeichnete den „Syrischen Nationalkongress“ (SNC), ein Dachverband mehrerer Oppositionsgruppen, als „einen legitimen Partner, mit dem wir arbeiten wollen.“

Dabei stellte Juppe erstmals ein Eingreifen in Syrien Aussicht, wenn auch vorsichtig: „Wenn es möglich ist, eine humanitäre Dimension einer sicheren Zone zu haben, um Zivilisten zu schützen, dann ist das eine Frage die von der EU und von der Arabischen Liga untersucht werden sollte“, sagte Juppe nach einem Treffen mit einem Vertreter des SNC. Während der SNC ein offenes militärisches Eingreifen ablehnt, befürwortet er die Einrichtung einer solchen „humanitären Pufferzone“. Sprecher der schätzungsweise 15.000 syrischen Deserteure, die sich lose der in der Türkei basierten „Freien Syrischen Armee“ angeschlossen haben, sagten bereits aus, dass sie eine solche Zone nutzen könnten, um effektivere Angriffe gegen Assads Truppen zu starten.

Laut türkischen Medienberichten bereitet Ankara sich bereits seit Wochen darauf vor, just solch eine Pufferzone einzurichten, um eine Flüchtlingswelle zu verhindern. Rund 10.000 Syrer flüchteten vor der Gewalt in ihrem Heimatland bereits in die Türkei, weitere könnten folgen. Die Spannung an der Grenze hat neue Höhen erreicht. Auf beiden Seiten wurden Truppen verstärkt. Immer öfter und schärfer warnt Ankara Damaskus vor dem Versuch, mit der Beherbergung kurdischer Separatisten Druck auf die Türkei ausüben zu wollen, oder syrische Dissidenten auf türkischem Staatsgebiet zu behelligen.

Einzig der Iran und die libanesische Hisbollahmiliz stehen noch zu Assad. Dem gehen langsam die Devisenreserven aus, die er benötigt, um seine Klientel an der Stange zu halten. Zum ersten Mal seit im September Sanktionen gegen Syriens Erdölexporte verhängt wurden, kaufte der Iran, einer der grössten Energieexporteure der Welt, jetzt 80.000 Tonnen syrisches Öl. Teheran will seinem Verbündeten so finanziell unter die Arme greifen.

© Gil Yaron

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Robert Wistrich

In der postmodernen Welt entwickelte sich der Antisemitismus so wie viele andere Phänomene – er wurde globalisiert und zersplitterte stark. Die Ausdrucksformen dieses uralten Hasses verändern sich ständig. All dies erschwert es, das Thema intellektuell angemessen zu erfassen.

Robert Wistrichs neuestes Buch A Lethal Obsession gibt eine meisterhafte Übersicht darüber, wie der Antisemitismus in den letzten Jahrzehnten globalisiert wurde. Das Buch trägt den Untertitel Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad. Dieser weist zu Recht darauf hin, dass gegenwärtig die mit Abstand grösste Gefahr für das jüdische Volk und Israel von der muslimischen Welt ausgeht. Gewisse Teile dieser Bedrohung bedeuten unter Umständen Völkermord.

Wistrich hält den Neuberger Lehrstuhl für moderne europäische und jüdische Geschichte an der Hebräischen Universität (Jerusalem). Seit 2002 leitet er auch das Vidal Sassoon International Center for the Study of Anti-Semitism.

Während sich der Antisemitismus im letzten Jahrzehnt stark ausgeweitet hat –  dies nicht nur in seiner antiisraelischen Form –, konnte die Wissenschaft damit nicht Schritt halten. Es gibt nur sehr wenige Hochschulzentren für Antisemitismusforschung. Der Grossteil der wissenschaftlichen Anstrengungen wird in die Geschichte des Antisemitismus investiert. Einige Antisemitismusforscher haben sich sogar zu trojanischen Pferden gewandelt. Sie verkünden den Kampf gegen Islamophobie und verbreiten den Eindruck, diese sei ein wichtigeres Phänomen als Antisemitismus. Das ist vollkommen falsch. Es ermöglicht ihnen jedoch angenehmerweise, den weit verbreiteten Antiisraelismus und Antisemitismus in muslimischen Gesellschaften schönzureden oder gar gänzlich zu ignorieren.

Durch die schnelle Entwicklung und Veränderung des Antisemitismus gibt es bereits viele neue Ereignisse und Vorfälle, die in einer aktualisierten Ausgabe diskutiert werden sollten. Zum Beispiel müsste einfliessen, wie die schwedische Stadt Malmö unter ihrem teilzeitlich antisemitischen und vollzeitlich sozialdemokratischen Bürgermeister Ilmar Reepalu ihr Image als Europas Hauptstadt des Antisemitismus erlangte. Ausserdem müssten auch die grössten antisemitischen Ausschreitungen der norwegischen Geschichte in Oslo im Jahr 2009 sowie viele andere neuere Entwicklungen beleuchtet werden.

Um ein so umfassendes Werk zu rezensieren, untersucht man am besten, wie Wistrich den Hauptträger des zeitgenössischen Antisemitismus behandelt, nämlich den islamischen Antisemitismus.

Schon früh (S. 71) zitiert Wistrich zustimmend Samuel Huntingtons Aussage, dass Muslime „viel stärker in gruppenübergreifende Tätlichkeiten verwickelt sind als Menschen anderer Kulturen.“ Wistrich merkt an, dass „Kriege zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen sowie Konflikte innerhalb der islamischen Welt während der letzten Jahrzehnte viel zahlreicher waren als in anderen Kulturen.“ Er widmet nicht nur die letzten sechs Kapitel seines Buches Themen, die hauptsächlich Muslime betreffen, sondern erwähnt sie auch oft an anderen Stellen.

Wistrich hat bereits früher eine Monografie über den österreichisch- jüdischen Kanzler der Nachkriegszeit, Bruno Kreisky, veröffentlicht. In A Lethal Obsession entlarvt er die Ambivalenz dieses Sozialdemokraten in Bezug auf die „Judenfrage“ (S. 221). Vier der elf von Kreisky ernannten Minister in seinem ersten Kabinett waren ehemalige Nazis. Er schmähte Simon Wiesenthal und nannte ihn in einer niederländischen Wochenzeitung sogar einen „jüdischen Faschisten“ (S. 221-223).

Ein Kapitel trägt den Titel „Jews against Zion.“ Wistrich fasst darin die Geschichte der jüdischen Selbsthasser zusammen, angefangen bei den Apostaten im christlichen Spanien nach dem Massaker an den Juden im Jahre 1391. Er bezieht sich auf eine Aussage, die bereits der Wiener Dramatiker der Jahrhundertwende, Arthur Schnitzler, zitierte: „Antisemitismus hatte keinen Erfolg, bevor die Juden ihn zu fördern begannen.“ Er erwähnt die bekanntesten jüdischen Selbsthasser des 20. Jahrhunderts: Otto Weininger, Karl Kraus und viele jüdische Sozialistenführer in Österreich. Wistrich erwähnt auch deutsch-jüdische Selbsthasser, die jüdischen Kanaaniter in Palästina vor der israelischen Staatsgründung, die jüdischen Trotzkisten sowie Maxime Rodenson.

Er weist darauf hin, dass George Steiner – obwohl kein Selbsthasser – eine Meinung über die Juden hatte, die „einige altbekannte christliche Archetypen der Juden im Exil widerspiegelt (ihres Landes und ihrer Souveränität beraubt – durch ihre Verstocktheit dazu verurteilt, rastlos durch die Welt zu wandern)“. Weitere Beispiele, die der Autor in einige der  Kategorien von Selbsthassern, Antisemiten und antiisraelisch Eingestellten einreiht, sind Noam Chomsky, Norman Finkelstein, der kanadische Akademiker Michael Neumann sowie die Israelis Avraham Burg und Ilan Pappe. Wistrich schliesst daraus richtigerweise, dass „sich selbst hassende Juden, was auch immer die Motive für den Verrat an ihrem eigenen Volk und die Negierung dessen Geschichte seien, den Antisemiten über Jahrhunderte hinweg wertvolle Munition geliefert haben. Dies ist im Endeffekt immer noch so“ (S. 515-542).

Wistrich behandelt viele andere wichtige Themen ebenso gut. Trotzdem ist es bedauerlich, dass der französische Gelehrte Leon Poliakov, der wichtige Grundlagen für den Wissenschaftsbereich Antisemitismusforschung festlegte, vom Autor nicht berücksichtigt wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Buch zurzeit die aktuellste und wichtigste Übersicht über den globalen Antisemitismus darstellt. Für Studenten dieser Fachrichtung sowie für interessierte Laien ist A Lethal Obsession ein Muss.

Robert S. Wistrich, A Lethal Obsession (New York: Random House 2010) 1,184 Seiten.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Vorstandsvorsitzender des Jerusalem Center for Public Affairs

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Mitri Raheb

Seit gut zwei Jahrzenten sind Teile der christlichen Welt durch die Schriften selbst ernannter „palästinensischer christlicher Theologen“ unterhalten worden. Da ihre klügsten Köpfe evangelische Pfarrer sind, spielen sie eine eher untergeordnete Rolle unter den Katholiken und Orthodoxen, die dem Heiligen Land die Treue halten; doch in liberalen protestantischen Kreisen im Ausland sind sie merkwürdig beliebt, besonders bei Kirchenfunktionären.

Nun hat einer von ihnen, der lutherische Pastor Mitri Raheb von Bethlehem, die Bemühungen der „Palästinensischen Theologie“ gerade zunichte gemacht, sich als unbedeutendes Revival der europäischen Theologie des 19. Jahrhunderts zu positionieren  – indem er die Rassentheorien dieser Zeit aufwärmte.

Neben ihren Erfolgen an protestantischen Universitäten im Ausland haben Raheb und sein anglikanischer Amtskollege, Naim Ateek, in Jerusalem und Bethlehem Bildungseinrichtungen eröffnet. Kürzlich erhielt Raheb von der Palästinensischen Autonomiebehörde die Genehmigung, Bachelor– und Master–Abschlüsse zu erteilen.

Als Aushängeschild der „palästinensischen Theologie“, der es vor allem um eine theologische Untermauerung der politischen palästinensischen Ziele geht, war Rahebs Widerrufung seiner bisherigen theologischen Linie ein Schock.

Auf der internationalen Konferenz „Christus am Checkpoint“ in Bethlehem im Jahr 2010 kündigte Raheb eine „neue Art des Denkens“ an, nachdem auch die palästinensischen Theologen „nach dem Rhythmus der europäischen Theologie des 19. Jahrhunderts getanzt“ hatten.

Das hat Raheb ganz richtig erkannt; seine dann folgenden Bemerkungen allerdings lassen an seinen wissenschaftlichen Qualifikationen zweifeln. So ist eine seiner ersten Annahmen im Rahmen des „neuen Denkens“ zum Beispiel, dass „die Bibel nirgendwo anders als in Palästina hätte geschrieben werden können“. Nun machen biblische Bücher wie Esther und die Offenbarung ausdrücklich klar, dass sie ausserhalb des Landes Israel (in Persien bzw. Griechenland) abgefasst wurden. Weiss Raheb so wenig von seiner Bibel?

Seine zweite These, „dass das palästinensische und Teile des jüdischen Volkes die Nachfolger der Völker dieses Landes“ sind, während „Israel das Rom der Bibel, nicht das Volk des Landes“ repräsentiere, greift zurück auf Ansätze im 19. Jahrhunderts, die jüdische Herkunft Jesu zu verschleiern.

„Wenn wir einen DNA-Vergleich machen würden zwischen David aus Bethlehem, Jesus, geboren in Bethlehem, und mir, Mitri, der ich sozusagen auf der gegenüberliegenden Strassenseite geboren wurde“, sagt Raheb, „ich bin mir sicher, die DNA würde eine gemeinsame Spur zeigen. Aber Sie finden nichts, wenn Sie den Vergleich zwischen König David, Jesus und Benjamin Netanjahu machen – weil Netanjahu aus Osteuropa stammt, wo seine Vorfahren im Mittelalter zum Judentum konvertiert sind.“

Evangelisch-Lutherische Weihnachtskirche in Bethlehem

Nicht nur zeigt Raheb sich hier schamlos rassistisch, er hat auch nicht den geringsten Beweis, um seine Behauptungen zu stützen. Über Netanjahus Abstammung weiss er nichts, und er selbst könnte genauso von griechischen Pilgern oder europäischen Kreuzfahrern abstammen. Darüber hinaus haben genetische Untersuchungen gezeigt, dass europäische Juden eine engere genetische Verwandtschaft mit Juden des Nahen Ostens als mit nichtjüdischen Europäern aufweisen.

Das Leitmotiv der genannten „Christus am Checkpoint“–Konferenz war, dass die heutigen israelischen Checkpoints Josef und Maria daran hindern würden, nach Bethlehem zu gelangen. Heute würde ein jüdisches Paar, das sein erstes Kind erwartet und versucht, sich in Bethlehem niederzulassen, natürlich wegen illegalen Siedelns verurteilt werden. Und Maria hätte Glück, wenn sie lange genug leben würde, um ihr Kind überhaupt zur Welt zu bringen.

Aber auch hier weiss Raheb den Ausweg. Wie schon Jassir Arafat zu sagen pflegte, waren Jesus und Maria keine Juden, sondern Palästinenser. Kein Problem also. „Da ich ja gerade gegenüber vom Geburtsort Jesu zur Welt kam“, fügt Raheb hinzu, „sage ich gerne, dass eine meiner Ur-ur-Uromas wahrscheinlich auf den kleinen Jesus aufgepasst hat.“ Auch hier zeigt Raheb Unkenntnis oder gar Missachtung seiner Bibel; Matthäus berichtet, dass die Heilige Familie kurz nach der Geburt Jesu aus Bethlehem nach Ägypten geflohen ist. Wenn also jemand auf den kleinen Jesus aufpasste, waren es Juden aus Alexandrien oder Kopten.

Dem „neuen Denken“ Rahebs liegt vor allem eine Absicht zugrunde: zu zeigen, dass die Bibel bei der Rede vom auserwählten Volk die heutigen Palästinenser und insbesondere die palästinensisch-arabischen Christen meint. Bei aufmerksamer Lektüre der „palästinensischen Theologie“ von Raheb, Ateek und ihresgleichen wird deutlich, dass diese Behauptung über die Auserwähltheit der Palästinenser bei gleichzeitigem Ausschluss Israels den ganzen Sinn und Zweck der Übung bildet. Rahebs Konferenz-Rede besteht  vor allem in dem Eingeständnis, dass all ihr früheres Geschwätz keiner ernsthaften Prüfung standhält. Sein kindischer Versuch, ein neues Geschwafel zu beginnen, bestätigt dies nur.

Nicht, dass dies die Lobhudelei Rahebs und Ateeks unter ihren Bewunderern verringern würde, da sie offenbar nicht für ihre intellektuelle Integrität, sondern für ihre Dienste bei der Delegitimierung des heutigen Israel und des heutigen jüdischen Volkes bewundert werden. Trotz seiner mit Nachdruck betonten Zurückweisung der Theologie des 19. Jahrhunderts, verpackt Raheb deren alte Behauptung neu, dass die Kirche das „Neue Israel“ ist, das an die Stelle des jüdischen Volkes getreten ist, und dass die Bibel allein den Christen gehört; wenn es nach Raheb geht: ausschliesslich den palästinensischen Christen.

Auf diese Weise erfährt Raheb gewöhnlich gespannte Aufmerksamkeit. In Deutschland beispielsweise wurde ihm im Jahr 2008 der Aachener Friedenspreis verliehen, und auf dem Ökumenischen Kirchentag im Mai 2010 in München wurde er, zwei Monate nach seiner Rede in Bethlehem, freundlich empfangen.

Wir können bei allem dankbar sein für das Schauspiel von Rahebs Auftritt in Bethlehem. Einerseits wanderte dabei die ganze frühere „palästinensische Theologie“ in den Müll. Andererseits wurde deutlich, dass jede vernünftige Universität sein „neues Denken“ mit „durchgefallen“ beurteilen würde, wenn es von einem nichtpalästinensischen Studenten vorgebracht würde. „Palästinensische Theologie“ mag noch immer ihre Bewunderer haben, aber sie starren auf einen kleinen Kaiser ohne Kleider.

Kurzfassung der Originalversion: „Palestinian Theologian“ Trashes „Palestinian Theology“ by Malcolm Lowe © Hudson New York, November 10, 2011. All rights reserved.